Canonical forkt Linux

April 1, 2014 um 8:00 vormittags | Veröffentlicht in 1. April, GNU/Linux, Ubuntu, Ubuntuusers | 6 Kommentare

Canonical sucht offenbar nach einem Alleinstellungsmerkmal im nach wie vor stark fragmentierten Linux-Markt. Gegeben durch seine Eingeschränktheit müssen ambitionierte Distributionen mit immer aggressiveren Methoden versuchen sich von ihren, teilweise zum Verwechseln ähnlichen, Rivalen abzugrenzen. Linux beginnt zum Big Business zu werden und Canonical will Vorreiter sein. Nachdem sich bereits Red Hat entschieden hat ab der nächsten Version auf Unity zu setzen und SuSE seine Mitarbeit an Mir angekündigt hat, entschloss sich Canonical, laut Community Manager Jono Bacon, zu einem weiteren Schritt:

We will fork the [Linux] kernel and optimize it for the upcoming MC14500B [chip] from Motorola. Its rigorously reduced instruction set and increased effiency make it a perfect candidate to spearhead a revolution in the industry.

Übersetzung:

Wir werden den [Linux] Kernel forken und ihn für den kommenden MC14500B [Chip] von Motorola optimieren. Sein stark vereinfachter Befehlssatz und erhöhte Effizient machen [den Chip] zu einem perfekten Kandidaten um eine Revolution im Computergewerbe anzuführen.

Der MC14500B ist ein bis jetzt "sträflich vernachlässigter" Prozessor, welcher unter anderem in DATANorfs WDR-1 zum Einsatz kommt. Durch seine Einfachheit erspart der Chip dem Programmierer viel Overhead und erzielt relativ hohe Rechengeschwindigkeiten.

Ob es für den Durchschnittsnutzer von Vorteil ist wenn Canonical seine Arbeitskraft erneut für ein Projekt verwendet, welches es vom restlichen Linux-Biotop isoliert, bleibt dahingestellt. Da die Firma eines Tages auch ohne Mark Shuttleworths Reichtum auskommen soll scheint dieses Vorgehen jedoch nur logisch. Es bleibt abzuwarten ob die Kernel nach getaner Arbeit wieder verschmelzen werden und ob die großen Applikationen (GNOME/KDE, LibreOffice, Firefox, …) ihre Unterstützung zusagen, denn ohne diese wird Canonical es schwer haben seine bisherigen Standards zu halten. Im schlimmsten Fall müssten sie sogar MC14500B Versionen dieser Programme selbst erstellen und warten. Und ob Canonical das auf lange Sicht ohne Shuttleworth aushält ist meiner Ansicht nach mehr als fraglich. Allerdings deutet die Spezialisierung auf einen Motorola-Chip auf eine Zusammenarbeit mit Google hin.

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Experiment Windows

März 24, 2014 um 11:00 vormittags | Veröffentlicht in Microsoft, Ubuntuusers, Vermischtes | 35 Kommentare

Zu Beginn: Nein, ich habe nicht vorauf Windows umzusteigen. Ich suche nur nach einer Möglichkeit Programme auszuführen, welche weder mit Wine noch in einer virtuellen Maschine laufen. Die (normalerweise) Windows-Programme brauchen also eine native Windows-Installation.

Beispiel gefällig? Vor wenigen Wochen erschien das von Fans der Reihe lang ersehnte "Might and Magic X". Nachdem das ursprüngliche Entwicklerstudio "New World Computing" bankrott ging wurden die Rechte an der "Might and Magic"-Reihe an Ubisoft verkauft. Ja. Ubisoft. Neben EA einer der großen Anhänger von DRM-Maßnahmen. Um "Might an Magic X" installieren und ausführen zu können muss es per UPlay aktiviert werden. Für alle, die es nicht wissen: UPlay ist Ubisofts Steam. UPlay läuft nicht mit Wine und das Spiel selbst braucht mehr als die mikrige 2D-Beschleunigung der virtuellen Maschine. Diese Kombination ist also von einem nativen Windows abhängig.

Ein Windows besorgen

Nachdem auf meinen Computern kein einziges Windows installiert ist muss ich erst eines installieren. Das bedeutet: ich muss mir eines besorgen. Im Gegensatz zum durchschnittlichen Windows-Benutzer möchte ich eine legale Version meiner Programme verfügbar haben und lade mir daher keine Crack-Version herunter. Es würde mich zwar schmerzen, wenn ich Geld an Microsoft zahlen müsste, als ehrlicher Nutzer wird mir das aber wohl nicht erspart bleiben … dachte ich.

Doch von Anfang an. Ich studiere an der Universität Wien Informatik. Ich habe noch nie Software von unserem Facultas gekauft, habe aber gehört, dass diverse kommerzielle Software für Studenten mit erheblichen Preisnachlässen zu haben ist. Also habe ich mich auf den Weg gemacht um eine Kopie eines Windows 7 zu holen. Die Website von Facultas selbst listet keine Zweigstelle auf, die sich auf Informatik spezialisiert. Eine kurze Suche im Netz liefert nur die Zweigstelle in der Brünnerstraße. Die ehemalige Zweigstelle, denn die dort ansäßigen Institute für Wirtschaftswissenschaften und Mathematik sind vor geraumer Zeit in den Neubau am Oskar-Morgenstern-Platz übersiedelt. Im dortigen Facultas, welcher ein wenig schwierig zu finden ist, wurde mir gesagt, ich solle mich an den Facultas der Technischen Universität (TU) oder an den ZID der Universität Wien wenden.

Nun bietet die Filiale der TU ihre Vergünstigungen nur für Studenten der TU an und der ZID kann direkt mit Software nicht dienen, da er in erster Linie eine Servicestelle ist, über welchen man diverse Dienste wie Webspace, Webmail und FTP-Server erhält. Allerdings offenbart der ZID unter dem Punkt "Microsoft Software" den Link zum MS Academic Aliance Partnerprogramm "DreamSpark" über welches Studenten der Universität Wien eine größere Auswahl an MS Software im Rahmen des Studiums kostenfrei nutzen können. Nun ist das zwar nicht mein primäres Bestreben, allerdings halte ich Entspannung zwischen dem Schreiben zweier Arbeiten auch für Teil des Studiums.

Wie dem auch sei, dieses Vorhaben erwies sich als recht schwierig umzusetzen …

Windows gefunden – Windows herunterladen – Ein Henne/Ei-Problem

Der Zugang zu DreamSpark ist nur aktiven Informatikstudenten der Uni Wien erlaubt. Einmal angemeldet kann man verschiedene Software in den Einkaufswagen legen. Beim Abschluss des "Kaufes" erhält man für jedes Produkt einen Lizenzschlüssel und einen Download-Link. Äh. Nein. Nicht ganz. Lizenzschlüssel: ja; Download-Link: nein. Es gibt ein Feld mit der Aufschrift "Download starten", dieses führt jedoch nur zu einer Erklärungsseite. Auf dieser finden sich zwei neue Links. Der erste führt zu einem "Secure Download Manager" und der zweite zu einer von diesem Programm lesbaren Meta-Datei, in welcher, wie bei Torrents, die Meta-Daten zum Download gespeichert sind. Füttert man die Datei in den Download Manager stößt dies den Download an.

Hierbei ergaben sich für mich zwei Probleme. Zum einen gibt es von diesem Download Manager offenbar nur Versionen für Windows und Mac OS. Versucht man die Datei unter Linux herunterzuladen erhält man automatisch die Mac OS Version … Stellt man den User-Agent um erhält man einen Windows-Installer … oder so. Die Installationsdatei weist die Endung *.msi auf und wird von Wine kategorisch verweigert. Um nun also etwas von diesem Web-Store herunterladen zu können brauche ich ein Windows oder einen Mac. Ein Mac kommt nicht im Entferntesten infrage (unter anderem weil ich auch niemanden kenne, der einen Mac verwendet), es muss also ein Windows her um ein Windows herunter zu laden …

Entgegen meiner heuchlerischen Worte von vorhin besitze ich doch eine Crack-Version von Windows XP. Diese habe ich vor langer Zeit von einem Kollegen bekommen, an sich verwende ich sie aber nicht. Nun gut, dann installieren wir das System in einer virtuellen Maschine, installieren den Download Manager und laden Windows 7 herunter – so der Plan. Es hakt. Die virtuelle Maschine (VirtualBox) ist kein Problem. Die Installation von Windows XP ist auch kein Problem. Dann versuche ich die MSI-Datei auszuführen. Nichts. Habe ich mich verklickt? Doppelklick auf die MSI-Datei. Wieder nichts. Nochmal. Nöp. Ich markiere die Datei und drücke die [Enter]-Taste. Njet. Rechtsklick -> Installieren. Merde. What the heck is going on? Ich starte die Commandline, navigiere in das Verzeichnis und führe die Datei direkt aus. "Zugriff verweigert". WTF? Das kannst du mir nicht graphisch sagen? Windows ist doch ansonsten immer schnell zur Hand mit nervigen Fehlermeldungen zum wegklicken!

Immer mit der Ruhe.

Ok, Bestandsaufnahme. Windows XP wird zwar noch ein paar Wochen lang offiziell unterstützt, aber vielleicht will der Installer doch etwas Neueres. Ich prüfe die Version von Windows XP und finde: SP2. Ok, versuchen wir ein Update. Nach viel herumgesuche in verwinkelten Systemmenüs (und Leute regen sich über KDE auf!) finde ich einen Punkt, welcher verspricht ein Systemupdate durchzuführen. Klick … Ein Internet Exploder startet sich. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber es ist ein IE6! Der Abfall aus der untersten Schleimpfütze in der Softwarelandschaft. Der IE6 startet sich und will als Skript auf einer MS-Seite prüfen ob Updates verfügbar sind. Dazu muss er zuerst einen Haufen ActiveX-Elemente installieren … autsch. Nach einer Orgie von Unterseiten und Update-Tests erhalte ich am Ende die Meldung: die gesuchte Seite kann nicht gefunden werden.

Korrigiere mich einer, wenn ich falsch liege. Meine These ist, dass MS Windows XP schon vor langer Zeit aufgegeben hat. So gut wie nichts mehr funktioniert auf einer Neuinstallation. Das Ergebnis: ich bin alleine Unfähig mir eine Version von Windows 7 im Rahmen meiner Universität zu besorgen ohne dafür Länge mal Breite zu brennen. Meine Lösung: ich bat einen Kollegen, welcher eine für Spiele reservierte Windows-Maschine besitzt, um Hilfe.

Windows installieren … oder so

Bei unserem nächsten Treffen brachte er mir sowohl die 32- als auch die 64-bit-Version als ISO-Dateien mit. WIeder zu hause brannte ich beide Abbilder auf DVD-Rohlinge und installierte. Ähm … wollte installieren. Zuerst musste ich warten. Vom Beginn des Bootvorgangs von DVDs gezählte 2:11 Minuten bis überhaupt eine grafische Oberfläche erscheint. Danach weitere 3:16 Minuten bis endlich der erste Dialog angezeigt wurde. Dieser Dialog enthält ein Auswahlmenü für die Sprache, die während der Installation verwendet werden soll … absolut sinnfrei, da das installierte System dann sowieso nur in Deutsch vorliegt. Sobald diese Auswahl getroffen war … weitere 4:44 Minuten Wartezeit bis mir das Menü zum Formatieren der Festplatten angezeigt wurde. Die Partitionen sind schnell erzeugt und der installationsvorgang beginnt. Zum Glück dauert es nur 2:05 MInuten bis er mit einer Fehlermeldung abbricht. WT*?

Es stellt sich heraus, dass der Installationsvorgang genau zu dem Zeitpunkt abbricht, als die ersten Pakete entpackt werden sollen. Es scheint, als ob das Entpacker-Programm nicht vorhanden wäre …

Right …

Ich entsinne mich auch eine 32-bit Version zur Verfügung zu haben. Mein Plan: ich installiere die 32-bit-Version, lade das Abbild der 64-bit-Version erneut herunter (vielleicht gab es ja einen Fehler) und installiere diese dann. Womit ich nicht rechnete: Windows ist Windows. Nach einer ähnlich langen Wartezeit wie bei der Installation der 64-bit-Variante beginnt der Entpackvorgang, welcher nach vielen Gebeten, niedrig gehaltenen Hoffnungen und 9% mit einer Fehlermeldung abbricht. &#$?*§!! Die Fehlermeldung "0×80070570" (wow, das nenne ich Klarheit) ist laut dieser MS Support Seite ein Anzeichen für ein fehlerhaftes Medium.

Challenge accepted. Ich probiere die Installation beider ISOs in meiner VirtualBox … mit demselben Ergebnis. Es liegt also nicht an den gebrannten DVDs. Der Fehler muss bei den Abbildern sein. Laut meinem Kollegen gab es keine Probleme beim Download, wobei ich es dem ach so "Secure Download Manager" durchaus zutraue, dass er über Verbindungsunterbrechungen und dergleichen einfach schweigt und so tut, als sei nichts gewesen.

Ich traue meinem Kollegen, der selbst sehr viel informatisches Wissen besitzt, durchaus zu, dass er eine so einfache Aufgabe wie den Download zweier ISOs ohne Probleme bewältigen kann. Die Fehlerquelle ist also entweder der Download Manager oder bereits korrupte Abbilder am Server.

Ohne dem, was Microsoft als "Piraterie" bezeichnet, geht es offensichtlich nicht. Ich werde ein altes Windows Vista, welches als Recovery bei meinem ersten Laptop dabei war (ein sehr schrottiger Fujitsu Siemens), in meiner VirtualBox installieren und versuchen die Abbilder darüber herunter zu laden. Sollten die Fehler dieselben bleiben, so liegt es an den Abbildern am Server. Wenn nicht, dann hat der "sichere" Download Manager seine Arbeit beim ersten Mal nicht korrekt erfüllt. (Mich beschleicht das Gefühl, dass mit "Secure" hier nicht "sicher" sondern DRM gemeint ist.)

An sich war dieser Artikel als leicht satirisch angedacht, a’la "Windows hat keine Paketverwaltung, nänä", aber Windows wehrt sich wehement. Informatik ist keine exakte Wissenschaft. Das beweist Windows immer wieder, wenn es schafft sich selbst in den Fuß zu schießen. Unter einem Linux Live System könnte ich fehlende Pakete einfach nachinstallieren. Nicht so bei einem Windows, welches ohne Umschweife in einen Installer bootet.

Es kann ein bisschen dauern, bis ich mich dazu aufraffen kann den Vista-Weg zu gehen. Da dann sicherlich weitere Merkwürdigkeiten passieren werden, werde ich diese in einem weiteren Artikel zusammenfassen.

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Project Gooseberry – Der neue Blenderfilm bittet um Unterstützung

März 17, 2014 um 10:00 vormittags | Veröffentlicht in Blender, Film, Ubuntuusers | Hinterlasse einen Kommentar

Das Blender Institute produziert einen neuen Film. Das unter dem Codenamen Gooseberry (Stachelbeere) stehende Projekt macht ein paar Sachen anders als seine Vorgänger. Zum Einen soll es mehr werden als nur die Proof-of-Concept Schnipsel a’la Big Buck Bunny oder Sintel. Zum Anderen werden genau deswegen 12 weitere weltweit verteilte Animationsstudios zusammenarbeiten um das Projekt umzusetzen.

Die Tragik-Komödie über ein Schaf, das einen interessanten Tag hat, soll dabei nicht durch Vorbestellungen sondern durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden. Dabei haben sich die Initiatoren 2 Ziele gesetzt: 10.000 Abonnenten der Blender Cloud zu erreichen und einen Betrag von € 500.000 aufzustellen. Für Beides haben sie noch ein Monat Zeit.

Die Blender Cloud wird vom Projekt als primäre Tauschplattform verwendet werden, auf der alle relevanten Dateien des Projekts lagern. Als Abonnent soll man vollständigen Lesezugriff darauf erhalten. Die ersten 3 Monate kosten dabei € 45,-. Behält man das Abonnement, so fallen pro Monat weitere € 10,- an. In den Berechnungen des Blender Institute für die Gesamtkosten des Projekts wird dabei damit gerechnet, dass der Großteil der Abonnenten ihr Abonnement bis zu Ende des Projektes behalten. Unterstützt man das Projekt, das mit etwa 18 Monaten veranschlagt ist, auf diese Weise bis zum Ende erhält man zusätzlich einen Platz in den Filmcredits. Die Gesamtkosten ergeben dabei € 190,-.

Alternativ kann man das Projekt durch einen einfachen Geldbetrag unterstützen. Alle Beträge ab € 20,- erhalten dabei einen frühen Zugang zum fertigen Film. Ab € 175,- erhält man als einfacher Spender ebenfalls eine Erwähnung in den Filmcredits.

Aktuell hält die Kampagne bei über 400 Abonnenten und knapp € 50.000,-

Weiter Infos zum Projekt, zur Kampagne und den teilnehmenden Animationsstudios findest du hier.

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Kommt ein FairPhone geflogen

März 3, 2014 um 12:00 nachmittags | Veröffentlicht in China, GNU/Linux, Multimedia, Ubuntuusers | 4 Kommentare

Seit inzwischen 5 Wochen bin ich im Besitz eines FairPhones aus der ersten Auflage. Was ist ein FairPhone? Ein faires Telefon. Ein Telefon, in dessen Erzeugung keine Arbeiter ausgebeutet, in welchem nur Rohstoffe aus konfliktfreien Regionen verwendet und bei welchem der komplette Lebenszyklus bedacht wurde. Die Verantwortung hört nicht beim Nutzer auf, sondern erstreckt sich bis hin zur Entsorgung des ausgedienten Geräts. Und weil der Lebenszyklus besonders lang sein sollte um nicht bald wieder mehr Müll zu produzieren wurde das FairPhone als SmartPhone konzipiert, welches mit heutigen High-End Geräten auf Augenhöhe stehen und sehr robust sein soll. Das Gerät selbst hat € 325,- gekostet, womit aber wesentlich mehr als nur das Telefon abgedeckt ist.

FairPhone Front small

Das FairPhone mit gesperrtem Bildschirm.

Die Philosophie

Das “Fair” in FairPhone ist vergleichbar mit “fair” gehandelten Nahrungsmitteln, welche inzwischen in jedem Supermarkt zu finden sind. Bei den Nahrungsmitteln sollen die Bauern einen gerechten Lohn für ihre Arbeit erhalten und selbst entscheiden können, was sie anbauen. Beim FairPhone sollen die Minenarbeiter, welche die Erze schürfen, wie auch die Fließbandarbeiter, welche das Telefon zusammenbauen, gerecht entlohnt werden und unter sicheren Umständen arbeiten können. Oft genug kommt es zum Beispiel vor, dass Minenarbeiter verschüttet werden, weil die Betreiber nicht auf ein Mindestmaß an Sicherheit geachtet hat. Und am Fließband atmen viel Arbeiter giftige Dämpfe ein, die ihre Gesundheit nachhaltig schädigen.

Ebendiese Probleme sollen bei der Produktion des FairPhones vermieden werden. Dazu hat das Projekt Verbindung mit lokalen Gruppen aufgenommen, welche sich für ein faires Vorgehen einsetzen. Außerdem wird jede Produktionsstätte von einem Mitglied des Projektes betreut. In den Minen wird auf die Einhaltung von Sicherheitsstandards geachtet. In der Produktionsfirma in China, in der das Gerät zusammengebaut wird, gibt es eine Selbstverpflichtung der Leitung auf würdige Arbeitsbedingungen. Von einem Teil des Kaufpreises des FairPhones wurde hier für die Arbeiter ein Fond eingerichtet, über dessen Nutzung die Arbeiter gemeinsam entscheiden können.

Mit im Preis enthalten ist ein Beitrag für die zukünftige Entsorgung des Telefons. Da auch das FairPhone nicht ewig leben wird, ist es nur konsequent sich Gedanken darüber zu machen, was eigentlich mit Geräten am Ende ihrer Lebenszeit passiert und ob und wie Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Auch hier erleiden heute Arbeiter Langzeitgesundheitsschäden. Und auch hier möchte das FairPhone faire Wege gehen.

FairPhone Back small

Die Rückseite des FairPhones.

Technische Spezifikationen

Thema Robust. Dazu zählt ein Display aus Dragontrail Glass. Das Telefon ist mir bis jetzt 3 Mal heruntergefallen. Das erste Mal aus ca. 1/2 m Höhe auf einen Holzfußboden. Die anderen beiden Male aus ca. 1 m Höhe auf einen Fließenboden. Das Telefon zeigt keine merkbare Beeinträchtigung und das Glas hat keinen Kratzer, geschweige denn einen Splitter. Brutal hört es sich trotzdem an, da sich bei einem Sturz die rückwertige Aluminiumplatte löst und auf Fließen so klingt wie springendes Glas.

Eine Quad-Core CPU (Mediatek 6589M chipset) mit je 1,2 GHz liefert genug Rechenkraft für die nächsten Jahre.

Das 4:3 Display hat eine Auflösung von 960×540 bei Gesamtausmaßen von 126×63 cm. Die Dicke des FairPhones ist etwa 1 cm.

Eine Fotokamera mit 8 Megapixel sorgt für schöne Bilder, eine 1,3 Megapixel Kamera kann für Videoanrufe verwendet werden. Die Fotokamera verfügt über einen Blitz.

Enthalten ist eine tauschbare Standardbatterie mit 2000 mAh. Mit dieser hält das FairPhone bis zu einer Woche durch.

Verbinden kann sich das Telefon per WLAN (802.11 b/g/n), Bluetooth, 2G und 3G. LTE und NFC haben es in die erste Edition nicht geschafft.

Es verfügt über 2 SIM-Slots und die Möglichkeit den Internen Speicher (16 GB) mit bis zu 64 GB per microSD zu erweitern.

Geladen wird das Gerät mit dem inzwischen vereinheitlichten MicroUSB 2.0 Type B, welcher bei allen modernen Geräten zum Einsatz kommt. Ein solches Kabel ist, im Sinne der Müllvermeidung, aber nicht mit dem Telefon verpackt. Es kann bei Bestellung aber dazugenommen werden.

Als Betriebssystem kommt Android 4.2.2 zum Einsatz, die Produzenten versprechen aber Updates auf höhere Versionen über den inkludierten FairPhone Updater.

Das von der Firma Kwame erstellte Custom Interface des FairPhones bedient sich bekannter Bedienkonzepte und fügt noch ein Quickmenü dazu, welches per Sideswipe vom Rand weg aktiviert werden kann. Hier können bis zu 4 häufig verwendete Apps untergebracht werden.

FairPhone Back Open small

Das Innere des FairPhones.

Mein Eindruck

Vielleicht kann man es bereits aus dem vorangegangenen Text herauslesen: ich bin mit meinem FairPhone sehr zufrieden. Es ist ein stabiles, leistungsstarkes und leicht zu verwendendes Gerät, dass seine Aufgaben gut erfüllt. In den Medien habe ich von instabiler Software und Problemen mit der Kamera gelesen. Diese kann ich zum Glück nicht vermelden. Mit einer kleinen Ausnahme habe ich nichts auszusetzen.

Das FairPhone lässt sich zu leicht einschalten. Wenn es bei mir in der Hosentasche liegt scheint der Power-Knopf an der oberen Seite leicht vom Stoff eingedrückt zu werden. Die Entsperrung des Displays scheint dann vom Oberschenkel vorgenommen zu werden. Dadurch kann es sein, dass mehrere Programme gestartet, Einstellungen verändert oder Anrufe getätigt werden, ohne dass man es mitbekommt. Dieses Problem lässt sich aber recht einfach lösen. Ich habe einfach statt des einfachen Entsperrens per Swipe eine Mustersperre eingestellt, bei der ich nun ein komplexes Muster ziehen muss um das Telefon nutzen zu können. Da ich hier beliebig viele Versuche habe, kann mein Oberschenkel machen was er will.

Die Philosophie hinter dem FairPhone war es, was mich ursprünglich dazu bewogen hat die Crowdfunding Kampagne des Projektes zu unterstützen. Das entstandene Produkt ist seinen Preis wert und ich hoffe, dass das FairPhone noch weitere Auflagen erhält. Man kann nur hoffen, dass dieses Projekt langfristig zu einem Umdenken in der Gesellschaft und damit im Vertriebsweg führt.

Wer Interesse hat, der kann sich auf fairphone.com als Interessent für die 2. Auflage eintragen lassen.

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Audible Audio – DRM at its finest

Februar 24, 2014 um 10:00 vormittags | Veröffentlicht in DRM, Multimedia, Ubuntuusers | 9 Kommentare

Mein Vater ist ein Fan der Serie “Perry Rhodan”, einer inzwischen über 50 Jahre laufenden Romanreihe. Sie handelt vom fiktiven Ex-NASA-Piloten Perry Rhodan, der mit Hilfe von Außerirdischen die Erde eint und viele Jahrtausende lang Abenteuer im bekannten Universum und darüber hinaus erlebt. Die sogenannten Silber-Bände sind je eine Zusammenfassung mehrer Hefte und bilden eine Sammler-Edition der Reihe. Diese Silber-Bände wurden großteils vertont und sind als Hörbücher erhältlich. Mein Vater fand nun mehrere dieser Hörbücher bei Audible.de, dem Audiobook-Portal von Amazon. Da ich ihm nicht garantieren konnte, dass ich ihm die von dort heruntergeladenen Dateien nach seinem Wunsch als Audio-CD zur Verfügung stellen könnte, habe ich ihm davon abgeraten sich die Hörbücher über diese Plattform zu besorgen. Eine Weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Ich habe schon mehrfach von Audible.com gehört (z.B. als Sponsor von MinutePhysics, einer YouTube-Reihe, die wissenschaftliche Themen auf anschauliche Art und Weise zu erklären versucht). Da ich persönlich CDs bevorzuge, habe ich aber nie in Erwägung gezogen tatsächlich bei Audible zu kaufen. Durch die Frage meines Vaters begann ich mich jedoch dafür zu interessieren, in welchem Format denn die Hörbücher von Audible daherkommen.

An eine Datei herankommen

An ein Hörbuch von Audible kommt man, indem man ein Amazon-Konto erzeugt und ein Hörbuch kauft. Alternativ kann man auch eine Aktion, wie am Ende der meisten MinutePhysics-Folgen beschrieben, nutzen und sich ein gratis Audiobook herunterladen. (!!Vorsicht: das erste Monat ist gratis, ab dann wird automatisch eine Gebühr von fast € 15,- im Monat fällig. Man muss selbst rechtzeitig stornieren!! Ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn du plötzlich etwas bezahlen musst!) Ich entschied mich für “Breakfast at Tiffanys” von Truman Capote. Mit der Absicht den Account gleich nach dem Download wieder zu stornieren legte ich das Hörspiel in den Warenkorb und klickte mich durch den Amazon-typischen Bezahlprozess. Ich setzte meinen einzigen Credit ein und gelangte schließlich zur Download-Seite … äh wie? Wo ist mein Download-Link? Hallo! Hört mich wer? Wo ist mein Link?

Nach Abschluss des Kaufes wird einem nicht angeboten, dass man die Datei sofort herunterladen könne. Stattdessen wird einem eine Liste von kompatiblen Geräten vorgeschlagen, auf welchen man doch bitte die Audible-App installieren sollte um in den Genuss des Hörbuchs zu kommen.

Your level has risen to 2. You have earned a new skill. You can now be Rick-Rolled by Audible.

Ok, wieder zurück zum Ernst des digitalen Lebens. Audible forciert an allen Ecken und Enden einen strengen Kopierschutz. Deswegen sehen sie es am Liebsten, wenn ihre Dateien nur mit von ihnen zertifizierter Software abgespielt werden. Möchte man doch die eigentliche Datei erhalten, so muss man unter dem Punkt “Library -> My Books” aus der Liste der gekauften Hörbücher das gewünschte auswählen und ganz rechts auf “Download” klicken. Hier erhält man nun eine Datei mit der Endung *.aa.

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Download wollte ich den Account wieder löschen, da ich weder Interesse an den angebotenen Diensten hatte, noch willens war knappe € 15,-/mtl an Grundgebühr zu berappen. Hier begann eine neue Herausforderung … Wie beende ich meine Mitgliedschaft? Spätestens seit Facebook sollte uns allen bewusst sein, wie schwierig die Anbieter es zeitweise machen aus ihren kommerziellen Spinnennetzen zu entkommen. Im Nutzermenü unter “Account Details” findet sich ein Punkt zu “Membership Details”. Nach all den Fancy CSS-Blasen der aktuellen Membership-Angebote findet sich ein übersehbarer fader HTML-Link mit der Aufschrift “Cancel Membership”.

Nach einem Klick auf diesen landet man, wie zu erwarten, auf einer Seite, auf der man seinen Ausstieg nochmal bestätigen soll. Umrahmt ist das mit Angeboten, die das Verbleiben doch noch schmackhaft machen sollen. Wie erwähnt: Vorhersehbar. Klick man nun auf “Confirm Cancellation” landet man … auf einer mit Angeboten vollgestopften Seite, auf der man schon wieder seinen Ausstieg bestätigen soll. Nach einem Klick auf “Continue Cancellation” landet man … und so weiter. Insgesamt 4 mal muss man bestätigen, dass man der Mitgliedschaft den Rücken kehren will. Und jedes Mal sollen einen Batterien von Angeboten davon überzeugen doch zu bleiben. Am Schluss wollen sie einen nicht gehen lassen, bevor man ihnen einen Grund genannt hat. Liebes Audible-Management, diese Drangsalierung macht euch nicht sympathischer.

Your level has risen to 3. You have earned a new skill. You can now be handcuffed and whipped into submission by Audible.

Was ist das Audible Audio Format nun eigentlich?

Auf der deutschen Audible-Seite wird das eigene Format, vorhersehbar, mit lauter Vorteilen für den Nutzer zu erklären versucht. Spaß, Hörkomfort und die Fähigkeit Lesezeichen zu setzen sind die Hauptargumente. Und … ach ja:

Es gibt noch einen weiteren Grund: die Größe und Vielfalt unseres Angebots. Wir möchten Ihnen natürlich möglichst die ganze Welt der Hörbücher und der gesprochenen Inhalte anbieten.
Da unser Format einen eingebauten Kopierschutz hat, vertrauen uns die Verlage und Autoren so viele Hörbücher an, die es woanders nicht zu kaufen gibt. Deshalb finden Sie bei uns ein so reichhaltiges Sortiment an Hörbüchern.

Ja, ein reichhaltiges, DRM-verseuchtes Sortiment, das ich aus genau diesem Grund nicht haben will. Das Audible-Format wird als eine Alternative zu MP3 beschrieben. Tatsächlich handelt es sich nur um ein Containerformat, welches seine Payload per Verschlüsselung vor dem direkten Zugriff des Nutzers “schützt”. In manchen Fällen kommt für das Audio-Format der Payload sogar MP3 zum Einsatz. Ein Containerformat selbst bietet keine verwertbaren Daten. Es ist vergleichbar mit einer ZIP-Datei, aus welcher man per geeigneter Software die tatsächlichen Daten extrahieren kann.

Auf about.com findet sich eine kurze Übersicht über die Eigenschaften des *.aa-Formates.

Hier beginnt die erste wirkliche Herausforderung, wenn man eine *.aa-Datei auf einem Linux-Gerät abspielen möchte: Es gibt keine geeignete Software. Audible hat sich bis lang erfolgreich gegen die Öffnung seiner Plattform für freie Betriebssysteme gestellt. libav (ein Fork von ffmpeg) kennt das Format schonmal nicht. Damit ist die bislang zuverlässigste Medien-Library aus dem Spiel. Ein kurzes apt-cache search audible liefert keine verwertbaren Ergebnisse. Es scheint so, als müsse man mittels Wine ein Windows-Programm ausführen, welches das Format beherrscht und in ein anderes Format übersetzt. Die Anzahl der Geräte, auf denen eine konkrete *.aa-Datei abgespielt werden kann ist stark begrenzt. Die Anzahl der Audio-CDs, die man damit brennen kann liegt sowieso nur bei 1.

Fazit

Das Audible Audio Format ist entbehrlich. Das Einzige, was dem Format noch fehlt ist ein Always-On Zwang. Amazon hat offensichtlich verschlafen, dass DRM für Audio nach einer langgezogenen Blamage der Musikindustrie heute keinen Platz mehr hat. Tatsächlich gehört Audible zu den letzten Musik-Anbietern, die ihre Ware mit DRM verseuchen und damit ihren ehrlichen Kunden das Leben erschweren, während Menschen, die sich nicht um Entlohnung kümmern, einen Weg finden das DRM komplett zu entfernen um digitale Inhalte auch ohne Bezahlung zu genießen. Wie immer bei DRM fühlen sich die Manager sicherer vor den “bösen Piraten”, sind die ehrlichen Kunden die Verlierer und merken die “bösen Piraten” nichts von irgendwelchen Einschränkungen.

Mein Rat: Finger weg von Audible. Wenn du ein Hörbuch haben willst, welches aktuell nur bei Audible verfügbar ist, dann setz dich mit dem Produzenten in Verbindung und besprich die Möglichkeit eines alternativen Vertriebswegs.

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Tanglu 1.0

Februar 22, 2014 um 9:00 vormittags | Veröffentlicht in Debian, Ubuntuusers | 2 Kommentare

Vor über 11 Monaten habe ich hier über Tanglu berichtet, ein Debian-Derivat, welches im Grunde ein Debian Unstable ohne die Freezes darstellt. Nun ist Version 1.0 erschienen (Releasenotes). Diese Version bietet 32- und 64-bit ISO-Images, wahlweise mit KDE oder Gnome als Desktop. Obwohl es sich offiziell um eine Version 1.0 handelt hat es eher die Qualität einer Beta-Version. Die Entwickler selbst sprechen von “bleeding edge” und es gibt noch mehrere Baustellen.

Wer ein stabileres Debian Unstable haben möchte, der sollte die nächste Version abwarten, die voraussichtlich im Sommer erscheinen soll. Das Projekt möchte alle 6 Monate eine neue Version veröffentlichen. Ein “Upgrade” von einem existierenden Debian Wheezy ist auf eigene Gefahr möglich. Die Entwickler geben hier keine Unterstützung. Der bevorzugte Installationsweg ist eine frische Installation.

Ich selbst bin erst vor kurzem von Kubuntu auf Debian Wheezy umgestiegen und da ich während des Semesters ein stabiles System benötige werde ich Tanglu nicht so schnell ausprobieren. Im Sommer werde ich aber vermutlich einen Testbetrieb durchführen und meine Erfahrungen hier beschreiben.

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Broken Age Act 1

Februar 14, 2014 um 12:00 nachmittags | Veröffentlicht in Games, GNU/Linux, Ubuntuusers | Hinterlasse einen Kommentar

Ende Jänner 2014 erschien nach fast 2 Jahren Entwicklungszeit der erste Teil des ursprünglich Double Fine Adventure genannten Spiels. Dieses Spiel wurde durch eine der erfolgreichsten Crowdfunding Kampagnen der letzten Jahre finanziert. Damit wurde es Double Fine möglich, im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, ihre Kreativität frei spielen zu lassen und ein Spiel zu kreieren, wie sie es selbst spielen wollen würden. In der Spielebranche ist das ja oft nicht der Fall, weil die Ideen und Vorschreibungen von Management und Marketing berücksichtigt werden müssen. Nach Double Fine haben viele weitere Studios ihr Glück im Crowdfunding versucht und mehr oder weniger erfolgreiche Kampagnen gefahren.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass die meisten Crowdfundingprojekte ihre selbstgesetzte Frist um ein Vieles überschreiten. So auch Double Fine Adventure. Der heute unter “Broken Age” bekannte Titel wurde ursprünglich für Oktober 2012 angekündigt. Nachdem dieser Termin nicht eingehalten werden konnte gab es, verständlicher Weise, keinen weiteren Termin. Man wollte sich Zeit lassen und ein gutes Spiel erzeugen, eine Taktik die heute viele Projekte, wie auch ihre Unterstützer, vorziehen. Gegen Ende 2013 wurde dann bekannt, dass Tim Schafer sich finanziell übernommen hatte und dem noch nicht abgeschlossenen Projekt das Geld ausging. Deswegen wurde das Spiel in 2 Teile aufgeteilt. Der 2. Teil soll später im Jahr erscheinen und kostenlos für alle sein, die bereits den ersten Teil besitzen.

Broken Age war die 2. Crowdfunding Kampagne, welche ich mitfinanzierte und viele sind ihr gefolgt. Mein ursprünglicher Grund für die Unterstützung war: es sollte zeitgleich mit einer Windows- und MacOS-Version auch eine Linux-Version erscheinen. Jetzt, 14 Tage nach dem ursprünglichen Erscheinen, kam ich endlich dazu ein modernes Point&Klick-Adventure der alten Schule zu spielen. Mein erster Eindruck: interessante Grafik.

Die Grafik

Die schon angesprochene Grafik sticht dadurch hervor, dass sie nicht versucht Fotorealismus in HD nachzuahmen. Die Figuren und Hintergründe sind mehr im Stil einer Ölkreidezeichnung gehalten. Die Bewegungen der Figuren ist eine Stufe höher anzuordnen als Flash-Animationen und sind angenehm. Es scheint so, als ob hier versteckt 3D-Modelle eingesetzt wurden um einen Effekt lebendiger 2D-Objekte zu erzeugen.

Der Sound

Die Stimmen der Charaktere sind passend gewählt. Allerdings war ich mir bis zum Ablaufen der Credits nicht bewusst, dass die Stimme der männlichen Hauptperson von Elijah Wood verliehen wurde. Die Hintergrundmusik passt zum Geschehen und ist recht unaufdringlich.

Die Geschichte

Ich werde hier nicht näher auf die Details der Geschichte eingehen um niemandem den Spaß am Spiel zu nehmen. Das Spiel beinhält viele kleine Rätsel und einen interessanten Twist zum Ende des ersten Aktes. Der erste Akt selbst ist aufgeteilt in zwei Geschichten, welche sich im Laufe des Spieles überschneiden. Beendet man die eine, beginnt man automatisch mit der anderen. Ich begann das Spiel mit Vella, einem jungen Mädchen in einem Dorf voller Bäcker, welchem eine besondere Ehre zufällt. Sie darf zum Schutz des Dorfes von einem Monster gefressen werden. Mit ihrem Schicksal nicht einverstanden flieht sie und sucht einen Weg das Monster zu töten. Die zweite Geschichte dreht sich um Shay, einen Jungen der in einem Raumschiff von einem Computer mit überbordendem Beschützerinstinkt aufgezogen wird. Er wird Tag für Tag auf gestellte “Rettungsmissionen” geschickt um seine Laune zu erhalten. Eines Tages findet er einen Weg aus seinem Trott.

Fazit

Der erste Akt des Spiels war sehr interessant, wenn auch etwas kurz. Es gab viele witzige Ideen und Gags, die Charaktere sind sympatisch und die Geschichten sind ungewöhnlich. Wenn der zweite Teil des Spieles diese Qualität halten kann, dann hat sich die Wartezeit ausgezahlt.

Here comes Debian – Ein Umstieg

Februar 11, 2014 um 12:30 nachmittags | Veröffentlicht in Debian, Free Software/Open Source, GNU/Linux, KDE, Ubuntuusers | 19 Kommentare

Zu Beginn meiner Linux-Karriere habe ich Kanotix und Knoppix verwendet. Nach der Einstellung von Kanotix habe ich auf Kubuntu 7.04 (Feisty Fawn) gewechselt. Bis auf die Drucker-Misere in Gutsy Gibbon (7.10) war ich an sich mit Kubuntu immer recht zufrieden. Bis auf einzelne Nachwehen nach einer Neuinstallation (Upgrade hat so gut wie nie reibungslos funktioniert und hat meistens unschöne Nebenwirkungen mitgebracht) gab es nicht auszusetzen. Bis auf Canonicals scheinbares Ziel ein eigenes Ubuntu-Ökosystem zu schaffen, welches von dem von Linux unabhängig ist gibt es also keinen Grund zu wechseln. Dass Ubuntu auf Debian Sid basiert ist in meinem Fall auch kein Argument, da ich auch bei Debian das Unstable-Repository einbinden würde um etwas neuere Software zu erhalten. Warum also auf Debian umsteigen?

Ein technisches Argument gibt es hier nicht. Sowohl privat als auch im Auftrag meiner Arbeitsstelle möchte ich jeweils einen Server aufbauen. Zu Hause soll er verschiedene Aufgaben übernehmen. Unter anderem soll er als Testmaschine für Webentwicklung herhalten. Daneben sollen ein Web-, File-, Datenbank- und Mail-Server und der Blog darauf laufen. Realisiert soll das Stück für Stück werden um zu testen, welche Lasten der Server aushält. In der Arbeit soll nur eine Datenbank mit zugehörigem webbasierten Frontend laufen. Außerdem soll es möglich sein Backups der Arbeitsmaschinen zu machen. Der Mail-Server fällt also weg.

Für den Betrieb eines Servers sind Debian, CentOS und SuSE beliebte Distributionen. Ich fühle mich in der Debian-Welt sehr wohl und möchte daher die Server mit diesem System laufen lassen. Zuvor hatte ich keine Erfahrung mit dem “echten” Debian. Eben nur mit Distributionen, die zumeist auf Debian Sid basieren. Diese Erfahrung möchte ich mir jetzt holen. Meinen Heim-Server habe ich bereits mit Debian 7.3 bespielt um eine Server-Installation zu testen und dem Gerät einen Testlauf zu gönnen. Der Arbeits-Server ist bereits zusammengebaut und wartet an sich nur mehr auf die Installation.

Das Wintersemester ist vorbei. Also hielt ich es für höchste Zeit mein Arbeitsgerät frisch aufzusetzen und Debian eine Chance zu geben. Es gab mehrere Probleme, die mal mehr mal weniger mit Debian zu tun hatten. Keines davon hat mich bis jetzt aber aufgehalten oder abgeschreckt. Beginnen wir doch am Anfang …

Die Installation

Die Installation von Debian ist recht einfach … wenn man mal bis dahin kommt. Das erste Problem gab es, weil ein Teil meiner Hardware bereits Alterserscheinungen zeigt. So wollte mein DVD-RW-Laufwerk nicht von der Installations-DVD booten … Egal welche Boot-Reihenfolge ich in meinem BIOS einstellte, die DVD wurde ignoriert. Dabei hatte ich Kubuntu 13.04 auch noch von DVD installiert. Auch eine Installations-CD hat nicht funktioniert. Ok, dachte ich mir, es gibt ja die Möglichkeit das ISO-Image auf einen USB-Stick zu spielen und das System darüber zu installieren.

Gesagt getan: gparted auf den Stick losgelassen und die 4GB mit FAT32 formatiert. Die Labels lba und boot zugewiesen und fertig. Den USB-Startmedienhersteller aufgerufen, das Image und den Datenträger ausgewählt und “Los” gedrückt. 97% … 98% … 99% … FEHLER! Das Programm hat sich am Versionierungsstring verschluckt: GNU/Linux. Am Schrägstrich … Wenn ich in diesem Leben also noch ein Debian installieren wollte, dann war mir klar: ich muss das ISO entpacken, den Schrägstrich elimieren, das ISO wieder packen … und hoffentlich funktioniert dann alles. Zum ISO entpacken verwendete ich das Programm uck-remaster-unpack-iso, welches sich im Paket uck (Ubuntu Customization Kit) befindet. Dieses erstellt einen Ordner unter $HOME/temp, in welchen es die Dateien aus dem ISO schreibt.

Im versteckten Verzeichnis .disk findet man eine Datei mit dem Namen info. In dieser Datei befindet sich der Versionierungsstring. Hier habe ich den Schrägstrich gelöscht. Danach wird mit uck-remaster-pack-iso ein neues ISO geschnürt. Dieses liegt dann im Verzeichnis $HOME/temp/remaster-new-files. Nach dieser kleinen Änderung lies sich das Image erfolgreich auf den USB-Stick schreiben. Einen kurzen Neustart später akzeptierte mein Gerät den Stick als Boot-Medium und es konnte losgehen.

Die Installation – Jetzt wirklich

Das Debian-Installationsmenü bootet. Hier hat man die Auswahl zwischen einer normalen Installation, einer Experten-Installation (mehr Konfigurationsmöglichkeiten während der Installation) und beidem als graphische Version, die aber keinen nennenswerten Vorteil (Mausunterstützung) bei der Installation bietet. Nach ein paar Grundeinstellungen und der Einteilung der Festplatten wird das Grundsystem installiert. Danach bekommt man die Möglichkeit mehrere vordefinierte Gesamtpakete zu installieren. Hier kann man auswählen ob man eine graphische Oberfläche wünscht (und welche), ob man einen Print-, Mail-, SSH-, Web-, Datenbank- und/oder File-Server installieren möchte. Als Datenbank wird PostgreSQL verwendet, welches in Debian Wheezy in der Version 9.1 vorliegt. Der Web-Server ist Apache2.2.

Nach längerem Herunterladen der neuen Pakete und der Installation derselben ist das System benutzbar. Ich installierte mir einen KDE, einen SSH-, Web- und Datenbank-Server um lokal entwickeln zu können. Nach dem ersten Start des neuen Systems werden erstmal die unvermeidlichen Updates eingespielt. Danach habe ich einen Haufen Standardsoftware installiert (g++, gparted, firefox (iceweasel), thunderbird (icedove)). Um auszuprobieren, wie es sich damit arbeitet habe ich auch das Unstable-Repository aktiviert und alle Pakte aktualisiert. Das ging überaschend schmerzlos von statten, wobei der Einsatz von Debian Sid immer auf eigene Gefahr passiert.

Zuletzt wollte ich noch meinen WLAN-Chip zum Laufen bekommen. Mit dem Befehl
# lshw -C network
erhält man eine Übersicht über die verfügbare Netzwerk-Hardware. Ich haben einen Broadcom Chip (BCM4313), welcher vom Treiber brcmsmac unterstützt wird. Da der unter Ubuntu praktische jockey zum Installieren von proprietären Treibern unter Debian nicht zur Verfügung steht müssen die fraglichen Pakete manuell installiert werden. Dazu muss man das non-free Repository Debians aktivieren. Nach einem Update der Paketquellen konnte ich das Paket firmware-brcm80211 installieren. Danach noch den Treiber per modprobe laden und schon funkt der Chip nach Leibeskräften:
# modprobe -r brcmsmac
# modprobe brcmsmac

Für diesen Chip wie für viele weitere findet man Anleitungen im Debian Wiki.

Fazit

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit Debian. Es benötigt etwas mehr Arbeit am Anfang, sobald es aber läuft ist es genauso pflegeleicht wie Ubuntu. Kleinere Macken muss ich noch angehen. So wird ein Tippen auf das Touchpad ignoriert. Da es recht unbequem ist immer die Maus-Tasten drücken zu müssen werde ich mir das noch ansehen. Audio und Video funktionieren out-of-the-box (wobei VLC etwas Überredung brauchte um Videos abzuspielen; der Dragon Player (Standard KDE Video Player) funktionierte aber von Anfang an). Dass Amarok seine Lautstärke ändert, wenn ich über die Medientasten die Systemlautstärke ändere ist nervig. Das muss ich Amarok noch abgewöhnen.

Debian kam mir früher immer wie ein System vor, welches nur Experten einsetzen sollten und wenn ich genug Erfahrung gesammelt habe würde ich es auch irgendwann mal einsetzen … irgendwann. Im Grunde ist in der Verwendung aber kein Unterschied zu einem Ubuntu/Fedora/SuSE/Gentoo/Arch feststellbar. Natürlich passieren hier viele unterschiedliche Dinge unter der Haube. Sobald das System aber läuft, verschwindet dieser Unterschied fast zur Gänze.

Eine Gute Alternative zu Ubuntu ist natürlich noch Linux Mint. Leuten, die aus welchem Grund auch immer von Ubuntu weg wollen, kann ich aber auch Debian bestens empfehlen. Es gibt viele Anleitungen und Problemlösungen für Debian im Netz. Außerdem funktioniert auch ein Großteil der Anleitungen im guten alten Ubuntuusers Wiki mit Debian.

Wenn du dich mit dem Gedanken spielst ein Debian aufzusetzen, dann lies dir am Besten den einleitenden Artikel auf dem Debian Wiki durch: Debian für Einsteiger. (Vielen Dank an Marcus Moeller für den Link.)

[UPDATE]

Eine kleine Konfiguration mit dem Programm synaptiks später reagiert das Touchpad auch auf Tippen. Die entsprechenden Eingaben waren einfach deaktiviert.

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Berlusconi verlangt Amnestie – Ein Rant

November 24, 2013 um 12:41 vormittags | Veröffentlicht in Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Wow. Ich dachte bisher immer, Silvio Berlusconi wäre nur ein selbstgerechtes Arschloch. Ich habe mich leider geirrt. Neben seinem offensichtlichen Selbstverständnis, dass Italien sein privater Spielplatz ist, glaubt er scheinbar wirklich, er wäre Gottes Geschenk an dieses, von ihm ausgenutzte, Land.

Rekapitulieren wir einmal. Silvio Berlusconi ist Eigentümer der Holding Fininvest, über welche er knappe 40% an der von ihm gegründeten Mediaset Gruppe besitzt. Dazu gehören Fernsehsender, Werbeunternehmen und der größte italienische Buchverlag, Mondadori. Das alles addiert sich zu einer enormen Macht über die Information, die der normale Italienerzu Gesicht bekommt. Diese Macht hat Mediaset zu Wahlzeiten zu Gunsten Berlusconis schon des öfteren zu einseitigen Berichterstattung genutzt. Auch zu Berlusconis unzähligen Gerichtsverfahren (selbstverständlich alles nur “linke Hetzkampagnen”) gab es hauptsächlich einseitige Meinungsmache.

Berlusconi selbst hat sich an Italien reichlich bedient. Mediaset hat staatliche Beihilfen in dreistelliger Millionenhöhe für die Anschaffung von digital-Decodern erhaltenUm Mondadori übernehmen zu können bestach Berlusconi einen Richter. Dazu gesellen sich Meineide, weitere Bestechungen, Bilanzfälschungen, Steuerbetrug und Amtsmissbrauch (jeder erinnert sich noch an “Ruby“?) Viele der Verfahren wurden wegen Verjährung eingestellt oder Berlusconi hat massgeschneiderte Gesetze erlassen um strafrechtlich nicht verfolgt werden zu können.

Er ist rechtsnationaler Politiker. Ob das seine persönliche Einstellung ist oder ob er sich die Einfältigkeit des rechtsradikalen Fußvolkes nur zu Nutze macht vermag ich nicht zu sagen. So oder so werfen seine wiederholten Wiederwahlen kein gutes Licht auf Italien. Möglicherweise ist die Tatsache, dass Berlusconi trotz aller Vergehen immer wieder das “Vertrauen” des Volkes ausgesprochen bekommt eine der Ursachen für seine Allmachtsfantasien.

In den letzten Wochen ist er wieder in den Medien erschienen, weil er wegen des Mediaset-Skandals (Steuerhinterziehung) eine Haftstrafe von 4 Jahren ausgefasst hat. Dagegen in Berufung gegangen, gibt es seit einiger Zeit ein neues Urteil, welches eine unbedingte einjährige Strafe vorsieht. Diese kann entweder als Hausarrest oder als Sozialdienst abgeleistet werden. Berlusconi selbst hat Sozialdienst beantragt  mit der Begründung: die Bewegungsfreiheit wäre größer als beim Hausarrest. Scheinbar mit dem Hintergedanken, dass die Strafe so oder so nicht verbüßt werden müsste und dieser Schritt eine bessere PR bringt.

Berlusconi hat in den vergangenen Wochen versucht über seine Partei Druck auf die Regierung auszuüben. Dabei haben ihm jedoch einige seiner Gefolgsleute den Gehorsam verweigert, wodurch er eine Kraftprobe im italienischen Parlament verloren hat. Jetzt versucht er es als selbstverständlich hinzustellen, dass seine Majestät Silvio in jedem Fall einen Erlass der Strafe verdient. Sogar ohne ein offizielles Begnadigungesuch. Er beschwert sich, dass der – von ihm selbst ersuchte – Sozialdienst, ihn und in der Tat das Ganze Land der Lächerlichkeit preis geben würde.

Lieber Herr Duce. Italien ist längst der Lächerlichkeit preis gegeben worden. Jedesmal, wenn Sie den Mund aufgemacht und die Welt mit Ihrem nicht vorhandenen Niveau gequält haben. Jedesmal wenn Sie sich vor der Verantwortung des marginal existierenden italienischen Rechtsstaates mit Hilfe der Macht Ihres Amtes gestohlen haben. Jedesmal wenn Sie den Menschen, auf deren Kosten Sie sich ein gutes Leben machen, ins Gesicht lügen und Ihre politischen Gegner einer niederen Motiven entspringende Hetzjagd gegen Ihre Person unterstellen. Jedesmal, wenn ersichtlich wird, dass Sie ernsthaft glauben Gutes für Italien zu tun. Jedesmal wenn Sie Europa blamieren, indem Sie in eine Wanne voll Fett springen.

Silvio Berlusconi. Ihre Zeit ist um. Verabschieden Sie sich von der politischen Bühne. Sie haben genug Schaden angerichtet. Begeben Sie sich in Behandlung. Aber am Wichtigsten: Shut up!

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NR-Wahl 2013 – Ein Überblick über die Parteien

August 27, 2013 um 1:57 nachmittags | Veröffentlicht in Österreich, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Die österreichische Nationalratswahl 2013 ist nur mehr ein gutes Monat hin. Grund genug sich darüber klar zu werden, welche Parteien in die engere Wahl kommen. Eine grobe Übersicht über alle teilnehmenden Parteien gibt es im entsprechenden Wikipedia-Artikel. Da CPÖWANDLEUAUSM (“Männerpartei”; vorsicht: Website fragt Standortdaten ab) und SLP wohl keine Chance haben ins Parlament einzuziehen, werde ich sie hier nicht behandeln.

Im folgenden werde ich die Parlamentsparteien nach dem letzten Wahlergebnis und die restlichen nach Alphabet betrachten. Zu beachten ist: die Texte zu den Parteien sind natürlich durch meine Meinung gefärbt. Es handelt sich also nicht um eine vollständig objektive Darstellung.

SPÖ

Die Sozialdemokratische Partei Österreichs ist traditionell am Spitzenplatz zu finden. Noch. In den letzten Jahren schwanden der einzigen “Arbeiter”-Partei kontinuierlich die Mitglieder und die Wählerstimmen. Das mag zum einen daran liegen, dass sie sich sowohl in der Pre- als auch in der Post-Schüssel-Ära zuviel vom Junior-Partner ÖVP sagen ließen. Sie werden als schwach und machthungrig gesehen. Auch optisch sondert sich die Führung schon seit Langem von ihrer Basis ab. Hat man Werner Faymann, Rudolf Hundstorfer oder Josef Cap in den letzten 10 Jahren in einen Pullover gesehen? Die gesamte Führung politisiert in jeder Lage nur im Nadelstreif, wählt ihre Worte mit Bedacht, dass man ja dem politischen Partner nicht auf die Füße tritt und verhält sich im Allgemeinen eher wie ein Haufen Manager denn eine Gruppe an Arbeitervertretern.

Ja, die SPÖ hat uns einen Haufen Arbeiterrechte und mehr Gerechtigkeit zwischen den bestehenden Gesellschaftsschichten gebracht. Aber das war vor über 30 Jahren. Einen Kreisky traut man ihr heute (leider) nicht mehr zu.

ÖVP

Die Österreichische Volkspartei sollte eher Österreichische Wirtschaftspartei heißen. Mit dem Volk haben sie heute ungefähr soviel zu tun wie Dollfuß einst mit Demokratie: es ist ein Werkzeug zur Macht. Manch einer mag bereits vergessen haben, dass die beiden Schüssel-Episoden des letzten Jahrzehnts besonders dem “Volk” viele Nachteile gebracht haben. Da seien erwähnt der längere Durchrechnungszeitraum für die Pensionsberechnung (40 Jahre statt der besten 10), welcher sich in geringeren Pensionsauszahlungen auch heute noch niederschlägt. Die Gesinnung gegenüber dem arbeitenden Volk lässt sich besonders schön an der Person des Martin Bartenstein betrachten. Der damals hauptberufliche Wirtschaftsminister (und als Nebenjob Arbeitsminister) antwortete, angesprochen auf die höchste Arbeitslosigkeit der 2. Republik sinngemäß: Wir können da gar nichts machen. Wenn wir genug Geld in die Wirtschaft pumpen, dann regelt sich das von alleine.

Auch Michael Spindelegger, der sich nach dem Bundesheervolksbegehren nicht entblöded hat das Ergebnis seiner Lügenkampagne über das “Ende der Ehrenamtlichkeit” als Zustimmung zur ÖVP zu werten, hat vor wenigen Tagen klar gemacht, dass er auf Seiten der Arbeitgeber und nicht die der Arbeitnehmer steht. Der von der ÖVP ins Spiel gebrachte und inzwischen wehement geforderte 12-Stunden-Tag spricht eine deutliche Sprache. Die ÖVP will, dass das Gesetz, am Kollektivvertrag vorbei, regelt, dass ein Arbeitnehmer im gegenseitigen Einverständnis bis zu 12 Stunden am Tag arbeiten können soll. Herr Spindelegger, das kann er jetzt auch schon, wenn er will. Allerdings zählt das heute noch als Überstunden und muss daher mit 50% Lohnaufschlag abgegolten werden. Wenn die 12 Stunden eine gesetzliche Grundlage haben, dann fallen diese Aufschläge weg und der Arbeitnehmer erhält nur den normalen Stundenlohn.

In dieselbe Kerbe schlägt der alljährliche ÖVP-Wunsch nach Senkung der Lohnnebenkosten. Die ÖVP versucht das immer als Erleichterung für den Arbeitnehmer darzustellen. Dabei ist das kein Geld das der Arbeitnehmer zahlt. Der sieht davon sowieso nie einen Cent, deshalb kann er sich auch nichts ersparen. Die Lohnnebenkosten werden vom Arbeitgeber in den Sozialtopf eingezahlt. Darunter fallen unter anderem der Sozialversicherungsbeitrag und der Pensionsversicherungsbeitrag. Wenn der Arbeitgeber hier also weniger einzahlt, dann hat die Sozialversicherung weniger Geld (sie haben jetzt schon fast keins) und Sozialausgaben werden weiter gekürzt. Bei der Pensionsversicherung bedeutet das: geringere Pensionsauszahlung, weil ja auch weniger Geld hineingeflossen ist. Die Arbeitgeber betrifft das dann sowieso nicht, denn die sind normalerweise privat versichert.

Selbst ihrem alten Namen “Christlich-sozial” wird sie nicht mehr gerecht. Den “sozial”-Teil haben sie sehr schnell abgestreift und sich zu kaisertreuen Ständestaatsverfechtern gemausert. Der “christlich”-Teil stimmt in seiner eigentlichen Bedeutung auch nicht mehr. Zu erkennen ist eher eine symbiotische Verbindung zwischen ÖVP und der Katholischen Kirche als mächtigem Player in der heutigen Tagespolitik, welche weniger mit Glaube sondern mehr mit Machtgier/-erhaltung zu tun hat. Außerdem wollen sie Gott in die Verfassung schreiben.

FPÖ

NSDAP –> VdU –> FPÖ. Das ist die geschichtliche Entwicklung der Freiheitlichen Partei Österreichs und das merkt man noch heute. Auch wenn SPÖ und ÖVP nach dem 2. Weltkrieg bei der Aufnahme von Mitgliedern nicht wählerisch waren, so war der VdU doch DIE Nazi-Partei schlechthin. Hier versammelte sich alles, was sich zu seinem arischen Deutschtum bekannte. Hier waren Nazis nicht eine Minderheit, sondern die Regel. Wer halbwegs kontinuierlich Zeitungen liest oder sonstwie politische Nachrichten verfolgt, der weiß, dass es in der FPÖ seit jeher regelmäßig mit “bedauerlichen Einzelfällen” zu kämpfen hat. Da sind Mitarbeiter des Parlamentsklubs und Nationalratsabgeordnete, die bei einem einschlägig nationalistischen Versand bestellen, Abgeordnete, die mit NSDAP-Slogans um sich werfen und Verurteilungen wegen rassistischer Verhetzung. Herr Strache, die FPÖ mag nicht die NSDAP sein. Ideologisch ist sie aber nicht weit entfernt.

Zum aktuellen Thema “Nächstenliebe“. Ja, es stimmt, die Katholische Kirche hat weder den Begriff noch die Bedeutung von “Nächstenliebe” für sich gepachtet. Grundsätzlich heißt Nächstenliebe ja nur, dass man seinen nächsten lieben soll wie sich selbst. Da ich bezweifle, dass sich her Strache mit nichtarischem “Gesindel” umgibt, glaube ich ihm sogar, dass er seine Nächsten liebt. Im politischen Wahlkampf wird dieser, eigentlich nicht diskriminierende, Begriff eher bedeutungslos. Der FPÖ mag mit einem Positivwahlkampf ein Überaschungsschlag gelunden sein, echte Inhalte hat sie aber auch damit wieder einmal nicht zu bieten.

BZÖ

Schon zu Haiders Lebzeiten eher eine Totgeburt hängt die Zukunft des Bündnis Zukunft Österreichs auch bei dieser Wahl wieder am seidenen Faden. All die Jahre schafften es die Bienenzüchter nur deshalb ins Parlament, weil sie durch den einzigen orangenen Landeshauptmann in Kärnten ein Pflichtmandat erhalten haben. Ob sie nach dem Verlust ihrer einzigen Basis aus dem Hohen Haus fliegen wird die Zeit zeigen. Inhaltlich und ideologisch zwischen FPÖ und ÖVP angesiedelt, haben die kärntner Parteigranden es auf meisterhafte Art und Weise verstanden Beruf und Privatleben zu verbinden. So floß viel Geld der öffentlichen Hand über Umwege in die Parteikasse von BZÖ/FPK/FPÖ (wer kann die noch alle auseinander halten?), wie der Telekom-Skandal gezeigt hat. Auch dass damaliger Spitzenkandidat Westenthaler nach einem Fußballspiel einen Polizisten angefahren hat, Herr Uwe Scheuch als Parteiobmann des FPK (damals Kärnter Abspaltung des BZÖ) im Rahmen der Part-of-the-Game-Affäre zu 7 Monaten bedingt verurteilt und der ganze orangene Misch-Masch durch regelmäßigem Auszug aus dem Landtag das demokratische Mittel einer vorzeitigen Neuwahl über ein halbes Jahr hinausgezögert hat (und dadurch skandalgebeutelt nicht nur länger an der Macht blieb sondern dadurch auch weiterhin mit Steuergeld finanziert wurde), sollte man nicht vergessen.

Demokratie sieht anders aus.

Grüne

Die einzige Parlamentspartei, die bisher nicht die Chance hatte sich auf Bundesebene einen Namen zu machen. Die bisherigen Alleinregierungen und Koalitionen enthielten immer die Farben Rot oder Schwarz, jedoch nie Grün. Einzig auf Landesebene konnten die Grünen bisher in Oberösterreich und in Wien mitwirken. Aus Oberösterreich sind mir keine großen Sprünge bekannt (was nicht heißt, dass es keine gibt), in Wien sind sie durchaus umstritten. Als Juniorpartner einer mächtigen Stadt-SPÖ haben sie einzig das (aufwändige) Resort Verkehr erhalten. Zwei Themen stechen in der Arbeit von Stadträtin und Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bisher hervor: Ein günstigeres Jahresticket bei den Wiener Linien (365,- statt 460,-) und die Umgestaltung der Mariahilferstraße.

Ersteres zog eine leichte Verteuerung der restlichen Tickets nach sich, welche besonders von ÖVP gerne in Prozenten ausgedrückt wird. Die Mariahilferstraße ist, nach langen Diskussionen und der Einbindung der ansässigen Geschäfte, für die kommenden Monate eine (mehr oder weniger) Probefussgängerzone. Dass ein solches Projekt nicht von jetzt auf gleich funktionieren wird (siehe Passanten vs. 13A), war wohl jedem von vornherein klar. Die Mariahilferstraße war eine beliebte und staureiche Durchzugsstraße. Die angrenzenden Geschäfte befürchten, nach Aufstachelung von ÖVP und WKÖ, einen massiven Umsatzrückgang. Die Zeit wird zeigen, ob die Idee und ihre Umsetzung ein Meisterstück oder ein Flop der Grünen war.

FRANK

Den Parteien, die keine demokratische Legitimation durch das Antreten bei einer Wahl besitzen, die aber dennoch im Parlament sitzen und zumindest als Opposition unsere Gesetzgebung mitbeeinflussen, schließt sich das Team Stronach an. Fünf Abgeordnete verschiedener Parteien liefen in der laufenden Legislaturperiode zum erst wenige Monate alten “Team Stronach” über. Umfragen sprechen von bis zu 10% der Stimmen, was die Frischlingspartei sogleich zu einem ernsthaften Koalitionspartner für rechte Parteien machen würde. Allerdings führt die bunte Mischung auch dazu, dass die sichtbaren Mitglieder der Partei keine zu erkennende gemeinsame politische Richtung verfolgen.

Frank Stronach, der Namenspatron und Geldgeber der Partei, wurde in Österreich geboren, machte in Kanada ein Vermögen als Turbokapitalist und kam im reifen Alter von 56 wieder nach Österreich zurück. Besonders interessant ist, dass im Laufe der Jahre viele namhafte Politiker nach ihrer politischen Tätigkeit eine leitende Stelle in Stronachs Magna Konzern erhielten. Dazu zählen u.a. Peter Westenthaler (FPÖ/BZÖ), Waltraud Klasnic (ÖVP; “Klasnic-Kommission”), Karl-Heinz Grasser (FPÖ) und Franz Vranitzky (SPÖ). Stronachs Anti-Korruptionsschreie in Ehren, aber man fragt sich was die Gegenleistung gewesen sein könnte.

Kontroversielle Aussagen über einen Strohmann zu machen um zu sehen wie das Volk darauf reagiert ist eine beliebte Taktik um nicht selbst der Buh-Mann zu sein. Diese Taktik scheint angewandt worden zu sein, als Stronachs Vertreter Robert Lugar tönte, “Wir brauchen die Gewerkschaften nicht, sie blockieren doch alles.” Nach 2 Wochen großer Entrüstung versuchte Stronach sich dann in Schadensbegrenzung, in dem er meinte: “[Ich] habe nie gesagt, man braucht keine Gewerkschaften“.

Spannend wird der aktuelle Vorwurf, Stronach versuche die Wahlkampfkostendeckelung (max. € 7 Mio. pro Partei) zu umgehen. Stronachs aktuelle Kampagne, bei der er die “beste Idee für Österreich” mit € 100.000,- prämiert, wird nämlich nicht von der Partei sondern vom “Frank Stronach Institut” geleitet.

Zur Zeit versucht Frank Stronach mit Gewalt abseits von Parteiwerbung in den Medien zu erscheinen. Dafür lässt er auch mal schnell seinen Privatjet ausfliegen. Mir kommt es so vor, als ob Stronach, treu seiner kapitalistischen Gesinnung, versucht sich in Österreichs Politik einzukaufen.

KPÖ

Die Kommunistische Partei Österreichs ist ein fester, wenn auch wenig chancenreicher Bestandteil der politischen Landschaft unseres Landes. Bisher nur vereinzelt in Landtagen gesehen, ist die KPÖ die linkeste Partei des Spektrums. Am Anfang der 2. Republik noch ein Mitglied einer “Regierung der besten Köpfe”, verlor sie sich bald in der Bedeutungslosigkeit. Vermutlich auch durch das, besonders von den USA gepredigte, Zerrbild des russischen Stalinismus als Kommunismus und der daraus resultierenden Angst der Bevölkerung.

Obwohl ich in einigen Punkten inhaltlich mit ihnen übereinstimme, so war mir die KPÖ immer zu radikal. Ich hatte stets das Gefühl, dass sie zur Not ihre Vorstellungen an der Demokratie vorbei durchsetzen wollten. Mit einer Diktatur a’la Stalin hat die kommunistische Ideologie jedoch nichts zu tun. Mit Sozialismus auch nicht (I’m looking at you, HC).

NEOS

Die neuen NEOS (Das Neue Österreich) sind im Grunde das alte LIF (Liberales Forum)  welches 1993 von der früheren FPÖ-Mandatarin und Haider-Vertrauten Heide Schmidt gegründet wurde. Verschmolzen mit den JuLis (Junge Liberale)  welche das LIF auf Hochschulpolitik repräsentieren (manchem mögen die Milchmädchenrechnungen neben dem Gesicht von Kandidatin Gamon noch vor Augen sein: “Deine Mutter zahlt mein Studium”) und der 2012 gegründeten Demokratieinitiative NEOS tritt das LIF also diese Wahl wieder an. Unter einem neuen Namen, den der alte verkauft sich scheinbar schlecht. Dass ihre einzigen Ideen zur Sanierung unserer Gesellschaft darin bestehen Ausgaben zu kürzen zeigt ihre “liberale” (sprich: wirtschaftsorientierte) Ausprägung trotz neuem Namen jedoch sehr deutlich.

Ich weiß ja nicht, wann es die Wirtschaftstreibenden dieses Landes endlich kapieren werden: Geld läuft im Kreis. Von Mensch zu Geschäft zu Firma zu Angestellten (also wieder Mensch). Je schneller dieser Kreislauf ist, desto mehr Geld haben alle Beteiligten in einem bestimmten Zeitabschnitt zur Verfügung. Ergo, alle werden (finanziell) reicher. Wenn nun dieser Kreislauf verlangsamt wird, sei es, dass ein Beteiligter einen Großteil in seiner Bank parkt (z.B. in der Schweiz) oder einfach weniger weiter gibt (z.B. Lohnkürzungen, Stellenstreichungen), dann hat jeder Beteiligte auch weniger Geld (im selben Zeitraum) zur Verfügung. Ein weiteres Streichen von Ausgaben oder eine (in-)direkte Finanzierung durch die öffentliche Hand bewirken also genau das Gegenteil von dem, was gepredigt wird. Es wird nicht die Konjunktur angekurbelt, sondern die Kaufkraft geschwächt.

PIRAT

Die Piraten sind ein Phänomen der letzten Jahre. Nach den Ereignissen um die Torrenttrackerplattform “The Pirate Bay” formierte sich eine politische Bewegung, deren Ziel es war das bestehende Urheberrecht neu zu überdenken und den Erfordernissen der heutigen Zeit nach neu zu regeln. Nicht verwunderlich, nachdem auf Forderung der US-Regierung die Betreiber der Plattform verhaftet und die Server beschlagnamt wurden, obwohl nach geltendem schwedischen Gesetz keine strafbare Handlung vorlag. Die damalige Anklage: massive Urheberrechtsverletzung. In Wirklichkeit stellte “The Pirate Bay” nur Torrent-Dateien (also Meta-Dateien zu Downloads) und einen Tracker zu Verfügung, welcher die Verbindung zwischen Nutzern, die an derselben Datei interessiert sind herstellen sollte. Auf das eigentliche Material, welches dadurch geteilt wurde, hatte Pirate Bay keinen Einfluss. Nach schwedischem Recht mussten sie das auch nicht, da sie die Dateien nicht selbst zur Verfügung gestellt hatten.

In immer mehr Ländern formieren sich Gruppen unter der Bezeichnung “Piratenpartei”, haben mehr oder weniger Probleme mit ihrer Basis und schaffen es sogar teilweise auf Anhieb in die lokalen Parlamente. Dieser Partei, welche sich allen voran aus technikaffinen Personen rekrutiert (den meisten anderen sind die aktuellen Probleme im Internet eher nicht bewusst), traue ich durchaus zu, dass sie sich mit Themen wie “Urheberrecht im Internet”, Tarifabzocke/Downloadfallen und NSA-Bespitzelung auskennt, sich damit gründlich auseinander setzt und Entscheidungen aufgrund einer Mehrheit ihrer Mitglieder trifft.

Leider besteht das Leben aber eben nicht nur aus dem Internet. Zu vielen anderen Themen fehlen mir von den Piraten die Ideen und Vorschläge. Vielleicht verlange ich hier zu viel. In einer Koalition würden sie vermutlich eher die Resorts bekommen, welche ihren Fähigkeiten entsprechen. Ich persönlich beurteile eine Partei jedoch danach, wie gut sie sich in einer Alleinregierung schlagen könnte. Und hier fehlen den Piraten die Kapazitäten.

Fazit

Ich habe es oben schon erwähnt: dieser Artikel ist subjektiv. Er entspricht meinen Ansichten, die ich zumeist, so gut wie möglich, mit Quellen zu untermauern versuche. Trotzdem spiegelt der Artikel meine eigene Meinung wider und ist nicht als Tatsachenbericht zu verstehen.

Man kann es vermutlich aus den Texten herauslesen: ich tendiere zu linken Seite des politischen Spektrums, auf welcher ich folgende Parteien sehe: SPÖ, Grüne, KPÖ und Piraten. Die rechten Parteien: ÖVP, FPÖ, BZÖ, FRANK und NEOS sind nicht deswegen für mich unwählbar, weil sie rechts sind, sondern weil sie sich, in meinen Augen, selbst disqualifiziert haben. Sei dies nun durch Aussagen oder durch Taten und Entscheidungen.

Ich bin in einem sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen. Mein Großvater war eiserner Katholik, von daher kam nur die ÖVP in Frage. Meine Eltern wählen jedoch beide SPÖ und teilten ihre politischen Ansichten mit mir. Ich besuchte einen Lehrgang der SPÖ Parteischule (welche im Gegensatz zur Freiheitlichen Akademie keine Hirnwäscheanstalt ist) und lernte dort über die Geschichte und die Grundsätze des Sozialismus und die Errungenschaften der SPÖ in der Zwischenkriegszeit und unter Kreisky und bin Parteimitglied.

Das hält mich nicht davon ab, mich kritisch mit ihrer heutigen Spitze auseinander zu setzen. So war für mich Alfred Gusenbauer einer der schlechtesten Kanzler unserer Republik, seitdem ich mich mit Politik beschäftige. Wolfgang “Mascherl” Schüssel kommt aber noch vor ihm. Werner Faymann ist für mich eine zwiespältige Angelegenheit. Er scheint die Partei gut führen zu können und wurde damals auch wegen seiner schlichterischen Fähigkeiten in die Regierung Gusenbauer geholt. Dann wiederum läuft aber auch er im Nadelstreif herum, als wäre es seine höchste Aufgabe die finanzstarken Personen unseres Landes zu beeindrucken. Lieber Werner, bitte denke du und alle Genossen, die in der SPÖ etwas zu Sagen haben, darüber nach, wer denn eure Basis ist. Wir fühlen uns nämlich ein bisschen allein gelassen von euch da oben. Wir wissen nicht mehr, ob ihr noch unsere Genossen seit oder unsere Verwalter.

Zur Zeit schwanke ich zwischen den Parteien SPÖ und Grüne. Wenn mich die SPÖ nicht sehr überzeugt, mit Taten abseits vom Wahlkampf, dann wird meine Stimme wohl Grün werden.

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