Audible Audio – DRM at its finest

Februar 24, 2014 um 10:00 am | Veröffentlicht in DRM, Multimedia, Ubuntuusers | 11 Kommentare

Mein Vater ist ein Fan der Serie „Perry Rhodan“, einer inzwischen über 50 Jahre laufenden Romanreihe. Sie handelt vom fiktiven Ex-NASA-Piloten Perry Rhodan, der mit Hilfe von Außerirdischen die Erde eint und viele Jahrtausende lang Abenteuer im bekannten Universum und darüber hinaus erlebt. Die sogenannten Silber-Bände sind je eine Zusammenfassung mehrer Hefte und bilden eine Sammler-Edition der Reihe. Diese Silber-Bände wurden großteils vertont und sind als Hörbücher erhältlich. Mein Vater fand nun mehrere dieser Hörbücher bei Audible.de, dem Audiobook-Portal von Amazon. Da ich ihm nicht garantieren konnte, dass ich ihm die von dort heruntergeladenen Dateien nach seinem Wunsch als Audio-CD zur Verfügung stellen könnte, habe ich ihm davon abgeraten sich die Hörbücher über diese Plattform zu besorgen. Eine Weise Entscheidung, wie sich herausstellen sollte.

Ich habe schon mehrfach von Audible.com gehört (z.B. als Sponsor von MinutePhysics, einer YouTube-Reihe, die wissenschaftliche Themen auf anschauliche Art und Weise zu erklären versucht). Da ich persönlich CDs bevorzuge, habe ich aber nie in Erwägung gezogen tatsächlich bei Audible zu kaufen. Durch die Frage meines Vaters begann ich mich jedoch dafür zu interessieren, in welchem Format denn die Hörbücher von Audible daherkommen.

An eine Datei herankommen

An ein Hörbuch von Audible kommt man, indem man ein Amazon-Konto erzeugt und ein Hörbuch kauft. Alternativ kann man auch eine Aktion, wie am Ende der meisten MinutePhysics-Folgen beschrieben, nutzen und sich ein gratis Audiobook herunterladen. (!!Vorsicht: das erste Monat ist gratis, ab dann wird automatisch eine Gebühr von fast € 15,- im Monat fällig. Man muss selbst rechtzeitig stornieren!! Ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn du plötzlich etwas bezahlen musst!) Ich entschied mich für „Breakfast at Tiffanys“ von Truman Capote. Mit der Absicht den Account gleich nach dem Download wieder zu stornieren legte ich das Hörspiel in den Warenkorb und klickte mich durch den Amazon-typischen Bezahlprozess. Ich setzte meinen einzigen Credit ein und gelangte schließlich zur Download-Seite … äh wie? Wo ist mein Download-Link? Hallo! Hört mich wer? Wo ist mein Link?

Nach Abschluss des Kaufes wird einem nicht angeboten, dass man die Datei sofort herunterladen könne. Stattdessen wird einem eine Liste von kompatiblen Geräten vorgeschlagen, auf welchen man doch bitte die Audible-App installieren sollte um in den Genuss des Hörbuchs zu kommen.

Your level has risen to 2. You have earned a new skill. You can now be Rick-Rolled by Audible.

Ok, wieder zurück zum Ernst des digitalen Lebens. Audible forciert an allen Ecken und Enden einen strengen Kopierschutz. Deswegen sehen sie es am Liebsten, wenn ihre Dateien nur mit von ihnen zertifizierter Software abgespielt werden. Möchte man doch die eigentliche Datei erhalten, so muss man unter dem Punkt „Library -> My Books“ aus der Liste der gekauften Hörbücher das gewünschte auswählen und ganz rechts auf „Download“ klicken. Hier erhält man nun eine Datei mit der Endung *.aa.

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Download wollte ich den Account wieder löschen, da ich weder Interesse an den angebotenen Diensten hatte, noch willens war knappe € 15,-/mtl an Grundgebühr zu berappen. Hier begann eine neue Herausforderung … Wie beende ich meine Mitgliedschaft? Spätestens seit Facebook sollte uns allen bewusst sein, wie schwierig die Anbieter es zeitweise machen aus ihren kommerziellen Spinnennetzen zu entkommen. Im Nutzermenü unter „Account Details“ findet sich ein Punkt zu „Membership Details“. Nach all den Fancy CSS-Blasen der aktuellen Membership-Angebote findet sich ein übersehbarer fader HTML-Link mit der Aufschrift „Cancel Membership“.

Nach einem Klick auf diesen landet man, wie zu erwarten, auf einer Seite, auf der man seinen Ausstieg nochmal bestätigen soll. Umrahmt ist das mit Angeboten, die das Verbleiben doch noch schmackhaft machen sollen. Wie erwähnt: Vorhersehbar. Klick man nun auf „Confirm Cancellation“ landet man … auf einer mit Angeboten vollgestopften Seite, auf der man schon wieder seinen Ausstieg bestätigen soll. Nach einem Klick auf „Continue Cancellation“ landet man … und so weiter. Insgesamt 4 mal muss man bestätigen, dass man der Mitgliedschaft den Rücken kehren will. Und jedes Mal sollen einen Batterien von Angeboten davon überzeugen doch zu bleiben. Am Schluss wollen sie einen nicht gehen lassen, bevor man ihnen einen Grund genannt hat. Liebes Audible-Management, diese Drangsalierung macht euch nicht sympathischer.

Your level has risen to 3. You have earned a new skill. You can now be handcuffed and whipped into submission by Audible.

Was ist das Audible Audio Format nun eigentlich?

Auf der deutschen Audible-Seite wird das eigene Format, vorhersehbar, mit lauter Vorteilen für den Nutzer zu erklären versucht. Spaß, Hörkomfort und die Fähigkeit Lesezeichen zu setzen sind die Hauptargumente. Und … ach ja:

Es gibt noch einen weiteren Grund: die Größe und Vielfalt unseres Angebots. Wir möchten Ihnen natürlich möglichst die ganze Welt der Hörbücher und der gesprochenen Inhalte anbieten.
Da unser Format einen eingebauten Kopierschutz hat, vertrauen uns die Verlage und Autoren so viele Hörbücher an, die es woanders nicht zu kaufen gibt. Deshalb finden Sie bei uns ein so reichhaltiges Sortiment an Hörbüchern.

Ja, ein reichhaltiges, DRM-verseuchtes Sortiment, das ich aus genau diesem Grund nicht haben will. Das Audible-Format wird als eine Alternative zu MP3 beschrieben. Tatsächlich handelt es sich nur um ein Containerformat, welches seine Payload per Verschlüsselung vor dem direkten Zugriff des Nutzers „schützt“. In manchen Fällen kommt für das Audio-Format der Payload sogar MP3 zum Einsatz. Ein Containerformat selbst bietet keine verwertbaren Daten. Es ist vergleichbar mit einer ZIP-Datei, aus welcher man per geeigneter Software die tatsächlichen Daten extrahieren kann.

Auf about.com findet sich eine kurze Übersicht über die Eigenschaften des *.aa-Formates.

Hier beginnt die erste wirkliche Herausforderung, wenn man eine *.aa-Datei auf einem Linux-Gerät abspielen möchte: Es gibt keine geeignete Software. Audible hat sich bis lang erfolgreich gegen die Öffnung seiner Plattform für freie Betriebssysteme gestellt. libav (ein Fork von ffmpeg) kennt das Format schonmal nicht. Damit ist die bislang zuverlässigste Medien-Library aus dem Spiel. Ein kurzes apt-cache search audible liefert keine verwertbaren Ergebnisse. Es scheint so, als müsse man mittels Wine ein Windows-Programm ausführen, welches das Format beherrscht und in ein anderes Format übersetzt. Die Anzahl der Geräte, auf denen eine konkrete *.aa-Datei abgespielt werden kann ist stark begrenzt. Die Anzahl der Audio-CDs, die man damit brennen kann liegt sowieso nur bei 1.

Fazit

Das Audible Audio Format ist entbehrlich. Das Einzige, was dem Format noch fehlt ist ein Always-On Zwang. Amazon hat offensichtlich verschlafen, dass DRM für Audio nach einer langgezogenen Blamage der Musikindustrie heute keinen Platz mehr hat. Tatsächlich gehört Audible zu den letzten Musik-Anbietern, die ihre Ware mit DRM verseuchen und damit ihren ehrlichen Kunden das Leben erschweren, während Menschen, die sich nicht um Entlohnung kümmern, einen Weg finden das DRM komplett zu entfernen um digitale Inhalte auch ohne Bezahlung zu genießen. Wie immer bei DRM fühlen sich die Manager sicherer vor den „bösen Piraten“, sind die ehrlichen Kunden die Verlierer und merken die „bösen Piraten“ nichts von irgendwelchen Einschränkungen.

Mein Rat: Finger weg von Audible. Wenn du ein Hörbuch haben willst, welches aktuell nur bei Audible verfügbar ist, dann setz dich mit dem Produzenten in Verbindung und besprich die Möglichkeit eines alternativen Vertriebswegs.

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11 Kommentare »

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  1. Die Content Anbieter focieren DRM. Da kann Audible garnicht so viel dafür.
    Ist bei Filmen, Serien und eBooks doch größtenteils das selbe. Nur ganz wenige Anbieter die auf DRM verzichten.

    • Es stimmt, dass es hauptsächlich die sogenannte „erzeugende“ Industrie ist, die auf Maßnahmen wie DRM besteht. Interessanter Weise schaffen es aber doch iTunes und sogar Amazons hauseigener MP3-Dienst ohne solche Kundenfeindlichkeiten Audio anzubieten. Dass Amazon es bis heute nicht geschafft hat DRM auch beim geschluckten Audible abzuschaffen werte ich daher als Armutszeugnis.

  2. Schöner Artikel!

    Ich meide diese Kundengängelung mittlerweile wo ich nur kann. Wenn ich bedenke, was ich früher so alles gekauft hatte, als diese Gängelung noch nicht an jeder Ecke lauerte….mittlerweile ist mein Konsum fast auf Null. Und in meinem Umkreis bin ich nicht der einizige.

    • Viele Anbieter haben eingesehen, dass sich ihr Absatz wesentlich erhöht, wenn sie es ihren Kunden einfach machen an das gewünschte Material zu kommen. Jetzt müssen nur mehr Film- und Spieleindustrie zum selben Schluss kommen. Dann hat sich die Industrie an moderne Gegebenheiten angepasst und das Konsumieren von Medien ist wieder so einfach wie zuvor.

  3. Gute Darstellung der Situation! Meine Erfahrungen mit der Inbetriebnahme eines Sony eBook-Readers waren vergleichbar. Nachdem ich festgestellt habe, dass es kaum möglich ist, anonym und ehrlich ein Buch von einem Leser auf den anderen zu bringen (z.B. von einem iPad auf ein eBook-Reader) bleibe ich lieber beim guten alten Buch.

  4. Man kann eine CD draus brennen? Na dann brennt man halt ein ISO image und rippt das wieder direkt. Wie sinnvoll..

    • Nur mit iTunes kannst du eine Audio-CD brennen von der du das Stück wieder rippen kannst. Das ist sogar die „offizielle“ Vorgangsweise.

  5. Bestätigt meine negativen Erfahrungen mit diesem Laden.Meine Frau wollte vor Jahren mal ein Geschenkgutschein einlösen,mußte mich dann damit befassen.Nach meine Anfrage per Mail kam es dann de facto zu einem Linux-Bashing eines der Support Mitarbeiter.Eine kurze Recherche zu dem Herrn im Netz führte mich zu der Erkenntnis das dieser Herr noch nie aus seinem MS-Keller in die bunte Welt geschaut hatte. Habe die Mails leider nicht mehr, war aber dann der Grund allen die mich zu Audible fragten abzuraten.

    • Auch ich habe Erfahrung mit Leuten, die grundlos über Linux schimpfen obwohl sie es nicht wirklich kennen. Man kann versuchen sie in stundenlanger Sysyphusarbeit zu überzeugen es sich zumindest einmal anzusehen oder sie ignorieren. Besonders schade ist es natürlich, wenn man aufgrund solcher Ignoranz automatisch schlechter gestellt wird.
      Das kann man wunderbar auf vielen Webseiten beobachten, deren Services Flash voraussetzen. Oftmals wird hier nur der UserAgent des Browsers geprüft. Wenn dabei was anderes als Windows oder OSX rauskommt wird auf eine Fehlerseite umgeleitet.

  6. Das Problem besteht ja leider bis heute. Danke für die Erkenntnis bezüglich Linux! Zum Glück habe ich für mich eine feine MP3-Alternative („Höbu“) gefunden.

    • Danke für den Tipp!


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