Kile – und ein kleines HowTo für LaTeX-Anfänger [Update]

Februar 21, 2010 um 8:05 pm | Veröffentlicht in GNU/Linux, KDE, LaTeX, Programmieren | 2 Kommentare

[Update] Ich habe den Artikel um ein paar Bilder erweitert welche Kile besser erklären als reiner Text🙂. [/Update]

LaTeX ist für viele Leute ein Buch mit sieben Siegeln. So mächtig dieses System ist so steil ist auch die Lernkurve um wirklich ansprechende Dokumente damit verfassen zu können. Dabei reihen sich enorme Möglichkeiten an einander welche einem mit einer so fein anpassbaren Syntax offen stehen. Aber natürlich gehört auch diese zuerst gelernt. Am aller leichtesten ist der Einstieg aber sicher mit einer Entwicklungsumgebung welche einem schon viele Schritte automatisiert abnimmt, beziehungsweise eine große Anzahl an Funktionen in einer überschaubaren Art und Weise zur Verfügung stellt.

LaTeX auswählen und installieren

Unter Linux gibt es Kile für KDE, und Winefish für GNOME. Des Weiteren gibt es Plugins für gedit, Eclipse und Vim. Die plattformunabhängigen Programme Lyx, Geany und Texmaker beherrschen ebenfalls den Umgang mit LaTeX-Syntax (Liste auf Wikipedia, Liste auf Ubuntuusers.de). Wo es unter Windows normalerweise eine sehr heikle Angelegenheit ist eine LaTeX-Umgebung korrekt aufzusetzen ist dank der Paketverwaltungssysteme unter Linux nur ein sehr kleiner Aufwand nötig um dieses vielseitige Instrument installieren zu können. Es gibt eine Reihe von verschiedenen Distributionen für LaTeX aus denen man wählen kann. Die beliebteste Distribution unter Linux dürfte TeXLive sein. Da ich diese Distribution selbst verwende werde ich mich auch auf die Pakete und die Syntax dieser Distribution beschränken. Obwohl sich die unterschiedlichen Distributionen großteils decken kann es kleine Unterschiede in der Syntax und den vorhandenen Paketen kommen.

Um TeXLive zu installieren gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann in der Paketverwaltung seiner Wahl die Pakete texlive, texlive-latex-extra und texlive-lang-german suchen um eine deutsche Grundinstallation von LaTex zu erhalten:
sudo apt-get install texlive texlive-latex-extra texlive-lang-german
oder einfach das Paket texlive-full installieren um die gesamte Distribution mitsamt aller Pakete zur Verfügung zu haben:
sudo apt-get install texlive-full
Du solltest aber beachten, dass die Installation von texlive-full über 400 MB an Daten herunterlädt und noch etwas mehr dann auf dem Laufwerk auf dem deine Programme normalerweise installiert werden (bei einer Standardinstallation /dev/sda1) einnimmt.

Die Entsprechende Entwicklungsumgebung deiner Wahl darf natürlich auch nicht fehlen. Entweder nimmst du dafür einen Einfachen Texteditor (wobei ohne besondere Unterstützung selbst ein kurzes Dokument eine recht beschwerliche Angelegenheit werden kann) oder du wählst ein extra für LaTeX-Entwicklung geschriebenes Programm. In diesem Beispiel will ich nebenbei Kile vorstellen, welcher mein LaTeX-Editor unter KDE ist. Auch Kile ist in den Quellen der meisten Linux-Distributionen enthalten und kann unter Debian-basierten Systemen mit
sudo apt-get install kile
installiert werden.

Kile

Ein geöffnetes Dokument in Kile

Aber nun ans Eingemachte. Bevor ich die Grundstruktur eines LaTeX-Dokumentes erkläre eine kurze Einführung in Kile. Sobald installiert findet sich Kile unter K-Menü -> Programme -> Büroprogramme wieder (beim alten K-Menü unter K-Menü -> Büroprogramme). Beim ersten Start sollte Kile einen Auswahldialog anbieten welcher den Nutzer nach der Art des zu erstellenden Dokumentes fragt (wenn nicht, einfach unter Datei -> Neu auswählen).

Auswahldialog neuer Dokumente in Kile

Das kann sein ein Buch, ein Brief oder sogar eine Präsentation. Möchte man von Grund auf ein eigenes Dokument erstellen, so kann man auch ein leeres Dokument auswählen. Dieser Dialog bietet auch die Option einen Wizard zur Erstellung des jeweiligen Dokumenttyps aufzurufen. Diese Optionen sind teilweise fortgeschrittener Stoff und sollten am besten selbst erforscht werden, bzw. gibt es im Netz viele Anleitungen um diese Typen korrekt zu erstellen. Ich persönlich beginne ein neues Dokument damit ein leeres Dokument zu erstellen und eine Art Vorlage hinein zu kopieren.

Seitliche Werkzeugleiste in Kile

Aus dem seitlichen Werkzeugkasten kann man Symbole, Skripte und eigene Befehlsabkürzungen auswählen. Das ist sehr praktisch wenn man einen Text schreibt welcher viele z.B. griechische oder mathematische Symbole beinhält.

Um nun Kommandos in den Text zu stellen kann man diese Entweder selbst schreiben oder über den Menüpunkt LaTeX einfügen. Hier kann man mit einem Klick mathematische Formeln erstellen, die Schrift bearbeiten (fett, kursiv, hochgestellt, …) und Bilder einfügen. Doch dazu später mehr. Beginnen wir mit der ersten LaTeX-Datei:

LaTeX verwenden

Das erste was in einem LaTeX-Dokument erwähnt werden muss ist die Klasse des Dokuments. Das bezieht sich auf Attribute wie Größe des Papiers, Art des Dokuments. In diesem Beispiel verwenden wir:
\documentclass[a4paper,oneside,final]{scrartcl}
welches ich selbst für Arbeiten an der Uni verwende.
a4paper deutet darauf hin, dass das Dokument welches wir produzieren wollen der DIN A4 entsprechen soll. oneside steht für einseitigen Druck und final gibt an, dass es sich nicht um einen Entwurf sondern um das endgültige Dokument handelt. Dies alles sind optionale Attribute zur eigentlich verwendeten Klasse, welche dann zum Schluss in den geschwungenen Klammern angegeben wird. In diesem Fall wird mit scrartcl ein Artikel erstellt welcher unter Einbeziehung der KOMA-Script-Pakete besser auf europäische Maßeinheiten und Eigenschaften angepasst ist. Man kann alternativ auch article verwenden wenn man die KOMA-Scripte nicht verwenden will. scrartcl/article sind für kurze Texte gedacht. Möchte man längere Texte erstellen empfiehlt sich die Verwendung entweder von scrreprt/report oder book/scrbook. Für Briefe kann man scrlttr2 und für Präsentationen beamer einsetzen.

Nachdem wir die Art des Dokumentes festgelegt haben können wir verschiedene Pakete einbinden welche und zusätzliche Funktionen bieten und die Handhabung des Textes beeinflussen. Ein Paket bindet man auf folgende Art und Weise ein:
\usepackage[Attribute]{Paket}
Wieder ist der Teil in der eckigen Klammer optional. Es muss nur der Name des Paketes angegeben werden. Hier ein paar praktische Pakete welche man immer wieder brauchen kann in der Syntax zum einbinden:

  • \usepackage[german]{babel}
    aktiviert die Verarbeitung des Dokumentes als deutscher Text. Das kann einen Unterschied machen wenn man z.B. ein automatisiertes Datum verwendet. Andere Optionen wären z.B. english, french oder italian. Man kann auch mehrere Sprachen angeben. Diese werden dann mit einem Beistrich getrennt.
  • \usepackage{url}
    ermöglicht es Web-URLs trotz diverser Sonderzeichen die sonst das Verhalten des LaTeX-Compilers unangenehm beeinflussen in einer geschützten Umgebung anzugeben ohne sich weiter Sorgen um die Verarbeitung machen zu müssen. Eingesetzt wird es so: \url{<URL>}.
  • \usepackage[T1]{fontenc}
    schreibt die Schriftart vor die im Dokument verwendet werden soll.
  • \usepackage[utf8]{inputenc}
    ermöglicht die Verwendung von UTF-8 Schriften und damit eine einfache Art und Weise um Umlaute oder verschiedene andere Sonderzeichen wie das scharfe S einzusetzen.
  • \usepackage{graphicx}
    ist notwendig um Bilder in das Dokument einfügen zu können.
  • \usepackage{eurosym}
    enthält das offizielle Euro-Symbol als Zeichen. Das Symbol kann dann mit \officialeuro eingesetzt werden.
  • \usepackage{amsmath}
    Wer mathematische Formeln einsetzen will wird dieses Paket benötigen.

Anfänger sollten einfach diese Zeilen kopieren und in ihr Dokument einfügen um eine gewissen Grundfunktionalität zu erhalten. Mit zunehmender Erfahrung wird es dann leichter zu unterscheiden welche Pakete benötigt werden oder welche alternativen Pakete und Optionen vielleicht im jeweiligen Fall besser wären.

Das eigentliche Dokument erstellen

Den schweren Teil haben wir damit hinter uns gebracht. Nun noch ein paar Kleinigkeiten und wir können anfangen den eigentlichen Text zu erstellen.

Mit
\title{}
setzen wir den Titel des Dokumentes fest. In die geschwungenen Klammern kommt der Text des Titels. Man beachte: das führt noch nicht zur Ausgabe des Titels. Mit \maketitle kann man nun an jeder Stelle des Dokumentes den Titel einbinden.

Auch
\author{}
wird auf dieselbe Art und Weise eingesetzt und zusammen mit dem Titel angezeigt.

Zu guter letzt kann man mit
\date{}
auch noch ein Datum anzeigen lassen. Soll dies das jeweils aktuelle Datum sein an welchem das Dokument erstellt wurde kann man \today als Inhalt der Klammern verwenden. Je nach Sprache die wir beim Paket babel angegeben haben wird das Datum nun in dem für die Sprache typischen Stil eingesetzt.

Der Befehl
\makeindex
sagt dem Compiler, dass wir eine Indexierung des Dokuments wünschen. Den erstellten Index können wir dann mit \printindex an beliebiger Stelle des Dokuments anzeigen lassen.

Jetzt beginnt das eigentliche Dokument. Innerhalb einer bestimmten Umgebung wird der gesamte Text geschrieben welcher später sichtbar sein soll. Dazu schreibt man
\begin{document}
\end{document}

Diese beiden Befehle sind zwingend für jedes LaTeX-Dokument. Und nur innerhalb dieser zwei Zeilen darf auszugebender Text geschrieben werden.

Das Erste was wir hier machen wollen ist den Titel des Dokuments anzeigen lassen. Ein einfaches
\maketitle
übernimmt den Rest. Voila, wir haben einen wunderschönen professionell aussehenden Titel erzeugt.

Wollen wir ein Inhaltsverzeichnis erstellen so müssen wir nur die Zeile
\tableofcontents
einfügen. Jede Zeile die wir entsprechend kennzeichnen wird in diesem Verzeichnis zusammen mit der Seitennummer aufscheinen. Tipp: verwendet man ein Inhaltsverzeichnis, so empfiehlt es sich den Kompiliervorgang zweimal anzustoßen, weil nach dem ersten Mal die Angabe der Seitennummern noch nicht aktualisiert war.

Strukturierung

Man kann jetzt entweder schon das erste Kapitel beginnen oder mit
\newpage
den folgenden Text auf eine neue Seite verbannen. Dadurch kann man Titel und Inhaltsverzeichnis vom restlichen Text gut trennen.

Kapitel

Verwendet man ein automatisches Inhaltsverzeichnis empfiehlt es sich den Text mit Überschriften zu strukturieren. Diese sind es die dann später im Verzeichnis aufscheinen. Ein Kapitel kennzeichnet man so:
\section{}
In die Klammern kommt der Titel des Kapitels. Unterkapitel und Unterunterkapitel lassen sich mit
\subsection{}
bzw.
\subsubsection{}
kennzeichnen. Soll aus irgendeinem Grund eine Kapitelüberschrift nicht im Inhaltsverzeichnis aufscheinen, so braucht man nur einen Stern hinter den Befehl zustellen:
\section*{}
\subsection*{}
\subsubsection*{}

Nach diesen Überschriften kann man sofort beginnen zu schreiben.

Aufzählung

Eine Aufzählung startet man mit
\begin{itemize}
und sie endet mit
\end{itemize}
Jeder Punkt der Aufzählung wird mit \item begonnen. Danach steht der Text des Aufzählungspunktes. Eckige Klammern nach \item können einen Text beinhalten der statt einem Aufzählungspunkt angezeigt werden soll.

Textformatierung

Um einen Text fett zu schreiben schreibt man ihn in die geschwungenen Klammern des Befehls
\textbf{}
Kursiv wird ein Text durch
\textit{}
Unterstreichen kann man Text mit
\underline{}

Umlaute

Durch die Verwendung des Paketes inputenc mit dem Attribut utf8 ist es möglich Umlaute einfach direkt in den Text zu schreiben. Sollte dies nicht funktionieren oder solltest du lieber ein anderes Paket verwenden welches dies nicht unterstützt, dann kannst du Umlaute und Sonderzeichen folgendermaßen schreiben:

  • ä = \"{a}
  • ö = \"{o}
  • ü = \"{u}
  • Ä = \"{A}
  • Ö = \"{O}
  • Ü = \"{U}
  • ß = \ss

Kompilierung

Soviel zu den grundlegendsten Grundlagen von LaTeX. Hier (du musst die Endung *.png durch die Endung *.tex ersetzen. Durch ein technisches Problem war ich dazu gezwungen die Datei so umzubenennen) kannst du dir ein Beispieldokument mit diesen und vielen mehr Befehlen herunterladen und hier findest du die PDF-Version davon. Das Bild welches in dem Dokument verwendet wird findest du hier.

Nun kannst du (korrekte Syntax vorausgesetzt) das Dokument Kompilieren. Die Compiler findest du unter Erzeugen -> Kompilieren. Abhängig vom Compiler erhältst du dann ein DVI (latex) oder ein PDF (pdflatex) als Endprodukt. Dieses PDF kannst du dir dann mit einem PDF-Reader ansehen. Unter Linux kann ich Okular (KDE) oder Evince (GNOME) empfehlen. Bedenke, dass Bilder oder sonstige Dateien die du in dein Dokument einbinden willst im selben Verzeichnis liegen müssen.

Weitere Ausführungen zur Gestaltung des Textes, zu Referenzen, Quellenangaben und mathematischen Formeln (eine Spezialität von LaTeX) gibt es wenn ich ausgeschlafen bin🙂

Ich hoffe, dass diese Einführung verständlich genug für jede/n ist. Viel Spaß mit der Welt von LaTeX!

Creative Commons License
This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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