Google geht den nächsten Schritt

Dezember 4, 2009 um 9:00 am | Veröffentlicht in Computer, Google | 1 Kommentar

Sie haben es schon wieder gemacht.

Am Anfang war Google ein Suchmaschinenanbieter wie Yahoo, Altavista, WebCrawler oder Lycos. Das Uni-Projekt von Sergey Brin und Lawrence Page war allen anderen durch exaktere Ergebnisse weit voraus. Dann kristallisierte sich langsam heraus, dass hinter der genialen Implementation Googles eigentlich ein Werbeanbieter steckt, der mit Hilfe des Suchmaschinen-Frontends versucht die angebotene Werbung möglichst auf den jeweiligen Nutzer anzupassen um die Werbung noch effizienter unters Volk zu bringen.

Doch Google („Don’t be evil„) war das nicht genug. Die Google-Desktop-Search, die Google Toolbar für den Browser und Anwendungen wie Picasa, Google Gears, GMail, Google Maps, Google Docs, YouTube und Google Earth dienen neben der Unterstützung des altruistischen Image auch der Abrundung des Nutzerprofils.

Der nächste große Wurf war der Google Browser Chrome. Ein neues Bedienkonzept, erhöhte Geschwindigkeit und bessere Stabilität waren die Argumente und scheinen so ziemlich jede Person in meinem Umfeld (außer mir) überzeugt zu haben. Chrome OS ist unter Linux-Nutzern sehr umstritten. Manche meinen, dass ein bekanntes Linux-System der Bekanntheit von Linux allgemein gut tut. Die anderen sind eher der Meinung, dass die noch geringe Qualität den OpenSource-Gegnern eher Argumente gegen die Qualität von OpenSource im Allgemeinen bietet.

Dann war da Google Wave welches unsere Kommunikation bündeln und verschiedene Dienste auf einer Plattform vereinen sollte.

Und jetzt startet Google seinen eigenen DNS-Server. Für die die es nicht wissen: ein DNS-Server gleicht einem Telefonbuch. Der Server nimmt die URL entgegen (z.B. Wikipedia.org) und gibt die IP-Adresse (z.B. 208.80.152.2*, 4.12. 10:57) zurück. Über diese Adresse ist eine bestimmte Seite dann exakt zu identifizieren.

Auf was ich hinauswill: Google stellt immer mehr Dienste zur Verfügung welche für das Funktionieren des Internets bis hin zur Einbindung in den Desktop wichtig sind. Google ist im Trend und seine Produkte haben einen gewissen Coolness-Faktor. Chrome ist anders als andere Browser, Docs ist gratis, reicht für die meisten Anwendungsfälle im Büro und lässt sogar mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Google Earth und Maps sind lustig bis praktisch für Routensuche oder einfach nur Landschaftsbilder. Und Youtube ist ja sowieso angesagt. Damit stellt der Otto-Normal-Nutzer keine Fragen und vergisst oder ignoriert über das Coole Leben den Preis den er/sie dafür zahlen muss: persönliche Daten und damit einen indirekten Eingriff in die Privatsphäre. Apples iLife könnte neidisch werden über diesen Erfolg. Und eine Ende ist nicht in Sicht. Zwar hatte Bing in der Woche nach seiner Fertigstellung kurz Tendenzen ebenfalls erfolgreich zu werden, inzwischen zeigt sich aber, dass es wie zuvor schon unter seinem alten Namen MSN-Search eher eine Randerscheinung bleiben wird. Googles Stern steigt weiter, es gibt keine ernstzunehmende Konkurenz.

Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, was Google für die Gemeinschaft tut. Google Code, Google Summer of Code verschiedenste APIs und die unstreitbaren positiven Eigenschaften vieler ihrer Programme. Sie engagieren sich finanziell und mit Mitarbeit bei OpenSource- und Free Software-Projekten (z.B. Wine) und im Unternehmen wird hauptsächlich auf Freie und Quelloffene Software gesetzt.

Ich bitte jeden, diesen Artikel nicht misszuverstehen. Ich habe versucht einen kurzen Überblick über das zu geben was ich denke, dass Google im Auge des Nutzers ausmacht und welchen Nutzen Google aus dieser Symbiose zieht. Google sammelt Daten. Das ist ihr Geschäft. Und solange sie sich nicht mehr zu Schulden kommen lassen, als dass sie diese Daten automatisch auswerten um mir interessantere Werbung zu zeigen kann ich damit leben. Aber die Frage die sich jeder von uns stellen muss: Was ist mit der zweiten Generation? Wenn Larry Page, Sergey Brin und Eric Schmidt nicht mehr an der Spitze von Google stehen, werden die Werte die Google unter ihrer Führung lebt auch dann noch geachtet wenn neue Leute das Sagen haben? Ich denke es ist sehr kurzsichtig zu sagen: heute ist alles in Ordnung, warum soll ich mir Gedanken machen? Es ist natürlich auch sehr Paranoid zu denken: Morgen kann alles schlechter sein, ich darf Google nicht nutzen. Jeder von uns muss sicherlich seinen/ihren Mittelweg finden.

Die Bekanntmachung von solchen Ereignissen und ihre potenzielle Tragweite ist jedoch sicherlich eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Viele Leute laufen Gefahr genauso von Google abhängig zu werden, wie sie es zuvor von Microsoft waren (oder immer noch sind).

* Die IP-Adresse 208.80.152.2 wird zwar für alle (von mir besuchten) Wikipediaportale angegeben, gibt man sie aber direkt im Browser ein so kommt man auf eine eher unübersichtliche Übersichtsseite.

Creative Commons License
This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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  1. […] März 23, 2010 at 7:46 am | In China, Google, Politik | Leave a Comment Vor etwas längerer Zeit habe ich ja schon geschrieben, dass Google zwar sehr viele Innovationen herausbringt, diese aber meistens wieder nur zum […]


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