ein kleines HowTo für LaTeX-Anfänger – Zitate und Literaturverzeichnis

März 22, 2010 um 10:34 am | Veröffentlicht in LaTeX, Programmieren, Ubuntuusers | 13 Kommentare

Nicht jeder verwendet LaTeX so wie ich auch für niedere Dienste wie Einkaufszettel. Der natürliche Lebensraum eines gesunden LaTeX-Dokumentes welches in der Blüte seiner Jahre nach kurzer Verpuppung aus dem TeX-Container als wunderschöne PDF-Datei hervorbricht ist die wissenschaftliche Arbeit. Und sofern die Arbeit nicht ausschließlich von Erkenntnissen handelt die der/die Schreiber in Experimenten erhalten haben muss korrekt zitiert und verwiesen werden. Manche Style-Dokumente beinhalten bereits eine Gruppe von vorgefertigten Befehlen mit denen solche Angaben ziemlich automatisch in einem bestimmten Stil erstellt werden können. Da es davon jedoch sehr viele gibt und diese im allgemeinen recht gut dokumentiert sind werde ich mich hier nur um die manuelle Erstellung von Literaturverzeichnissen kümmern.

Grundsätzlich sollte man so vorgehen:

  1. Das Werk aus dem man zitieren möchte in das Literaturverzeichnis schreiben.
  2. Mit dem Schlüssel aus dem Literaturverzeichnisses die Zitierung im Text einfügen.

Erstellung des Literaturverzeichnisses

Die Quellenangabe kommt im LaTeX-Dokument ganz zum Schluss. Direkt vor das

\end{document}

und sieht so aus:

\begin{thebibliography}{999}
\bibitem {Zitat01} Zitate leicht gemacht
\bibitem [Wiki10] {UndNochEinZitat} \url{www.wikipedia.org}, Zugriff 22.03.2010
\end{thebibliography}

Wieder erkennt man die typische LaTeX-Umgebung welche mit dem Befehl \begin beginnt und mit dem Befehl \end endet. Um eine Quellenangaben-Umgebung zu schaffen wird thebibliography verwendet. Der zweite Wert „999“ bezieht sich auf die maximale Breite der Label. Seit jeher verwende ich 999 um keine Probleme zu erhalten, man kann den Wert aber natürlich anpassen wie man ihn braucht.

Der erste gezeigte Eintrag stellt das Minimum dar mit dem man ein Literaturverzeichnis erstellen kann. Der Befehl \bibitem erzeugt einen neuen Eintrag im Literaturverzeichnis. In den geschwungenen Klammern steht der Schlüssel mit dem man später das Zitat im Text identifiziert. Dieser Schlüssel kann irgendetwas sein da er im fertigen Dokument nicht angezeigt wird. Diese Variante wird automatisch durchnummeriert.

Um einen bestimmten Text statt einer Nummer zu erhalten muss man in eckigen Klammern wie im zweiten Eintrag gezeigt ein Label eintragen. Damit wird dieses Label bei der Zitierung angegeben.

Für den Befehl \url{} benötigt man noch das Paket „url“ oder das Paket „hyperref„. (Letzters macht die URL klickbar.)

So sieht der obige Code als PDF aus:

Literaturverzeichnis in LaTeX

Der Titel des Literaturverzeichnisses wird je nach der angegebenen Sprache beim Einbinden des Paketes babel übersetzt.

Zitieren

Nun haben wir unser Literaturverzeichnis erstellt und können munter beginnen zu zitieren. Zum Zitieren braucht man keine bestimmte Umgebung sondern kann das Zitat direkt in den Text schreiben. Das funktioniert so:

So zitiert man in \LaTeX{} \cite{Zitat01}\\
Und nochmal
\cite{UndNochEinZitat}

Der Befehl \cite fügt die Zitierung ein. Abhängig davon ob im Literaturverzeichnis ein Label angegeben wurde wird dieses oder die fortlaufende Nummer eingefügt. Im ersten Satz habe ich die erste Quelle aus dem Literaturverzeichnis verwendet, im zweiten Satz die Zweite. Das Ganze sieht als PDF so aus:

Zitierungen in LaTeX

Ich merke noch einmal an: Der Schlüssel (z.B. Zitat01 oder UndNochEinZitat) wird nur innerhalb des Dokumentes verwendet. Bei einer Zitierung eines des Eintrages im Literaturverzeichnisses wird entweder die dem Eintrag automatisch zugewiesene Laufnummer angezeigt oder der Text eines Labels (z.B. Wiki10) falls man dieses angegeben hat. Um Verwirrungen zu vermeiden sollten diese beiden Systeme jedoch nicht gemischt werden. Professionelle Literaturangaben sehen natürlich anders aus und beinhalten wesentlich mehr Informationen zum zitierten Werk. Je nach euren Vorgaben müsst ihr dies anpassen.

Creative Commons License
This work by Stefan Ohri is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Austria License

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13 Kommentare »

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  1. Benutzt du ein Tool zur Unterstützung od. schreibst du selbst die tex Files?

    Ich habe für meine damalige Arbeit Kile benutzt, gibt es gleichwertige alternativen?

    Danke

    • Da es schon der dritte Artikel zu LaTeX ist habe ich es nicht extra erwähnt. Ich verwende Kile als Entwicklungsumgebung und die livetex-Distribution. Auf meiner Suche nach einem vernünftigen Editor habe ich mehrere Editoren ausprobiert und bin letztlich bei Kile gelandet weil es einfach zu bedienen, alle Vornehmlichkeiten von Kate und einen hohen Grad an Automation zur Verfügung stellt.
      Grundsätzlich gibt es ein paar Alternativen wie Lyx (LaTeX-Editor), Gedit, Vim und Emacs (jeweils mit LaTeX-PlugIn). In den Quellen der meisten Linux-Distributionen gibt es einen kleinen Haufen von diesen Werkzeugen. Nur hat Kile eben alles was ich mir erwarte (Syntax-Highlighting, Code-Vervollständigun, direktes Kompilieren in PDF/DVI/PS/… und Betrachten desselben, …).

      • Hallo,

        > Syntax-Highlighting, Code-Vervollständigun, direktes Kompilieren in PDF/DVI/PS/… und Betrachten desselben

        Vim kann das auch alles🙂 (neben Code-Vervollständigung auch noch Wort, Zeilen und Dateivervollständigung).
        Übrigens bin ich dazu übergegangen alles nur noch mit pdflatex direkt nach pdf umzuwandeln. Man hat mehr Bildformate zur Verfügung und braucht keinen Zwischenschritt. (Man kann jedes Vektorformat ohne Qualitätsverluste nach pdf konvertieren, aber nicht immer nach ps/eps.)

        Wie meine Vorredner finde ich es sinnvoller, sich ein BibTeX-File mit seinen Quellen anzulegen. Neben der erweiterten Möglichkeiten ist es auch praktisch, wenn man oft gleiche oder ähnliche Quellen nutzt. Auf Dauer kann das jede Menge Arbeit sparen.

        Noch ein Tipp: Möchte man die Überschrift des Literaturverzeichnisses ändern (z.B. zu „Quellenverzeichnis“) kann man das mit folgendem Befehl machen (einfach in die Zeile vor thebibliography schreiben):
        \renewcommand\refname{Quellenverzeichnis}

        Viele Grüße,
        zimon

        • Für Fortgeschrittene auf jeden Fall gute Tipps. Danke!

  2. Wer das ernsthaft verwenden will, sollte eine bib-Datenbank verwenden (und die mit jabref oder auch bibsonomy.org pflegen) sowie biblatex als modernste Technologie für die Erstellung des Verzeichnisses und der Verweise. Da bleibt dann nicht mehr viel von Deinem Blogeintrag übrig.
    PS: Was Du verwendest ist sehr wahrscheinlich TeXLive und nicht livetex.😉

    • Hallo kwoid!

      Natürlich hast du Recht, es heißt TeXLive. Werde ich sofort ändern.
      Zu den mächtigeren und damit etwas aufwändigeren Möglichkeiten die du ansprichst kann ich nur sagen: der Artikel richtet sich an Anfänger (zu denen ich mich trotz inzwischen zwei Jahren Tätigkeit mit LaTeX immer noch zähle). Wenn ich mich mit weiteren Technologien einmal auskenne werde ich vielleicht versuchen diese in einfacher Weise niederzuschreiben, sodass auch Anfänger damit arbeiten können.

  3. Ich weiß ja nicht, wie es in anderen Disziplinen aussieht, aber als Geistes- und Sozialwissenschaftler würde ich nie mehr ohne biblatex arbeiten wollen. Im Gegensatz zu plain-bibtex ist das einfach wesentlich komfortabler und mächtiger.

    Hübsch ist übrigens auch csquotes, mit dem man gleich Zitate samt Quellenangabe definieren kann. Dort werden dann z.B. längere Zitate automatisch abgesetzt.

    • Hallo Frederik!

      Natürlich gibt es wesentlich mächtigere Möglichkeiten in LaTeX bestimmte Aufgaben zu lösen als die Standardtools. Ich selbst lerne ja LaTeX auch immer noch und bin nicht mit allen Funktionen und Packages vertraut. Das braucht sicher mindestens so lange wie den Überblick über Java zu bekommen. Deine Vorschläge sind interessant und ich werde sie mir (wenn ich die Zeit finde was Neues auszuprobieren) ansehen.

      Den Artikel habe ich übrigens, wie in der Überschrift angedeutet, für Anfänger geschrieben. Deshalb werde ich vorerst nur die einfacheren Befehle vorstellen.

  4. Hallo,
    ich hab ein kleines Problem mit meiner Literaturliste. Ich hab in meinem Text nicht Zitiert, möchte aber trotzdem verschiedene Werke als Quelle angeben. Ich nutze BibDesk um das *.bib-File zu erstellen, aber ich bekomme (natürlich) den Fehler:I found no \citation commands—while reading file template.aux
    Kann man das irgendwie anders lösen?

  5. […] Erfahrungen mit LaTeX niederschreibe. Ursprünglich sollte das Thema, passend zu meinem Artikel Zitate und Literaturverzeichnis mit BibTex zu tun haben. Da das Thema aber recht umfangreich ist wollte ich hierfür auch eine […]

  6. Könntest Du bitte die deutsche Zeichensetzung (Kommata) verwenden? Dann lassen sich Deine Texte um einiges besser lesen!

  7. um /url{} benutzen zu können muss \usepackage{url} eingebunden sein. Ansonsten gibt es einen ‚Undefined control sequence‘ – Fehler.

    • Stimmt, habe ich übersehen. Ist ergänzt.


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