Schuld ist immer der Moslem – oder nicht?

Juli 28, 2011 um 12:02 pm | Veröffentlicht in Politik | 11 Kommentare

Es gibt da ein Thema, das mich seit dem Beginn beschäftigt/nervt/ärgert. Es geht dabei um das Wort Islamist. Es bezeichnet, im allgemeinen Gebrauch einen Attentäter/Terrorist/Mörder mit islamischem Hintergrund. Ob dieser Hintergrund eine große Rolle bei den Taten der Person spielt wird nicht näher betrachtet. Dieses Verhalten geht Hand in Hand mit der Gewohnheit der Medien die Konfession eines Täters nur dann anzugeben wenn er Moslem ist. Ist ein Einbrecher/Schläger/Dieb/Mörder Christ, so wird das in keiner Zeile erwähnt. Warum? Die Antwort ist einfach: es ist unwichtig. Genauso unwichtig ist es auch, ob die Person nun Buddhist, Moslem, Shintoist oder Atheist ist.

Ich fordere deswegen die Medien und alle irgendwo noch klar und selbst denkenden Menschen (die beiden Mengen überschneiden sich scheinbar nicht sehr oft) auf eine von zwei Möglichkeiten zu wählen um der sehr einseitigen Berichterstattung und der öffentlichen Meinung ein ausgleichendes Element zu geben:
Entweder

  1. hört auf den Begriff Islamist zu verwenden und macht auf den islamischen Hintergrund nur aufmerksam, wenn es sich um ein wichtiges Detail handelt oder
  2. führt Begriffe für alle anderen Konfessionen ein und verwendet diese relativ zum Wort Islamist.

Zum 2. Punkt habe ich ein paar Vorschläge:

  • Christist
  • Katholizist
  • Evangelist
  • Buddhistist
  • Atheistist

Hört sich bescheuert an stimmts? Genauso bescheuer wie sich Islamist am Anfang der Berichterstattung angehört hat. Durch die häufige Verwendung sind wir diesen Begriff nun gewohnt.

Ich bitte darum, mich nicht falsch zu verstehen. Ich bin kein religöser Mensch, sondern würde mich eher als Atheisten bezeichnen. Für mich ist jede Instrumentalisierung des Glaubens, sei es durch eine Kirche, eine Sekte, einen Mullah oder sonstwen, eine Unterdrückung des Gläubigen. Auch versuche ich nicht Partei für den Islam zu ergreifen. Der Islam ist bei weitem keine Religion welche Frieden, Freude, Eierkuchen und gebrannte Mandeln für die Welt fordert. Ungläubige sollen, nach dem Koran, an allen Ecken belogen und getötet werden. Aber auch das Christentum hat mit Hexenverbrennungen, Menschenverfolgung und dem Schlachten von "Ungläubigen" bewiesen, dass es einen Hang zum Barbarentum hat.

Warum ist mir dieses Thema gerade jetzt so wichtig? Es steht im Zusammenhang mit den Anschlägen von Oslo vor wenigen Tagen. Viele Medien schoßen bei der Berichterstattung vorschnell und erklärten den Mörder zum Islamisten. In Wahrheit war dieser jedoch erzchristlich. Seit diesem Zeitpunkt wird seine Konfession aber überall gekonnt ignoriert. Man sieht nicht einmal eine Entschuldigung dafür, dass der Islam sofort und ohne Beweise mit dem Attentat in Verbindung gebracht wurde.

Diese Berichterstattung hat außerdem noch eine andere Wirkung, die mir nicht unbedingt gefällt. Die rechts-rechten Parteien, die ja sowieso den Islam, die "linken Chaoten" und die Pizza Margherita für alles verantwortlich machen haben ein weiteres "Argument" bekommen mit dem sie ihre verdrehte Darstellung der Geschichte und ihrer Beweggründe ihren hirnlosen hörigen Massen besser verkaufen können. Da es keine großen Gegendarstellungen gab, die den Täter vom Islam distanzieren, wird es wohl nicht lange dauern, bis rechte Schläger moslemische Mitbürger terrorisieren und sich dabei auf Rache für Oslo berufen.

Dieser Artikel ist nicht als Scherz gemeint.

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  1. Auch wenn es kein Scherz ist, aber wie soll die Tragödie in Norwegen oder die Berichterstattung ein Argument für die Rechten seien, wenn der Täter genau aus dem Spektrum kommt und der Anschlag auch politisch motiviert war.

    http://derstandard.at/1310511975907/Terror-in-Norwegen-Der-Moslem-wars

    • Indem sie nur die anfängliche Berichterstattung zitieren und seinen eigentlichen Hintergrund vollkommen ignorieren. Siehe der Fall Königshofer:
      http://news.orf.at/stories/2070993/

      Dass die FPÖ inzwischen ziemlich auf Abstand bedacht ist, ist wohl weniger durch echte Entrüstung motiviert. Ich sehe da eher die Angst vor der öffentlichen Meinung. Es fällt schon irgendwie auf, dass solche Aktionen fast ausschließlich aus den Reihen der FPÖ kommen. Da habe ich es sehr schwer ihnen zu glauben, dass nicht die komplette Partei so tickt.

  2. Bezüglich des Islamismus vs. andere Konfessionen in der Berichterstattung. Ich denke schon, dass es einen Unterschied macht, ob eine Tat vorgeblich religiös und/oder politisch (sprich ideologisch) motiviert war oder nicht. Ein Mörderer, der zufällig Christ, Moslem oder Atheist ist, bei dem spielt das normalerweise auch keine Rolle; wenn sich aber nach einen Bombenanschlag hauptsächlich islamistische Terrorvereinigungen dazu bekennen, dann ist es meines Erachtens nicht unbedingt verkehrt, wenn man von der Möglichkeit spricht, dass es es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte. Das ist genauso wie wenn ein christlicher Fanatiker aufgrund seiner fundamentalistischen Auslegung einen in einer auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisierten Klinik arbeitenden Arzt brutal ermordet.

    Ich will damit nicht ausschließen, dass es das Problem der einseitigen Berichterstattung nicht gibt, aber für mich liegt das eigentliche Problem darin, dass in den Augen der (vorwiegend christlichen) Bevölkerung der Unterschied zwischen extremen Fundamentalismus und moderatem Christentum klarer ist als der zwischen Islamismus und Islam. Und die populistische Rechte baut ja darauf auf, dass die Massenmedien ihren Bildungsauftrag nicht einmal ansatzweise erfüllen, sonst würde sie auch nicht dieses Bild der demographischen Bedrohung durch Muslime forcieren können. (z.B. „Fremd im eigenen Land“ oder „Wien darf nicht Istanbul werden“…)

    • Natürlich macht es einen Unterschied. Ich spreche mich ja auch dafür aus, dass bei Verbrechen, die bewiesener Weise religiös oder politisch motiviert sind dieser Zusammenhang aufgezeigt wird. Ist er aber unerheblich, bzw. komplett falsch, dann soll entweder auf die Erwähnung verzichtet, oder wenn bereits berichtet, in einer Korrektur der Fehler aufgezeigt werden.

      Außerdem mag ich den Begriff Islamist oder Islamismus nicht, da er den Medien, und auch den rechten Parteien ein einfaches Schlagwort in die Hand gibt mit denen sie einen großen Teil der Bevölkerung verallgemeinert beschuldigen können. Bei den Rechten wundert es mich nicht, aber die Medien weisen bei der Verwendung des Begriffes nicht darauf hin, das die restlichen 99% der Moslems die in dem jeweiligen Land leben keine Terroranschläge verübt haben. Es wird damit die komplette Religion kriminalisiert nach dem Muster:
      Universität -> Student
      Islam -> Islamist

      • Wie vielleicht angedeutet, sehe ich das nicht als Problem der Medien an. Islamist ist die korrekte Bezeichnung für Muslime, die ideologisch motivierte Anschläge im Namen Allahs verüben, planen oder unterstützen. Und solange es dieses Phänomen des politischen Islams gibt, wird es auch einen Term dafür geben.

        Wie gesagt halte ich die im Bewusstsein der Bevölkerung leicht verankerbare Idee, dass Islam ein alle gesellschaftlichen Bereiche des Lebens umfassendes, politisches System sei und deshalb jeder Moslem (der seine Religion wirklich ernst nimmt) ein potenzieller Attentäter ist, für das eigentliche Problem.

        Da ich mit dem Islam nicht besonders vertraut bin und als Atheist auch kein Interesse habe, selbst einen „moderaten“ Glauben der Moslems zu verteidigen, wüsste ich nicht wie ich gegen diese Art der Argumentation vorgehen sollte. Der Hinweis, dass es für die meisten Anhänger ein weiter (wenn nicht gar unmöglicher) Schritt bis zur Gutheißung und Unterstützung von politischem Extremismus ist, ist – so wahr er auch hoffentlich sein mag – meiner Erfahrung nach nicht sonderlich überzeugend…

        ps: http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/393042/july-25-2011/norwegian-muslish-gunman-s-islam-esque-atrocity

        • Auch wenn ich mich nicht vollständig auf die Wikipedia stützen möchte, so finde ich dort unter anderem folgenden Text:
          Der Begriff Fundamentalismus wird im Volksmund in Verbindung mit dem Islam oftmals mit dem Islamismus per se gleichgestellt; in akademischer Literatur werden beide Begriffe jedoch getrennt.
          und:
          Islamismus ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche politische Ideologien, die sich vorgeblich auf Ideen oder eine spezifische Auslegung des Islam stützen.
          Ob sich eine oder mehrere dieser Ideologien über den Mord an „Ungläubigen“ definieren ist eine andere Frage. Wenn du aber „Islamismus“ mit „Muslime, die ideologisch motivierte Anschläge im Namen Allahs verüben, planen oder unterstützen“ vermischt, unterstellst du allen Ideologien die unter dem Begriff vereint sind einen Hang zum Terrorismus.

          • Mhm, kann ich verstehen (die zwei Blöcke oben sind ja auch nicht umsonst da)…

            Aber trotzdem, wenn man „als wesentliche Eigenschaft aller [islamistischen] Strömungen die Ansicht zu Grunde [legt], dass der Islam als ganzheitliche Religion, die sowohl soziale, juristische, politische und wirtschaftliche Dimensionen beinhaltet, einzige Quelle für ein politisches System sein kann und sogar sein muss.“ (wiki: Islamismus), dann ist das für mich absolut untragbar. Natürlich ist es auch ein weiter Weg vom rein ideologischen Islamismus bis zum angewandten Terrorismus, aber extremistisch ist diese Ideologie auf jeden Fall (zumindest so, wie sie da formuliert ist). Ich sehe daher nach wie vor keinen Grund, warum man auf den Begriff „islamistisch“ ganz verzichten sollte (besonders nicht in Zusammenhang mit islamistischen Terrorvereinigungen, die sich zu terroristischen Anschlägen bekennen).

            Ich versteh nicht ganz wo das Problem liegt. Die Differenzierung zwischen Islam und Islamismus halte ich jedenfalls für notwendig, weil nicht jeder Moslem auch ein Islamist ist. (btw: Wenn ich von christlichen Terrorismus sprechen würde, wäre das deiner Meinung nach nicht in Ordnung? Wenn nicht, warum?)

            • Es ist ja gerade meine Forderung, dass Terrorismus unabhängig von der eventuell dahinterstehenden Religion als solcher gekennzeichnet wird. Daher meine Auflistung eventueller Alternativen zu Islamismus weiter oben im Artikel.
              Terrorismus ist Terrorismus, egal ob es sich bei den Tätern um Moslems, Christen, Juden (oder sonst eine Glaubensvereinigung) oder Atheisten handelt.
              Indem man Islamismus synonym mit „Terrorismus vor islamischem Hintergrund“ verwendet diskreditiert man automatisch jeden Moslem, egal ob es sich um einen Terroristen handelt oder nicht. Außerdem erzeugt der Ausdruck den Eindruck, dass nur Moslems Terroristen sein könnten, da es einen spezialisierten Begriff für Christen, Juden, usw. nicht gibt, bzw. ein solcher nicht verwendet wird.
              Meine Forderung ist Eine von Zweien:

            • * Entweder wird vollkommen auf den Begriff Islamismus verzichtet, wenn Terrorismus damit gemeint ist,
              * oder es wird für jeden Terroristen ein speziell auf dessen Konfession abgestimmter Begriff verwendet. (Dann war Anders Breivik z.B. ein Christist.)
            • Aufgrund meiner Argumentation, dass es eine ungültige Verallgemeinerung wäre, bin ich dem zweiten Punkt eher Abgeneigt. Ich finde, man sollte Terroristen Terroristen nennen. Für den Akt des Terrorismus ist die Glaubenszugehörigkeit einmal nebensächlich. Mein Opfer ist tot, egal ob ich Christ bin oder Moslem.
              Sobald der Täter selbst Wert darauf legt, dass die Religion im Zusammenhang mit seinen Taten steht, sehe ich kein Problem damit es zu erwähnen. Eine Verallgemeinerung wäre jedoch falsch, da es sich nur um ein Individuum oder eine Gruppe handelt, aber bei weitem nicht um die vollständige Glaubensgemeinschaft.

  • Tut mir leid, dass ich mich hier einmische und ja ich weiß dein Kommentar ist etwas veraltet. Trotzdem möchte ich meinen Senf dazu abgeben.

    Ich bin selber, meiner Meinung nach, kein extremer Moslem. Jedoch regt es mich immer wieder auf, wenn ich Islamist in der Zeitung lese!

    Ich sehe das Problem des Wortes in der ähnlichkeit zu Islam. Die Mehrheit der Leute, die Islamist lesen verstehen darunter einen Moslem. Dann lesen sie weiter und es geht um Terrorismus. Dadurch entsteht dann diese Verbindung Moslem = Terrorist.

    Anders wäre es, wenn man zum Beispiel schreibt: „…ein Terrorist mit islamischem Hintergrund…“ Da liegt die Betonung auf es ist ein Terrorist und dieser ist Moslem.

    Die erste Variante zeigt das Moslems oder sagen wir strenge Moslems jederzeit Terroristen sein könnten. Die zweite Variante, dass es islamische Terroristen gibt.

    L.G. Kerrim

  • Kennt eigentlich jemand den Verein Associatiõn Almanya Expatrülgüm (AAX)? http://www.frischpresse.de/2011/07/wegen-oslo-muslimischer-verband-fordert-abschottung-deutschlands/

    • Bisher kannte ich ihn nicht. Der Artikel ist aber auch ein wenig tendenziell geschrieben. Da wird davon gesprochen die nördlichen Grenzen mit Panzern zu verteidigen …
      Die Forderung nach einer Abschottung von (EU-)Ländern in welchem rechte Parteien regieren (und das gesellschaftliche Klima dementsprechend vorausgesetzt wird) ist nur zu verständlich. Aber abgesehen davon, dass eine solche Abschottung eine illegale Maßnahme und eine Beschneidung der Rechte jedes Europäers auf Reisefreiheit innerhalb der EU ist, wäre eine Umsetzung ein Eingeständnis sich von Terroristen die Tagespolitik diktieren zu lassen.

      Dann wiederum ist auch die Aussage des Innenministeriums schlecht formuliert: Wir sind uns der Gefahren für in Deutschland lebende Migranten bewusst und prüfen die Anträge der AAX wohlwollend. Wenn es um die Sicherheit unserer muslimischen Mitbürger geht, steht die Bundesregierung Gewehr bei Fuß. […]
      Die Bundesregierung sollte für die Sicherheit aller Bürger „Gewehr bei Fuß“ stehen. Den zitierten Satz können rechte Parteien wiederum missbrauchen um die von ihnen gesehene Gefahr der „Islamisierung“ anzuprangern.


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