MS EULA unter Ubuntu? Ein Workaround

Dezember 8, 2010 um 2:36 pm | Veröffentlicht in Computer, GNU/Linux, Microsoft, Ubuntuusers | 6 Kommentare

Fünf lange Jahre sind vergangen seit ich mich aus dem rostigen Käfig meines Windows XP in die Freiheit die man Linux nennt begeben habe. Seitdem hatte ich mit Endnutzer-Lizenzvereinbarungen kaum etwas zu tun. Solange Java noch nicht geöffnet war musst eine Lizenz akzeptiert werden und auch OpenTTD wies darauf hin, dass man im Besitz des Originalspiels sein musste, da technische Abhängigkeiten zu ein paar der originalen Grafikdateien bestanden. Die EULAs, die in diversen virtuellen Maschinen weggeklickt werden mussten, oder die manchmal von in wine installierten Programmen angezeigt wurden sind meiner Ansicht nach vernachlässigbar.

Heute habe ich jedoch nicht schlecht gestaunt, als mir bei einem einfachen System-Update bei dem auch das Paket ttf-mscorefonts-installer aktualisiert wurde plötzlich diese EULA der relativ unbekannten Firma "Microsoft" angezeigt wurde:

MS EULA auf Ubuntu
Klick auf den Ausschnitt um das ganze Bild zu sehen.

Nun ist es selbstverständlich Microsofts gutes Recht eine solche Lizenzvereinbarung vorzugeben wenn man ihre Software benutzen möchte. Wenn. Ein ’no‘ und ein im Terminal eingegebenes

sudo apt-get purge ttf-mscorefonts-installer

später erkennt man, dass das Paket, welches zwar als Abhängigkeit (lt. Synaptic) von wine1.*, *ubuntu-restricted-extras und openoffice.org, um nur ein paar zu nennen, installiert wird, keinen weiteren Nutzen mit sich bringt. So ist es eben 1.) nur ein Installer und 2.) installiert es nur einen kleinen Haufen Schriftarten von denen die Wichtigsten ein Gegenstück im Paket ttf-liberation finden (z.B.: Arial, Times und Courier).

Natürlich bleibt Jedem die Freiheit diese EULA zu akzeptieren und unbeschwert das eigene Leben fortzusetzen. Den Anderen schlage ich vor einfach die oben beschriebenen Schritte durchzugehen.

[UPDATE]

Nachdem mich ein Kommentar darauf aufmerksam gemacht hat, dass durch das Verzichten auf die bei den mscorefonts enthaltenen Schriftarten Kompatibilitätsprobleme mit anderen Nutzern/Programmen auftreten können die z.B. auf Windows laufen, habe ich mir überlegt, dass die Schriftarten ja auch anders zu bekommen sein müssen. Die EULA muss nämlich nicht für die Schriftarten akzeptiert werden, sondern für den Installer. Die Verwendung der Schriftarten ist jedoch für jeden frei:

These fonts were provided by Microsoft "in the interest of cross-platform compatibility". This is no longer the case, but they are still available from third parties.
You are free to download these fonts and use them for your own use, but you may not redistribute them in modified form, including changes to the file name or packaging format.
Auszug aus dem Text des Install-Skripts.

Mit dem Befehl

apt-get source ttf-mscorefonts-installer

laden wir uns das Install-Skript herunter. Dabei wird es gleich entpackt und wir wechseln mit

cd msttcorefonts-3.2ubuntu2

in das neu erstellte Verzeichnis. Abhängig von der aktuellsten Version des Installers kann dieses Verzeichnis anders heißen. Hier finden wir die Datei update-ms-fonts welche die Schriftarten herunterlädt. Da die Datei unter der GPLv2 steht darf sie verändert und so weiterverbreitet werden. Die Datei löscht nämlich die Schriftarten sofort, wenn irgendetwas schief läuft. Wir wollen sie aber nur als Downloader verwenden, um die Installation kümmern wir uns selbst. Dazu müssen wir die Datei mit einem Editor öffnen.

Nahezu am Ende der Datei steht folgender Eintrag:

rm -rf $SCRATCHDIR

Dieser Befehl löscht nach Ablauf des Skriptes den Ordner mitsamt der Schriftdateien. Deshalb stellen wir ein # an den Anfang der Zeile, sodass sie danach so aussieht:

#rm -rf $SCRATCHDIR

Das verhindert die Auführung des Befehls, sprich: die Dateien bleiben nach Ablauf des Skripts erhalten. Am Besten schreibt man danach noch diesen Befehl in das Skript:

echo "SCRATCHDIR: "$SCRATCHDIR

Dieser Befehl gibt das Verzeichnis aus in welches die Schriftdateien heruntergeladen wurden. Jetzt speichern wir die Datei und führen sie in einem Terminal aus:

./update-ms-fonts

Gegen Ende des Skriptes kommt dann in etwa folgende Ausgabe:

SCRATCHDIR: /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt

der Teil /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt ist dann unser gesuchter Ordner und wir wechseln mit

cd /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt

in denselben. Hier finden wir einen Haufen von *.exe-Dateien welche wir mit

cp *.exe <IrgendeinVerzeichnis>

in einen Ordner unserer Wahl kopieren. (Z.B. das Download-Verzeichnis im /home-Ordner.) Hier rufen wir das Programm cabextract auf:

cabextract *.exe

welches uns die ‚.exe-Dateien entpackt und die eigenlichen Schriftdateien preis gibt. Wenn es noch nicht installiert ist, kann cabextract ganz einfach mit

sudo apt-get install cabextract

oder über Synaptic installiert werden. Als Letztes führen wir noch folgenden Befehl aus um die Rechte der Dateien zu korrigieren:

chmod 644 *.ttf *.TTF

Nun können wir die Schriftarten ins System einbinden. Unter KDE funktioniert dies in folgender Weise: alt+F2 drücken, systemsettings eingeben und mit <Enter> bestätigen. Im neuen Fenster ganz unten, im Abschnitt Systemverwaltung, findet sich der Punkt Schriftarteninstallation. Diesen öffnen wir.

Daraufhin verändert sich das Fenster und wieder ganz unten finden wir eine Schaltfläche Hinzufügen auf welche wir klicken. Daraufhin öffnet sich ein Dialog welcher uns fragt in welchem Verzeichnis die Schriftdateien liegen die wir installieren wollen. Hier suchen wir uns den Ordner in welchen wir zuvor die *.exe-Dateien kopiert und entpackt haben. In dem Ordner werden uns ein Haufen *.TTF-Dateien angezeigt. Wir markieren all die Dateien die wir installieren möchten und klicken auf Öffnen. Dann werden wir noch gefragt, ob die Schriften nur für diesen Nutzer, oder systemweit installiert werden sollen. Wenn es keinen Grund dagegen gibt empfehle ich, die Schriftarten systemweit zu installieren.

Eventuell ist die eine oder andere Schrift bereits installiert, dann kann man einfach auf überspringen klicken, sofern ein solcher Dialog bei der Installation angezeigt wird.

Voila, die Schriftarten sind installiert ohne die EULA akzeptiert oder irgendetwas Illegales getan zu haben. Danke GPL!

[/UPDATE]

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6 Kommentare »

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  1. Es geht auch anders: In „synaptic“ unter Einstellungen das Häkchen „Empfohlene Pakete wie Abhängigkeiten installieren“ (oder so ähnlich) wegmachen. Dann installiert weder „wine“ und schon gar nicht „OOo“ die gruseligen MS Fonts.

    Überhaupt empfiehlt sich diese Grundkonfigutation von „saynaptic“ unter Ubuntu. Sonst holt man sich m.E. viel Ballast auf die Platte.
    Übrigens: Mit einem Rechtsklick auf ein Paket kann man die empfohlenen Pakete abrufen und ggf. installieren.

    Auf diese Weise erhält man ein sehr schlankes system.

    Jo

    • Guter Hinweis, muss ich mir merken.

  2. …und das von jemandem, der Trebuchet MS und Times New Roman im .css stehen hat.

    Wichtigster Punkt, der leider gegen das Purgen oder sagen wir mal gegen das nicht ins System Bringen besagter Fonts spricht: Dokumentenaustausch. Da kann es so schon genug Probleme geben, selbst bei OOo/Or. OOo/Ubuntu.

    • Das .css kommt mit dem Theme. Vielleicht wird es Zeit sich wieder ein neues Theme zu suchen und dabei auf die Verwendung von freien Schriftarten zu schauen🙂

      Die Kompatibilität ist natürlich ein Problem. Aber dieses Problem besteht ja nicht nur von Linux -> Windows. Wenn ein Windows-Nutzer mir eine .docx schickt mit Schriftarten die bei mir nicht installiert sind, haben wir denselben Salat. Natürlich hilft es nichts, wenn ich jetzt absichtlich auf Times usw. verzichte und damit die Kompatibilität einschränke. Deshalb sollten sich bei einem solchen Dateiaustausch beide Seiten auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Die Schriftart gehört hier selbstverständlich dazu.

      Weniger problematisch ist es natürlich, wenn am Schluss dann eine Person für die Formatierung sorgt, aber das kommt wohl außerhalb des akademischen Rahmens selten vor.

  3. Das man nach Jahren jetzt auf einmal eine EULA unterzeichen soll ist schon komisch…

    Aber: Die Liberation-Schriften sind nicht unbedingt ein adequater Ersatz für die drei „Standardschriften“, genauso wenig wie Bitsream Vera Sans mit Verdana vergleichbar ist (im Gegensatz zu z.B. Lucida Sans).

    • Die Liberation-Schriftarten sind zumindest mal ein guter Ansatz. Wenn es nicht unbedingt notwendig ist mit den „Standard“-Schriftarten zu arbeiten sehe ich kein Problem eine eigene Schriftart zu verwenden.


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