Linux ga suki! Aber warum?

Februar 17, 2010 um 12:07 pm | Veröffentlicht in Computer, Debian, GNU/Linux, KDE, Kubuntu, Programmieren | 1 Kommentar

Ein Eintrag auf cywhale.de hat mich zum Nachdenken gebracht. Michael Weingärtner hat dort seine Gedanken niedergeschrieben warum er Linux mag, bzw. verwendet. Da mich das in einen intensiven fünfminütigen Denkprozess gestürzt hat möchte ich ebenfalls hier meine Gedanken zu diesem Thema veröffentlichen.

"Was die Pearl, was die Black Pearl wirklich bedeutet … ist Freiheit"

Dieser Satz von Captain Jack Sparrow aus dem Film Fluch der Karibik hat mich fasziniert seit ich den Film das erste Mal gesehen habe. Damals kannte ich Linux noch gar nicht. Meine ersten Erfahrungen mit Linux gehen zurück in den Winter von 2005. Damals habe ich kurze Zeit Knoppix, ein Debian-Derivat, und dann Kanotix, ein Knoppix-Derivat, verwendet. Der Grund für diese Entwicklung war sehr einfach: Ich hatte im Oktober 2005 mein Informatikstudium begonnen und suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit die Programmieraufgaben effizient zu erledigen.

Damals arbeitete ich noch auf Windows XP und hatte von Programmieren selbst kaum eine Ahnung. (Ich studiere Informatik weil mich Computer faszinieren und ich mehr darüber wissen wollte. Inzwischen ist Programmieren eine Leidenschaft.) Da Windows von sich aus keine Werkzeuge zum Programmieren (Notepad uääärgh…) bereitstellt habe ich erstmal verschiedene Entwicklungsumgebungen ausprobiert. Von Visual C++ von Microsoft habe ich jedoch von Anfang an Abstand gehalten, da das Programm bei meinem Professor damals immer wieder abgestürzt ist oder korrekten Code nicht kompilieren wollte. Also fand ich zwei Möglichkeiten meine Aufgaben zu erledigen:

  • Der erste war ein Commandozeilen basierter Compiler (dessen Namen ich jetzt nicht mehr weiß), der allerdings in Kombination mit der Windows-Eingabeaufforderung (was für ein Name …) mehr Probleme verursachte als ich verkraften konnte.
  • Der zweite war Dev-C++. Das ist eine Entwicklungsumgebung mit Codevervollständigung, Syntax-Highlighting und ein paar Sachen mehr. Dahinter steckt jedoch eine hoffnungslos veraltete Version von g++.

Da die Übungen an der Universität in einem Rechnerlabor abgehalten wurden in welchem Solaris lief und g++ eingesetzte wurde erkannte ich aber schnell die Vorteile die ein UNIX-basiertes System mit sich bringt und die Entscheidung ein solches auszuprobieren war nicht schwer. Zuerst besorgte ich mir von einem Freund eine Install-CD für SuSE-Linux 7.1 und installierte dieses (nach einigen Verständnisschwierigkeiten beim Installer) neben meinem WIndows. Ich war sofort begeistert von den Möglichkeiten die Linux in der Standardinstallation mit sich brachte.

Entgegen vielen Behauptungen die ich davor gehört hatte war alles so einfach und ich hatte viel mehr Freiheiten mein System zu gestalten als ich es jemals unter Windows erlebt hatte. Zudem war bereits OpenOffice.org und Firefox installiert. Die Oberfläche war KDE 3.3 (oder 3.2, bin mir nicht mehr sicher) und ich konnte arbeiten wie an der Universität. Das einzige Problem: g++ war nicht in der Basisinstallation enthalten. Da ich von der Linux-Welt noch keinen blaßen Schimmer hatte, bzw. wusste wie und wo ich Programme erhalten konnte welche ich installieren wollte lief ich hier erst mal gegen eine Wand.

Weitergeholfen hat mir die Tatsache, dass meine Freundin zu dieser Zeit massive Probleme mit einer Festplatte hatte die unter Windows ME regelmäßig überschrieben wurde (scheinbar ein Bufferüberlauf der dazu führte, dass ME nicht einfach auf dem freien Bereich der Platte weiterschrieb sondern bei Sektor 0 weitermachte …). Dadurch war sie natürlich mehr als nur bereit etwas Neues auszuprobieren und so installierte sie sich durch eine Anzahl von Distributionen bis sie schließlich bei Knoppix und Kanotix landete. Beide basierten auf KDE 3.3 und hatten auch g++ in der neuesten Version in der Basisinstallation. Nach kurzem Testen von Knoppix entschieden wir uns wegen der besseren Hardwareunterstützung für Kanotix 2005.

Mit Kubuntu 7.04 Feisty Fawn kam wieder eine Phase des Testens von alternativen Distributionen. Zum einen Verlief die Entwicklung von Kanotix nur sehr schleppend und zum anderen bereitete das System zunehmend Probleme. So war zum Beispiel das Kontrollzentrum von einem Tag auf den anderen leer und ich wusste nicht wie ich dieses Problem beheben sollte. Nach einigem Testen entschieden wir uns dann für Kubuntu (oder Ubuntu mit KDE), da es eine einfache Distribution war welche trotzdem alle wichtigen Programme mit sich brachte. Inzwischen wusste ich auch wie man apt-get bedient und konnte mir den fehlenden g++ einfach manuell dazu installieren.

Zu dieser Zeit fand auch meine bislang letzte Konfrontation mit Windows statt. In seiner Inkarnation als Vista kam es mit meinem neu gekauften Laptop (eigentlich ein Schleppschrott, ich empfehle niemandem einen Laptop von Fujitsu Siemens zu kaufen). Als direkt nach dem ersten Hochfahren die (mir bis dahin schon unvorstellbare) Meldung kam "Ihr System ist nicht sicher, […]" und nach etwa 24 Stunden Gesamtlaufzeit der erste Blue Screen of Death erschien war meine Entscheidung weg von Windows hin zu Linux zu wechseln wieder mit guten Argumenten untermauert. Solche Probleme hatte ich unter Linux einfach nicht. Außerdem startete und arbeitete Linux um Welten schneller und stabiler als jedes Windows das ich bis dahin kannte (Windows 3.1, NT4, 95, 98, 98SE, ME, 2000, XP, Vista).

Weiter Gründe mit Linux zu arbeiten waren für mich:

  • Kate als Texteditor, welcher über Syntax-Highlighting und Textvervollständigung sowie Tabs und eine Integrierung der Bash verfügte (ich verwende ihn selbst heute noch für mittlere Projekte)
  • Amarok als bis heute bester Audio-Player der mir bekannt ist (es war damals ein riesen Sprung von WinAmp zu Amarok)
  • Kopete als Chat-Protokoll-Musterschüler (unterstützte alle Protokolle die ich verwendete und mehr)
  • KDE allgemein als großartige und hochkonfigurierbare Umgebung
  • Konqueror als Dateimanager der schon damals mit Tabs, Integrierung der Commandline und multimediales Wunder in Erscheinung trat (er war nicht umsonst das Schweizer Taschenmesser unter den Dateimanagern)
  • Konsole mit Bash als mächtigstes Instrument in der *NIX-Welt (gut, der Punkt ist sehr subjektiv)
  • Wine um Windows-Programme zu denen ich keine Alternativen kannte einsetzen zu können (alleine die Idee faszinierte mich)
  • Kaffeine als Video-Player der schon damals in der Version 0.6 mehr Funktionen hatte und stabiler lief als der Windows Media Player
  • Adept und Synaptic als einfache und umfangreiche Paketverwaltungssyteme
  • Die Verfügbarkeit von vielen Programmen die ich schon unter Windows verwendete: OpenOffice.org, Firefox, Thunderbird, VLC und XChat
  • die Freiheit für alle die genannten Programme und für viele andere die Möglichkeit zu haben auch eine Alternative einsetzen zu können
  • und zu guter Letzt: eine großartige Community welche selbstlos und hilfsbereit Neulingen wie mir hilft auch grundlegende Fragen zu verstehen und Probleme zu lösen

Es gab also keine Entschuldigung und keine Motivation mit all diesen Vorteilen, Möglichkeiten und dieser Auswahl jemals wieder zu Windows zurückzukehren welches mit Vista DRM und die Useraccountcontrol einführte und damit nach und nach den Nutzer in seinen Möglichkeiten und in seinen Freiheiten einschränkte.

Zusammenfassend ist also zu sagen: Ursprünglich wollte ich nur eine einfache Plattform um programmieren zu können. Dann wollte ich einfach nur weg von Windows und inzwischen ist Linux für mich ein Lebensgefühl. Die Freiheit die einem die Plattform mit seinem ganzen Ökosystem bietet ist mit nichts zu vergleichen was kommerzielle Systeme ihrem Kunden jemals bieten können (alleine schon deshalb weil es teilweise gegen die Firmeninteressen liefe). Erst seitdem ich Linux verwende weiß ich, was Captian Jack Sparrow gefühlt haben muss als er den in der Überschrift zitierten Satz gesagt hat.

Ein riesiges Dankeschön an alle die mithelfen, dazu beitragen oder einfach nur hinter dem System stehen welches sich so großartig entwickelt und dem scheinbar keine Grenzen gesetzt sind (wir hatten den USB 3.0-Treiber als erster🙂 ).

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This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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