DRM – Schutz oder Verlust der Rechte?

März 2, 2010 um 9:00 am | Veröffentlicht in Computer, DRM, Multimedia | Hinterlasse einen Kommentar

Gerade habe ich auf Pro-Linux gelesen, dass die Free Software Foundation (FSF) den 4. Mai zum Tag gegen DRM erklärt hat. Im Artikel The Decade in DRM zeichnet die FSF den Werdegang von DRM und dessen Gegenbewegung an Hand von mehreren wichtigen Ereignissen nach.

Nun kann man mit den puristischen Ansichten Richard Stallmanns (Präsident der FSF) auf Kriegsfuß stehen. Es braucht keine polarisierende Meinung um eine objektive Tatsache feststellen zu können: DRM schränkt den Konsumenten/Nutzer/Kunden ein. Und das meist mehr als nötig oder auf unwirksame aber störende Art und Weise. Zu DRM gehört schon lange nicht mehr nur die Frage ob ein bestimmter Nutzer dazu berechtigt ist die Software/das Video/das Musikstück/etc. zu konsumieren, sondern auch die Art und Weise WIE das geschehen darf. So dürfen DRM-verseuchte (oder -geschützte wie die Industrie es will, für mich ist beides subjektiv) Inhalte und Programme oftmals rein rechtlich gar nicht mehr mit Software konsumiert werden welche nicht den DRM-Bestimmungen folgt. Freie Software, selbst wenn sie es wollte, dürfte diese DRM-Algorithmen jedoch lizenzrechtlich kaum implementieren (siehe DeCSS für verschlüsselte DVDs) wodurch Nutzer von DRM-Inhalten wiederum auf proprietäre Software angewiesen sind.

Ich will mal nicht so weit gehen der RIAA und anderen großen Verbänden welche DRM massiv unterstützen vorwerfen, dass sie Nutzern freier Software die Freude am Leben nehmen wollen indem sie ihnen nicht nur den Zugang (z.B. iTunes von dem es keine Linux-Version gibt) sondern auch die Konsumierung von Musik und Videos rechnisch verwehren. Ich denke es liegt eher an der überragenden Gier von ein paar Wenigen welche sich davon mehr Einkünfte erhoffen. Ich habe aber natürlich keinen Beweis der für oder gegen eine der beiden Haltungen spricht.

Ein Beispiel welches wohl jeden Liebhaber seiner Video-Sammlung nerven wird sind die PUAs (Prohibited User Actions) welche verhindern, dass z.B. während der Selbstdarstellung von Universal oder den Rechtehinweisen am Anfang einer DVD vom Nutzer eine beliebige Aktion ausgeführt wird (z.B. einfaches überspringen des schon 30000 mal gesehenen Textes).

Bei Software sind es instabile Programme, bzw. Programme die erst gar nicht starten oder aus irgendeinem Grund von sich selbst glauben, dass sie nicht korrekt lizenziert wären. AppStores wie der von Apple überzeugen durch Qualität und die Möglichkeit Apples jede bereits gekaufte Software ohne Vorwarnung und ohne Kompensation von deinem iPod/iPhone zu löschen. Auch Amazon hat diese Macht bei seinen eBooks bereits unter Beweis gestellt.

Musik welche aus einem Online-Store kommt möchte man vielleicht auch im Auto hören und müsste deshalb die Lieder auf CD brennen, oder der iPod ist mal wieder kaputt und man möchte auf ein alternatives Gerät ausweichen. Spätestens dann wird der Musikliebhaber zum ersten Mal die schreckliche Macht von DRM zu spüren bekommen. Bereits auf einer CD gekaufte Musik ist dank DRM nicht mehr ganz so leicht auf den eigenen portablen Medienplayer zu bekommen und im schlimmsten Fall bringt es per Rootkit die Firmware der HiFi-Anlage zum Absturz oder nistet sich auf der Festplatte ein und destabilisiert das System. Außerdem ist die Qualität der CDs durch das DRM meist eingeschränkt und die CD lässt sich nicht auf allen Stand-Alone-CD-Playern abspielen.

Kaum eine DRM-Version funktioniert wirklich fehlerfrei oder ohne dass sich besondere Nachteile für den Nutzer (abgesehen von DRM selbst) zeigen. Des weiteren gibt es wie schon erwähnt kaum Linux-Software von den jeweiligen Erzeugern (nicht, dass ich welche haben will), was ein Konsumieren der Inhalte unter Linux zeitweise unmöglich macht. Außerdem hat jede Firma ihr eigenes DRM. Meist sind diese verschiedenen Systeme inkompatibel oder pfuschen sich sogar gegenseitig in die Arbeit. Das kann gewollt sein weil die Firmen ihre Kunden an sich binden wollen oder einfach nur Dummheit.

Es mag schon sein, dass DRM gesetzlich gedeckt ist. Von Fair ist es jedoch weit entfernt. Das letzte Beispiel das mir einfällt in welchem eine Firma versucht hat Menschen dermaßen stark an sich zu binden sind die Arbeiter in den Wienerberger Ziegelwerken in 1895. (Hier wurden die Arbeiter mit firmeneigenem "Geld" bezahlt mit welchem sie nur in Geschäften der Firma einkaufen konnten. Natürlich war hier alles teurer als in anderen Geschäften.)

Alleine schon wegen den unangenehmen Folgen für uns Konsumenten sollten wir, wenn wir auch nicht unbedingt mit Stallmanns Sicht auf unfreie Software übereinstimmen (laut vrms, dem virtuellen Richard M. Stallmann, sind 0,9% der Software auf meinem eigenen Gerät unfrei), so ist der Tag gegen DRM eine Möglichkeit andere auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Je mehr Leute darüber Bescheid wissen, umso mehr wird sich gegen DRM tun und umso schwerer haben es Konzerne solche Maßnahmen zu etablieren. In zwei Monaten ist es soweit. Redet bis dahin mit Familie und Freunden darüber. (Fragt sie zum Beispiel ob sie ihr Auto nur bei einer bestimmten Tankstellenkette auftanken dürfen wollen oder das Auto nur auf Straßen fahren dürfen wollen welche von dieser Tankstellenkette kontrolliert werden. Und ob sie von der Tankstelle ohne ihr Wissen ein Gerät eingebaut bekommen wollen welches regelmäßig an die Tankstelle funkt wo man ist und den Tankdeckel gegen fremdes Benzin verschließt.)

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This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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