Graf Martin und die Jagd auf den seltenen Silber-Blaufuchs

Juni 27, 2013 um 11:25 am | Veröffentlicht in Österreich, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Nicht einmal zu einem Rücktritt taugt es? Sie, Herr Graf, haben, genauso wie Ihre Partei, dieses Land schon mehrmals beschämt. Dieses Land, dass Ihre Partei der Ehrlichen und Anständigen angeblich so lieben. Frau Meschar war nicht Ihr einziger Fehltritt. Auch Ihre Partei glänzt, wie Ihre Mitarbeiter, mit regelmäßigen Zitaten aus dem NSDAP-Wörterbuch. Und wenn es sich mal nicht ausgeht, sich zu solchen Höhen aufzuschwingen, begnügt man sich mit einem „Hump“ oder „Dump“.

Ihre Partei hat Geschichte. Keine schöne, aber sie hat eine. Vor langer Zeit bekannt als NSDAP schlossen sich die letzten der „waren Recken“ 1949 zum VDU zusammen („Verein der Unabhängigen„). Nach etwas Rochade nannten sich die Beteiligten Personen ab 1956 FPÖ. Wenn auch die Führung der Partei von Anfang an braun geprägt war (z.B. Norbert Burger), spätestens seit dem Haider-Putsch von 1986 glänzt Ihre Partei mit Verfehlungen sprachlicher und tätlicher Natur. Die Zeit von 1938 bis 1945 wird immer wieder beschönigt, Ihre verzerrte Wahrnehmung der Geschichte mit schöner Regelmäßigkeit deutlich. Auch Ihre Nähe zu Nazi-Hetzern a’la Gerd Honsik macht alle Beteuerungen zum Gegenteil unglaubwürdig.

Mit der Genauigkeit eines Uhrwerks kann man hier auch eine begleitende Taktik Ihrer Partei beobachten: Baut einer von Ihnen Scheiße, wird er dafür, von allen Parteien (mit Ausnahme der FPÖ versteht sich) kritisiert. Abhängig von der Verfehlung wird eine Entschuldigung bis hin zum Rücktritt gefordert. Ihre Partei kommt solchen Forderungen gewöhnlich nicht nach. Dementsprechend verschärft sich die Kritik und die Medien berichten verstärkt über die Geschichte. Und hier beginnt Ihre Taktik. Sobald die Medien voll dabei sind, gibt es bereits vermehrte Rufe aus allen Parteien. Nun wird die ursprüngliche Verfehlung ignoriert und die jeweilige Person, genauso wie die Partei im Allgemeinen, als Opfer einer politischen Hetzjagd dargestellt. Alle Entscheidungen, die darauf folgen werden dann angeblich unter „politischem Druck“ gefällt um die Beteiligten vor dem „politischen Mob“ zu schützen.

Dabei sind die Rücktrittsrufe der anderen Parteien noch in einem harmlosen Tonfall gehalten. Hier ein paar Auszüge aus dem Buch „Haiders Clan. Wie Gewalt entsteht“ von Hans-Henning Scharsach:

  • „rot-schwarze Blut-Egel“
  • „Filzläuse, die mit Blausäure bekämpft werden sollen“
  • „Schonzeit für Rot- und Schwarzwild“

Ich habe das Buch selbst gelesen. Darin sind noch viel mehr Beispiele für Ihr erschreckendes Vokabular festgehalten. Es war Ihre Partei, die das politische Klima in Österreich in eine demilitarisierte Zone verwandelt hat. Ihre Partei, die die Spielregeln der Demokratie bis heute mit einer Selbstverständlichkeit verletzt, dass einem schlecht wird, wenn sie sich zu jener „bekennen“.

Nun sind Sie an der Reihe, Herr Graf. Nach Postenbesetzungen mit Burschenschaftern, nach NSDAP-Ideologie gefärbten Aussagen und Ihrem (scheinbar legalenBetrug an Frau Gertrud Meschar ist es eigentlich undenkbar, dass Sie noch ein politisches Amt ausführen, besonders ein so prestigeträchtiges wie das eines Nationalratspräsidenten. Wären Sie wirklich so anständig und ehrlich, wie Ihre Partei gerne tut, dann hätten Sie diesem Amt nicht einen solchen Imageschaden angetan sondern wären schon lange zurückgetreten. Aber das kommt für Sie ja offensichtlich nicht in Frage.

Ihr Interview mit der „FPÖ-News“ (stilecht mit Südtirol als Teil Österreichs), deren Moderatorin Petra Steger ihre Zeilen sehr auswendig herunterleiert, war sehr interessant. Selbst unter dem Eindruck einer politischen Hetzjagd gegen Ihre Person (und interessanterweise auch ihre Familie) wollen Sie erst in mehr als 3 Monaten, nach der kommenden Nationalratswahl aus dem Amt ausscheiden. Sie erwecken den Eindruck, als hätten Sie gute Beziehungen zu Entscheidungsträgern der SPÖ, welche Sie über eine geplante Schmutzkübelkampagne (sonst das Mittel der Wahl Ihrer eigenen Partei) gegen Ihre Person informiert hätten. Das wird besonders Norbert Darabos interessieren, welchen Sie und Ihre Partei in seiner Zeit als Verteidigungsminister des Öfteren wegen seines Status als ehemaliger Zivildiener beschimpft und diffamiert haben (übrigens ein Beispiel für eine beispiellose Schmutzkübelkampagne (pun intended)).

Nun versuchen Sie den Eindruck zu erwecken, dass die Kritik an Ihnen nicht auf Ihren zahlreichen Verfehlungen beruht, sondern nur dazu dient einen unangenehmen, weil ehrlichen, politischen Widersacher loszuwerden. Sie entblöden sich auch nicht, unterschwellig, jegliche juristische Verfolgung Ihrer Person als politisch motiviert zu bezeichnen(3:40): „[…] An sich halte ich alle Verfahren mir gegenüber als einstellungsreif, aber solange der Polit-Mob gegen mich reitet wird das nicht passieren und ich hoffe doch, dass wenn ich aus der Politik jetzt einmal ausscheide, dass hier Ruhe einkehrt.“

Nicht nur zeichnen Sie hier ein Bild vom Rechtsstaat Österreich, wie man es sonst aus dem Mund Ihrer Partei nicht kennt, wenn ein Gegner der FPÖ vor dem Richter steht. Sie behalten sich offensichtlich eine Rückkehr in die Politik vor.

Herr Graf, hier ein offenes Wort: Sie und Ihre rechtspopulistische Partei haben und fahren fort das politische Klima in Östereich zu vergiften. Ihre rechtsrechten Verwicklungen, sowie ihre demokratieverachtenden Aussagen und Taten sind diesem Land nicht würdig. In diesem Land leben viele Menschen, einheimisch und zugewandert, die menschlich mehr Wert sind als Sie, deren Demokratieverständnis ein ehrliches ist und die nicht versuchen sich jede Sekunde ihres Lebens zu bereichern. Wenn es mir auf demokratischem Wege möglich wäre, ich würde Ihnen jegliche Politpension aberkennen. Ihre „Leistungen“ haben diesem Land nur geschadet.

Herr Graf, verlassen Sie die politische Bühne. Lassen Sie Österreich in Ruhe. Wir haben mehr verdient.

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