Linux und die Politik

März 5, 2010 um 9:45 pm | Veröffentlicht in GNU/Linux, Politik, Vermischtes | Hinterlasse einen Kommentar

Gestern hat Pro-Linux einen Artikel veröffentlicht über eine Nord Koreanische Distribution welche ziemlich offensichtlich die Rechte der Nutzer missachtet und freie Software nicht frei verfügbar macht. Gleich zu Beginn der Diskussion zu diesem Artikel hat der erste Kommentar bei mir einen wunden Punkt getroffen: Die Unterscheidung von Kommunismus und Diktatur.

Einer Anti-Kommunismus-Hysterie der US-Amerikanischen Regierung aus den Nachkriegsjahren folgend, welche in den 60er und 70er-Jahren seinen Höhepunkt erreichte entstand eine Begriffsverzerrung welche sich auf die restliche Welt erstreckte und welche auch heute noch von Leuten die eher weniger Ahnung vom Thema haben fröhlich nachgeplappert wird:

Kommunismus ist ohne Frage so ziemlich das Scheußlichste das in der Geschichte jemals passiert ist.

Dieser Satz oder Abwandlungen davon wird in vielen US-Filmen dieser Zeit verwendet ohne jemals darauf einzugehen was eigentlich die Ziele des Kommunismus sind und ob die als kommunistisch bezeichneten Staaten diese überhaupt anstreben.

Der Kommunismus definiert sich durch das Streben nach einer klassenlosen Gesellschaft in welcher alles im Besitz des Volkes ist. Man kann darüber streiten ob das Verbot von privatem Besitztum nicht etwas zu radikal ist. Im Grunde genommen bedeutet das aber nur, dass das Volk als Ganzes und nicht ein einzelner Befehlshaber entscheidet was zu tun ist. In diesem Kontext ist auch ein anderer Satz zu verstehen, der gerne missinterpretiert wird: Der Kommunismus ist die Diktatur des Volkes. Hier wird gerne im Licht des Wortes "Diktatur" auf den Rest vergessen. "Diktatur des Volkes" bedeutet nichts anderes, als dass im Gegensatz zur Diktatur durch einen einzelnen Herrscher oder eine höhere befehkshabende Gesellschaftsschicht das Volk als Ganzes die Regierung über das Land übernimmt. In anderen Worten: die Diktatur des Volkes ist bei uns besser bekannt als Demokratie. Abgesehen davon, dass die US-Regierung in den schwierigen Zeiten nach einem Börsencrash und einem zweiten Weltkrieg ein Feindbild brauchte um die Bürger von den Problemen innerhalb des Landes abzulenken ist klar, dass die Ideale von allgemeinem Besitz und basisorientierter Regierung dem westlichen kapitalistischem Ideal von viel Geld und Erfolg ein Dorn im Auge waren.

Die Hysterie die dank Hollywood nur noch stärker wurde hat ihre Spuren hinterlassen und auch heute noch gibt es tatsächlich Leute die den Propaganda-Blödsinn immer noch glauben. Dabei ist die Freie Software-Philosophie dem Kommunismus gar nicht einmal so unähnlich. Alle arbeiten gemeinsam daran etwas Großes zu erschaffen und in Gang zu halten. Und dieses Etwas ist wiederum für alle gleichermaßen verfügbar. Ob es sich dabei nun um den Staat und seine Besitztümer handelt oder einen Kernel und die verschiedensten Zusatzprogramme dazu ist vom Grundgedanken her egal. Natürlich braucht der Mensch als Herdentier auch in einer Gemeinschaft die streng nach kommunistischen Regeln lebt eine Führung. Diese ist aber im Ideal vom Volk gewählt und arbeitet für das Volk (etwas das viele Politiker in der westlichen Welt anders sehen).

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Mir ist der Sozialismus (der für mich eine Art Fusion des Kommunismus mit dem Kapitalismus ist) wesentlich lieber als ein vollständig ausgeführter Kommunismus. Dies aber nicht deswegen weil ich vor dem Kommunismus Angst hätte, sondern weil er mir zu radikal ist und der Sozialismus dasselbe bietet samt Selbstverwirklichung mit entsprechender Chance auf Belohnung. Diejenigen die am lautesten ihre Panikbotschaft über den Kommunismus verbreiten sollten sich einmal überlegen ob angesichts von Banken die eine selbst herbeigeführte Krise zu ihrem eigenen finanziellen Vorteil ausnutzen, von Turbokapitalisten die ein florierendes Unternehmen kaufen um es 20% Rendite und totaler Rationalisierung später in Einzelteilen wieder zu verkaufen und von Hedge-Fonds die eine Wette gegen eine Währung abschließen die über 500 Millionen Menschen direkt betrifft nicht ein ernst gemeinter Kommunismus die bessere Wahl zu leben wäre. Hätte ich die Wahl zwischen ausschließlich diesem Kapitalismus und einem ehrlichen Kommunismus, so würde mir die Wahl in keiner Weise schwer fallen.

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This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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