Erklärungsbedarf

Januar 12, 2010 um 12:57 pm | Veröffentlicht in Computer, Multimedia | 1 Kommentar

Seit heute findet sich auf der Webseite des Bundesverband Computerhersteller e.V. (BCH) eine Pressemitteilung welche von einer Urheberrechtsabgabe spricht die angeblich vom BCH und der Zentralstelle für private Überspielrechte (ZPÜ, Untergruppe des wirtschaftlichen Vereins GEMA) am 23.12.2009 ausgehandelt wurde.

Die genannten Tarife erstrecken sich rückwirkend bis ins Jahr 2002 und sehen eine gestaffelte Abgabe vor. In den Jahren 2002 und 2003 sollen € 3,15 pro verkauftem Computer nachgezahlt werden, für 2004 bis 2007 sind es € 6,30. In beiden Fällen wurden scheinbar bereits Brennerabgaben gezahlt. Für die Jahre 2008 bis 2010 soll die Abgabe € 12,14 (bzw. € 13,65 für PCs mit Brenner) sein.

Dabei handelt es sich um eine Abgabe welche Computerhersteller an die ZPÜ abführen müssen:

Die urheberrechtlichen Abgaben, die von den Verwertungsgesellschaften im Namen von Autoren, Künstlern und Produzenten eingenommen und nach Abzug der internen Kosten ausgeschüttet werden, dienen der Abgeltung für die Erstellung von Privatkopien. Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung ist es, dass die Hersteller bzw. Importeure die Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Diese Sätze machen mich etwas sprachlos. Nehmen wir sie doch etwas auseinander:

Der 1. Satz spricht davon, dass die Abgabe, nach Abzug von internen Kosten an die Autoren, Künstler und Produzenten ausgeschüttet werden soll. Es kann sich jeder selbst ausrechnen wieviel Kupfer vermutlich jeder Autor, Künstler und Produzent auf die Hand bekommt, nachdem die ZPÜ ihre internen Kosten abgedeckt hat. Erschüttert hat mich aber der zweite Teil des Satzes:

[…] dienen der Abgeltung für die Erstellung von Privatkopien.

Der erste Gedanke der mir dabei durch den Kopf geschossen ist war das gute alte wienerische: San’s deppert? Hier wird eine Kriminalisierung des Konsumenten durchgeführt noch bevor er das Werkzeug zur Tat gekauft hat. Hier wird davon ausgegangen, dass jeder Käufer eines PCs diesen verwenden wird um Urheberrechte zu verletzen. Selbst dann wenn er keinen Brenner hat.

Jetzt lässt sich natürlich noch über Privatkopien streiten. Was genau ist damit gemeint? Handelt es sich hier um einen allgemeinen Ausdruck für die Kopien die Privatleute herstellen und die sonst im Industriejargon als Raubkopie bekannt sind? Oder ist es die Definition die auch ich mit dem Begriff Privatkopie in Verbindung bringe: eine Sicherungskopie der gekauften Medien für private Zwecke? Im ersten Fall ist es wie schon erwähnt eine verallgemeinerte Kriminalisierung. Im zweiten Fall einfach nur eine Frechheit. Denn wo schädige ich den Autor, Künstler und Produzent wenn ich mir eine Kopie meiner CDs/DVDs anlege um den gekauften Inhalt auch nach einer irreperablen Beschädiung des Kaufmediums noch genießen zu können?

Der 2. Satz bringt die Arroganz auf den Punkt:

Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung ist es, dass die Hersteller bzw. Importeure die Kosten an die Verbraucher weitergeben.

Natürlich sind € 13,65 (denn welcher Privatkunde kauft sich heute schon einen PC ohne Brenner) im Vergleich zum Gesamtpreis eines fertig bestückten PCs keine große Summe, aber hier geht es um das Prinzip. Warum muss ich als Kunde auf den Verdacht der Industrie hinaus zusätzliches Geld abdrücken für etwas, das ich vielleicht gar nicht machen werde?

Eine zweite interessante Interpretation zum 2. Satz wäre folgende:

  1. Die Industrie (gibt vor dass sie) leidet unter der schieren Zahl an Privatkopien welche ihr kein Geld einbringt.
  2. Die Industrie möchte sich dieses !!vermutete!! Geld vom Konsumenten holen.
  3. Die Computerhersteller erhöhen den Preis ihrer Geräte und zahlen die (oder zumindest den vorgeschriebenen Teil der) Differenz an die Industrie.
  4. Die Industrie hat damit ihre Ausgleichszahlungen für „Piraterie und Raubkopierertum“ erhalten.
  5. Jeder der diese Abgabe gezahlt hat darf mit Segen der Industrie diesem dunklen Handwerk nachgehen.

Was denkt ihr? Wenn wir schon im Voraus dafür zahlen müssen, dass wir eventuell mal das Urheberrecht verletzen dann sollte es doch auch möglich sein, dass wir die Leistung in Anspruch nehmen für die wir zuvor das Geld hingelegt haben?

Creative Commons License
This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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1 Kommentar »

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  1. Hallo!

    Das ist ja unfassbar!

    *kaum tippen kann vor anspannung in den muskeln*

    Wenn diese Satzung, so wie sie da oben steht, tatsächlich stimmt, dann ist sie in meinen Augen eine Frechheit. Den Leuten zu unterstellen, dass sie mit ihrem neu gekauften Brenner die Mediensammlung ihrer Freunde/Verwandten/der nächst gelegenen Videothek kopieren wollen, zeugt nicht gerade von Vertrauen in den Kunden. Bisher habe ich immer gedacht, dass Firmen versuchen, Leute möglichst als Kunden zu gewinnen. Aber mit so etwas werden sie eher das Gegenteil erreichen. Das diese Satzung nicht von einzelnen Firmen aufgestellt wurde, ist mir klar, aber auch deren Vertreter sollten im Interesse der Firmen handeln, oder? Und ich bezweifle einmal, dass es im Interesse einer Firma liegt, Kunden zu verlieren.

    Die Frage ist, ob man als Endkunde überhaupt etwas davon mitbekommt, wenn man einen Computer kauft. Vielleicht wird diese Abgabe ja in der Werbung dann angepriesen, so auf die Art wie: „Kaufen Sie jetzt einen PC (mit Brenner) um nur € 1012,65 und kopieren Sie so viele Medien, wie Sie wollen. Gratis!“


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