Tanglu – Immer ein aktuelles Debian
15. März 2013 um 14:53 | Veröffentlicht in Debian, Free Software/Open Source, KDE, Ubuntuusers | 12 KommentareDebian ist bekannt als superstabil, superhart … und superalt. Es wird viel Mühe in die Härtung eines Paketes gesteckt und in das Finden von Bugs. Da Debian erst dann ein Release bringt, wenn ein gewisser Mindeststandard erreicht ist, ist auch immer offen wann die nächste Version erscheint. Normalerweise wird 18 Monate nach einem Release der aktuelle Stand in Testing eingefroren. Das bedeutet, dass unabhängig vom Stand im Rest der Welt keine neuen Programmversionen mehr einfließen. Dann beginnt die Phase in der Maintainer ihre Pakete soweit verbessern, dass ein Release erfolgen kann. Oftmals dauert dies ein halbes Jahr und länger. (It’s ready, when it’s ready.)
Besonders bei Software wie Firefox (neues Release alle 6 Wochen) ist dies natürlich problematisch, weswegen die Debian-Entwickler … eigene Patches … Iceweasel. Firefox ist jedoch bei weitem nicht die einzige Software, die bei einem Debian-Release bereits veraltet ist. Auch KDE hat z.B. einen 6-Monats-Rythmus. Die Chance, dass KDE bereits um eins höher gezählt hat, wenn Debian Stable aktualisiert wird, ist sehr hoch.
Diese Lücke will Tanglu nun schließen. Bis jetzt findet man dort nur eine Ankündigung, welche die Pläne für Tanglu erläutert. Die Wichtigsten davon sind:
- Tanglu will eine Lücke von Debian schließen. In der Zeit eines Debian Freezes sollen neue Programm-Versionen bei Tanglu weiterentwickelt werden. Dazu lädt Tanglu alle Paket-Maintainer in das Projekt ein, will jedoch niemanden zwingen. Bei Herausgabe von Debian Stable sollen die aktuellen Tanglu-Pakete wieder nach Debian zurückfließen.
- Ein fester Release-Rythmus von 6 Monaten.
- Die Installation proprietärer Firmware (Treiber) will Tanglu so einfach wie möglich machen, diese soll jedoch nicht in der Standardinstallation enthalten sein. Stallmans Ungnade ist ihnen trotzdem sicher.
- Pakete sollen möglichst nah an Debian und damit möglichst nahe an Upstream (die ursprünglichen Entwickler) bleiben. Im Gegensatz zu z.B. Ubuntu will man keine eigenen Patches schreiben, wenn nicht notwendig.
- Vollständige Kompatibilität zu Debian ist Muss. Eigenkreationen wie Mir (konkretes Beispiel) sollen nicht passieren. Eine Art Software-Center soll es aber geben.
- Als grafische Oberfläche will man sich zu Anfang auf KDE focussieren. GNOME Vanilla und andere Desktops sollen jedoch, wenn es eine Community dafür gibt, ebenfalls verfügbar werden,
Laut eigener Aussage besteht das Team hinter Tanglu aus nicht sehr vielen Leuten. Dass man eine eigene Distribution stemmen kann ist man sich hier aber scheinbar sicher. Ein konkretes Datum für die erste Ausgabe ist noch nicht genannt worden. Bei einem 6-Monats-Rythmus bis zum Release plus Anfangsarbeiten ist jeoch vor Oktober eher nicht damit zu rechnen.
Ich habe mir schon länger überlegt auf eine Debian-basierte Distribution, welche nicht Ubuntu ist, umzusteigen, vielleicht sogar Debian selbst. Davon hat mich bis jetzt die teilweise stark veraltete Softwareauswahl von Debian Stable abgehalten. Tanglu ist für mich diesbezüglich eine interessante Alternative. Vielleicht wird mein Laptop ja nicht auf Kubuntu 13.10 aktualisiert.
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12 Kommentare »
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[…] Beitrag bei Taach! Der Morgenblog, über ein interessantes Debian basiertes Projekt namens Tanglu gelesen. In ein paar Jahren heisst diese Seite dann vielleicht Tanglu-tec. Wer weiss… […]
Pingback by Warum Ubuntu? | Ubuntu-tec.de— 15. März 2013 #
Debian Stable = Stabil
Debian Testing = Ubuntu
Debian Sid = „Rolling Release“
Comment by nameless— 15. März 2013 #
Debian Testing ohne Corporate Branding = Tanglu
Comment by tok1hama1san— 15. März 2013 #
Und mit Corporate Branding meinst du Ubuntu? nameless meint, dass Debian Testing eine Distribution auf dem gleichen Stabilitäts- und Aktualitätslevel wie Ubuntu ist. Das kann man so verwenden, da braucht man keine neue Distribution, wo ein paar Leute für ein paar Monate ein paar Pakete updaten.
Comment by Gremo— 16. März 2013 #
Nicht nur „Ubuntu“. Canonical hat ja bereits einige Veränderungen/Anpassungen durchgenommen (Unity, Shopping-Lenses, Ubuntu One). Diese Sachen sind in Tanglu nicht dabei, weil sie sich eher an Debian halten. Damit ist man zwar auf demselben Aktualitätslevel wie Ubuntu, aber näher am Upstream.
Comment by tok1hama1san— 16. März 2013 #
finde ich gut; habe Linux Mint Debian Edition (semi-rolling release auf testing Basis) mit xfce drauf, geht richtig ab im Vergleich zu Ubuntu 12.04 mit unity.
Mehr Distris die auf Debian basieren sind sicher nicht von Nachteil.
Comment by David— 15. März 2013 #
Naja, man kann ja auch Linux Mint Debian nehmen. Das ist zumindest halb rolling release 😀 Und ist ebenfalls 100% zu Debian kompatibel. Man kann auch Sidux nutzen. Man kann viel nutzen. Ist eben nur die Frage direkt was man will.
Comment by Protector— 16. März 2013 #
Also ich finds super. KDE und Debian und Aktuallität, mal sehen was draus wird.
Comment by Blubb— 16. März 2013 #
Wie wärs mit Linux Mint Debian Edition (LMDE), find ich super!
Comment by moeb— 17. März 2013 #
Zwischen Mint und Tanglu wird wahrscheinlich kein großer Unterschied bestehen. Der Gedanke hinter Tanglu beinhaltet aber auch, dass die Debian-Maintainer hier während des Freezes neue Packages pflegen können. Das können sie bei Debian nicht und bei Mint gibt es keine solche Systematik.
Ich denke, wenn Tanglu offiziell ist, kann man ein Debian-Release als Snapshot von Tanglu sehen. Tanglu wird konstant weiterentwickelt, während Debian alle ~2 Jahre einen Snapshot der Entwicklung macht.
Comment by tok1hama1san— 17. März 2013 #
[…] Auch Slackware und Arch setzen nun auf MariaDB. Bei Ubuntu gibt es weder auf der offiziellen Homepage, noch bei Mark Shuttleworth irgendwelche Kommentare dazu. Immerhin auf Ubuntuusers gibt es einen Artikel zu MariaDB, welcher allerdings erst im Aufbau ist. Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass MariaDB bereits in Ubuntu 13.04 enthalten sein wird. Vielleicht haben wir ja Glück und es kommt mit 13.10. Inzwischen liebäugle ich mit einem Umstieg … […]
Pingback by Ubuntu und MariaDB – Wann? UPDATE | Taach! - Der Morgenblog— 26. März 2013 #
[…] Zeit geht ein Gespenst durch die Debian-Welt. Tanglu! Ein neues Projekt zur Herausgabe (noch) einer (weiteren) neuen […]
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