Internetkultur

Mai 31, 2011 um 3:50 pm | Veröffentlicht in Internet, Vermischtes | Hinterlasse einen Kommentar

Jede neue Kommunikationsform, welche über das Gespräch von Angesicht zu Angesicht hinausging, hat neue Arten und "Unarten" an Hilfsmittel hervorgebracht. Letzteres natürlich immer im Auge des Betrachters. War es beim papierenen Brief zum Einen die Möglichkeit mehrere Entwürfe zu verfassen bis die richtige Version gefunden war und zum Anderen die Gefahr, dass die Kommunikation zwischen zwei "Geprächs"partnern abgefangen und manipuliert werden konnte, so ergaben sich durch das Telefon neben kürzere Antwortzeiten auch potentielle ungebetene Mithöhrer.

Internet

Beim Internet schließlich war am Anfang das Austauschen von wissenschaftlicher Information und das Erhalten der US-militärischen Kommandokette dem findigen Hacker, der überall eindringen konnte gegenübergestellt. Neben weiteren technischen Fortschritten über die Zeit ergaben sich auch Möglichkeiten die Eigenschaften des Netzes auszunutzen. So ist es möglich illegales Material in elektronischer Form über den Globus zu verteilen (sei es nun eine Anleitung zum Bombenbasteln, Kinderpornos oder Geheimakten). Auch kann man massenhaft falsche Information generieren und mit etwas HTML- und CSS-Kenntnissen seriös wirken lassen (z.B. der MS Firefox, ein Satireprodukt; inzwischen offline). Cybermobbing ist eine neue Stufe der Verleumdung und Google, Facebook und Co. machen es leicht zuviel über sich selbst zu verraten. Von Spam, PopUps und Werbebannern wollen wir mal gar nicht reden.

UseNet

Die ursprüngliche Diskussionsecke, das Ur-Forum, das erste "Netzwerk" zwischen Privatpersonen überhaupt war jedoch das UseNet. Mit wachsender Nutzerzahl kamen zu ernsthaften Diskussionen Zwischen Menschen mit ähnlichen Interessen Spambeiträge, Nonsensethreads und eine allgemeine Überschwemmung mit DAUs, welche nichts von Netiquette wussten und/oder davon hielten (siehe Eternal September).

Eine weitere sprachliche Entwicklung die das Internet betrifft ist das Verwenden von Abkürzungen oder Abwandlungen von Wörtern mit teilweise sehr eingeschränkter oder stark verallgemeinerter Bedeutung. Dazu gehören z.B. imho, lol, rofl, warez, luserz, i can has … ? usw. Eine Ausprägung dieser Entwicklung ist die Programmiersprache LOLCODE. Über den Unterschied zwischen sprachlicher Entwicklung und Sprachverfall kann man bei diesen Beispielen vermutlich endlos diskutieren.

Ein Beispiel möchte ich besonders herauspicken und beleuchten, da mir seine Verwendung besonders widerstrebt:

Haterz gonna hate

Diese Formulierung ist besonders perfide, da sie automatisch jede Person, welcher das Vorgestellte nicht gefällt als "Hater" abstempelt, also als eine Person die immer etwas auszusetzen hat, der man es nicht Recht machen kann und deren Meinung man deswegen erst gar nicht beachten muss. Mit einem einzelnen Satz verwandelt sich somit jeder Nonsense in ein Kunstwerk, da niemand, dessen Meinung zählt, etwas daran auszusetzen hat. Qualität und Sinnhaftigkeit des Gezeigten werde erst gar nicht in Frage gestellt sondern sind von vornherein festgelegt. Neben der suggestiven Kraft des Satzes gibt es hier noch eine weiterere Wirkung: Jede Person welche sich traut ein eigenes Urteil über das Gesehene zu fällen (, in diesem Fall fällt ein solches Urteil zumeist schlechter aus als von der herzeigenden Person beabsichtigt,) wird von vornherein als Hater beschimpft. Für mich verliert etwas (zumeist ein Bild oder ein Video) bei welchem dieser Satz in (zumeist) großen Lettern prominent zum Einsatz kommt sofort mehrere Level an subjektiv wahrgenommener Qualität, bis zu dem Punkt an dem ein weiteres Auseinandersetzen mit dem Objekt aus Prinzip nicht mehr infrage kommt. Ich würde ja auch nicht mehr in ein FastFood-Lokal zurückkehren in welchem man mich mit einem anderen Wort für Vegetarier "beleidigt" hat, bloß weil ich keinen BigMac essen wollte.

Aus dem obigen schlussfolgere ich: Ein Autor/Produzent welcher diesen Satz prominent zusammen mit seinem Werk veröffentlicht zielt auf ein Publikum ab welches entweder geistig minderbemittelt ist (also eventuell des Gezeigten nur auf Grund des Satzes zustimmt) oder sich keinen Protest zu Äußern traut ab. Die Tatsache, dass diese Person aus diesem eingeschränkten Personenkreis versucht Anerkennung und Befriedigung des (allen Menschen anhaftenden) Geltungsbedürfnisses zu ziehen sagt meiner Ansicht nach viel über das Niveau dieser Person aus.

Lustige oder sogar intelligente Neuschaffungen von Worten und Begriffen mit teilweise auch einfach nur sinnfreien Bedeutungen sind teil unserer Entwicklung und nichts über das man groß diskutieren muss. Sobald es aber an die persönliche Würde oder die persönlichen Freiheiten geht sagen zum Glück sogar manche Gesetze: Hier ist Schluss.

Deshalb hier meine Bitte an dich: Vermeide die Verwendung des hier vorgestellten Satzes. Mache das Internet zu einem besseren Ort, in dem natürlich Veränderungen stattfinden dürfen.

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