Kate – mehr als nur Einkaufszettel

März 12, 2010 um 10:06 pm | Veröffentlicht in Computer, KDE, Programmieren, Ubuntuusers | 10 Kommentare

Texteditoren sind unter Windows-Nutzern verschrien als einfache Werkzeuge die zu nicht viel taugen. Wenn man sich das Standardprogramm mit dem Windows von Haus aus bestückt ist ansieht kann man dem nur zustimmen:

Ein Texteditor der seit seiner Einführung keine merkbaren Änderungen oder Verbesserungen erfahren hat. Der umgebrochene Zeilen beim Speichern automatisch mit einem harten Zeilenumbruch versieht. Der kein wortweises Löschen unterstützt sondern bei strg+backspace bis zum Zeilenanfang, bzw. bei strg+entf alles was vor bzw. hinter dem Cursor steht löscht. Offenbar wurde der Editor auch mit kaum einer anderen Überlegung geschrieben als als Einkaufszettelschreibprogramm zu dienen.

Aber Texteditoren können mehr. Seit meinem Wechsel zu Linux im Jahre 2005 ist Kate für alle Projekte der Editor meiner Wahl. Er beherrscht:

  • Syntaxhervorhebung (für einen Haufen von Programmier-, Auszeichungs- und sonstigen Computer-Sprachen: C++, C, C#, Java, Delphi, Python, Pascal, Ada, Prolog, Modula-2, CSS, LaTeX, XML, DTD, HTML, PHP, Perl, Makefile, Ruby, Bash, AWK, SQL, Assembler, JavaScript, Lua, R-Script, diff, …)
  • Zeilennummerierung (mit Berücksichtigung von umgebrochenen Zeilen)
  • Text-Vervollständigung (einstellbar, im Standard ab drei Buchstaben)
  • Tabs (alternativ neben oder über/unter dem Textfenster)
  • Automatische Einrückung (C-Style, Python-Style, LISP-Style, Ruby-Style)
  • Verschiedene Textkodierungen (Unicode-8/-16, ISO 8859-1, Schriftsatz speziefische Kodierungen)
  • Das manuelle Erstellen von Modi in denen der Nutzer viele der obigen Eigenschaften zusammenfassen können
  • Automatisches Erkennen der Sprache und entsprechendes automatisches Setzen des Modus
  • Unlimitiert geteilte Fenster
  • Code-Einfaltung
  • Einbindung anderer KParts (zum Beispiel der Konsole)
  • Einbinden von Plug-Ins

Kate gehört zu den Standardprogrammen einer KDE-Installation. Die KPart-Technologie ermöglicht es eine Funktionalitätensammlung zu erstellen die dann von anderen Programmen genutzt werden kann. So kann Konqueror zum Betrachten von Bildern einfach eine Instanz von Gwenview öffnen die die aktuelle Ordneransicht ersetzt (das bedeutet, dass kein neues Programmfenster geöffnet werden muss). Dasselbe gilt für Textdokumente und Kate oder PDFs und Okular/KPDF. Eine Vielzahl anderer KParts ermöglicht massig Möglichkeiten zur Kombination. GNOME-Nutzer kennen eine solche Technologie als Bonobo.

Da die Editor-Komponente von Kate sebst ein KPart ist kann sie in jedes andere Programm eingebunden werden. Kile (LaTeX-Editor) macht davon Gebrauch. Da diese Auflistung aber natürlich nur nach einem Schwanzlängenvergleich mit dem offensichtlich schwächeren Texteditor aussehen kann will ich hier die Nützlichkeit dieser Funktionen demonstrieren:

Kate in Action
Abb. 1: Kate in Action

In diesem Bild kann man bereits mehrere der oben genannten Funktionen erkennen:

  • Zum ersten die Aufteilung des Editorfensters in beliebig viele Unterfenster (in diesem Fall 4) mit unabhängiger Anzeige.
  • In jedem dieser Fenster ist eine Quelldatei in einer anderen Programmiersprache mit jeweiliger Syntaxhervorhebung zu sehen (in westlicher Leserichtung: C++, Java, Ruby, Python; die Dateien in Ruby und Python sind nicht von mir sondern von zwei KIs aus dem ersten KI-Wettbewerb des freiesMagazin welche man hier herunterladen kann (Eitel(Ruby), Golemo(Python)) ).
  • Weiters sieht man links die seitliche Tab-Anzeige. Zuletzt angesehene Dateien werden farblich hinterlegt und blassen mit der Zeit (mit Zugriffen auf andere Dateien) aus. Dadurch erkennt man leichter "wo war nochmal die Funktion foo()?" wenn man soviele Dateien geöffnet hat wie abgebildet.
  • Die beiden oberen Dateien sind im Einrückungsmodus "C-Style geschrieben"
  • Die Zeilennummerierungen welche umgefalteten Zeilen folgen kann man im Java-Fenster sehr gut erkennen.
  • Die gelben Balken in jedem Fenster sind zum Einklappen von Funktionen, bzw. Geltungsbereichen geeignet. Die Dreiecke zeigen an wo eine Funktion eingeklappt werden kann. Je dünkler der Balken desto tiefer die Ebene.
  • Im unteren Bereich ist die eingebundene Konsole zu sehen welche man verwenden kann um zu testen ob das Programm einwandfrei kompiliert (oder alles andere, es handelt sich um ein vollwertiges Terminal).

Sprachunterstützung in Kate
Abb.2 Sprachunterstützung in Kate

Das zweite Bild zeigt eine Auswahl der Modi für die Syntaxhervorhebung. Das geöffnete Menü zeigt die verfügbaren Modi für kompilierbare Sprachen. Hier wird sicherlich jede/r ProgrammiererIn seine/ihre Lieblingssprache finden. Skriptsprachen und Markup-Sprachen sind in separaten Menüpunkten (rechts vom großen Menü) zu finden.

Die großen Symbole sind übrigens nicht Teil der Standardkonfiguration sondern nur mein persönlicher Geschmack. Selbstverständlich lassen sich die Symbole auch mit Text versehen und in der Größe nach unten und oben anpassen. Alles in allem: den Zweiflern sei gesagt, dass Kate ein Projekt ist welches mit den Bedürfnissen seiner Nutzer gewachsen ist (wie so ziemlich jedes Open Source Projekt) und deshalb eine enorm große Palette an Funktionalität anbieten kann. Dabei finden sich hier keine Funktionen mit abstraktem Wert (schön, dass sie da ist, benutzt nur keiner) sondern ausschließlich solche die den Arbeitsablauf verbessern und erleichtern.

Texteditoren sind nicht nur zum Einkaufszettel schreiben fähig. Obwohl Kate das natürlich auch kann. Optional mit Zutatenhervorhebung.

Creative Commons License
This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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10 Kommentare »

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  1. Wie nenn sich das verwendete Theme für die Fensterdeko und den Fensterinhalt und is es auch unter KDE 4.4 verfügbar?

    • Das Theme ist das Standardtheme von KDE4.4. Ich habe es nur im Farbton ein wenig angepasst. Ab 4.4 kann KWin ganze Fenster als Tabs verwalten wie man es von Google Chrome kennt, nur dass es sich eben nicht nur um Webseiten handelt sondern um ganze Programme.

      • Aber wie ist es dann möglich das fu im Fenster nu einen Tab hast?

        • Jedes Fenster ist automatisch ein Tab. Wenn du ein anderes Programm zu dieser Gruppe hinzufügst wird es als zweiter Tab hinzugefügt.

  2. Das verstehe ich, aber wie stellst du an das die Femsterleiste einen anderen Blauton hat und nur der Fenstername wirkt als wäre er der Registerkartenbezeichner?

    • Der Blauton der Fensterleiste ist Standard. Den habe ich nicht angepasst. Ich habe nur das Grau der Fensteroberfläche in ein Graublau umgewandelt:

      Systemeinstellungen (normalerweise zu finden unter K-Menü -> Favoriten) -> Erscheinungsbild -> Farben -> Farbauswahl.
      Hier habe ich die Punkte

      • Allgemeiner Hintergrund
      • Fenster-Hintergrund
      • Knopf-Hintergrund

      nach meinem Geschmack verändert.

      Die Dekoration kannst du mit

      • Dekoration (Fokussiertes Element)
      • Dekoration (Hover; Überfahren mit der Maus)

      anpassen.

  3. gibt es eigentlich auch ein brauchbares compare-plugin, mit dem man z.b. files in 2 tabs nebeneinander vergleichen kann?

    • Ein Plug-In dafür habe ich nicht gesehen. Aber durch die Möglichkeit das Editorfenster zu teilen und in jedem Fenster eine andere Datei anzeigen zu lassen sollte das kein Problem sein.

  4. […] Hier habe ich bereits meine Ode an Kate verfasst, den ich als einfachen Texteditor dank seiner Fähigkeiten für einen fast vollständigen Ersatz einer Programmierumgebung halte. In Punkto unterstützte Sprachen schlägt er die meisten IDEs sogar um Längen. Ein weiteres KDE-Standardprogramm. […]

  5. […] Wie es der Zufall will habe ich vor nicht ganz einer Stunde in den Statistiken meines Blogs gewühlt. Dabei habe ich entdeckt, dass der erste Geburtstag des Morgenblog im Uni-Stress ganz untergegangen ist. Der erste Artikel erschien am 20.11.2009 und behandelte die Blogingsoftware Blogilo (damals noch Bilbo Blogger), mit der ich auch heute noch meine Artikel schreibe. Den ersten Artikel für den UU-Planeten habe ich am 06.03.2010 veröffentlicht. Gut, es war nur ein "Hallo, da bin ich". Der erste Artikel mit Substanz kam knapp eine Woche später und behandelte recht ausführlich den damaligen Stand des KDE-Standardtexteditors Kate. […]


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