Ausländerhass – Das tägliche Gift

Januar 27, 2016 um 10:02 am | Veröffentlicht in Österreich, Politik | Hinterlasse einen Kommentar

Heute fuhr ich 2 Stationen mit der Straßenbahn. Ansich nichts ungewöhnliches. Bei dieser Fahrt waren jedoch, neben anderen, noch 2 weitere Personen anwesend, deren Vorstellung während der Fahrt unter jeglichem menschlichen Niveau lag. Damit mein Hirn dadurch nicht verblödet muss dieses Gift aus meinem System.

Es war 10:15 als ich in die Garnitur der Straßenbahn einstieg um 2 Stationen später in eine U-Bahn umzusteigen. Beim Einstieg schlug mir bereits ein ungewaschener und alkoholgetränkter Geruch entgegen. Nach meinem Eindruck kam dieser von 2 Männern, welche im hintersten Abteil saßen. Ihre Kleidung ließ nicht auf Obdachlose schließen, ihre Bierdosen und Sprache jedoch auf bereits erfolgte alkoholbasierte Erheiterung. Zusammen mit dem Dunst schlug mir auch sofort die abwertend betonte Aussage „De Flüchtlinge“ entgegen (die „l“ waren langgezogene Meidlinger L). Die Männer wurden nicht richtig laut, einer versuchte sogar den anderen zu beschwichtigen. Der Mann, welcher hauptsächlich sprach war jedoch im ganzen hinteren Abteil der Garnitur zu hören.

Es begann damit, dass der Vorwurf aufgestellt wurde, dass jetzt „fia die Flüchtlinge“ eigens Wohnbauten hochgezogen würden (die Betonung legte nahe, das der Mann das im Gegensatz zu „für die Bürger der Stadt/des Landes“ meinte). Die einzige offizielle Aussage bezüglich großer Wohnbauprojekte in jüngster Zeit, welche mir bekannt ist, ist die Ansage des Wiener Bürgermeisters erneut mit dem Bau von leistbaren Wohnbauten zu beginnen (orf.at vom 26.02.2015). Das war Teil des Wiener Wahlkampfes 2015 und lange bevor das große Aufkommen an Flüchtlingen durch Ungarn und Österreich in Richtung Deutschland Im Sommer 2015 bekannt wurde. Alternativ kann damit natürlich auch der Aufbau bzw. die Einrichtung von Notunterkünften für diese Menschen gemeint sein, welche sie vor dem Winter schützen sollen. Damit sie nicht, aufgrund des für sie unbekannten Klimas, erkranken und sterben, wie es scheinbar just heute nacht passiert ist (UPDATE 28.01.2016: Scheinbar, zum Glück, scheint die Geschichte erfunden zu sein.) Die rechtzeitige Einrichtung von solchen Unterkünften bei gleichzeitiger Einhaltung von Mindeststandards für Hygiene um Epidemien unter den auf sehr engem Raum lebenden Menschen vorzubeugen ist das unterste Limit vom dem, was Menschen für Menschen in Not tun können. Diese Menschen kommen nicht zu uns zum Sterben, viele kommen zu uns nach einer anstrengenden Flucht vor Tod und Vernichtung. Möglicherweise mit einer Ausbildung, welche unserer Gesellschaft mehr bringen kann als Biersaufen am Vormittag.

Als nächstes kam zur Sprache, das Dänemark oder Schweden (hier waren sich die Männer nicht ganz sicher und tippten auf Schweden) den Flüchtlingen bei der Einreise ihr Geld abnimmt (Hinweis: Es ist Dänemark). Neben Dänemark machen das aber inzwischen auch die Schweiz und Deutschland. Zu diesem Thema wurde nicht viel gesagt, keine Wertung dieser Lage in Worte gefasst und kein Beispiel genannt. Zum Kotzen war jedoch die Tatsache, dass sie über das Thema in einem heiteren Ton sprachen, welcher nahelegte, dass sie diese Aktion guthießen. Man bedenke: Hier kommt ein Flüchtling, eventuell mit Familie, mit dem bisschen Hab und Gut, welches er mitnehmen und das er bis jetzt behalten konnte. Bis auf einen Kleinbetrag werden ihm alle Wertsachen abgenommen und nicht mehr rückerstattet. Wie soll ein Mensch, der nichts mehr besitzt, der fremd ist in einem neuen Land, dessen Sprache er wahrscheinlich nicht spricht mit wenigen hundert Euro eine Existenz aufbauen? Vor allem wenn er, bevor er Geld verdienen kann zuerst lange Zeit durch den bürokratischen Apparat geschleift wird, von dem er (Stichwort Sprachbarriere) wenig bis nichts versteht? So sehr die ganze Situation an die Flucht der Juden aus dem Deutschen Reich erinnert, so sehr wünsche ich diesen Männern und den sonstigen selbsterklärten „neuen Juden“ nicht, dass sie jemals in eine solche Notsituation kommen und jene bei denen sie Schutz und Hilfe suchen sich ihrer menschlichen Verantwortung zu entziehen suchen. Das hat niemand verdient, egal wie dumm er ist.

Zuletzt kam noch mehrmals die Warnung „Ihr werds eich no olle wundan“ im Bezug auf die Aufnahme dieser großen Anzahl an Menschen (von über 1 Mio. Menschen sind 2015 etwa 80.000 – 160.000 in Österreich verblieben, um die 85.000 haben einen Antrag auf Asyl gestellt). Alternative Lösungen waren nicht zu hören. Darauf folgten noch nicht argumentierte Assoziationen von Flüchtlingen im Allgemeinen mit Terror, Gewalt und Kriminalität.

Zum Glück kam ich dann an meiner Umsteigehaltestelle an und musste mich diesem menschenfeindlichen Geplörre nicht weiter aussetzen.

An dieser Stelle möchte ich noch zwei Sachen anmerken: Zum Einen hat sowohl die Europäische Union als auch die USA lange zugesehen wie sich die Regierungstruppen, die Opposition, der IS, die Kurden und die al-Quaida im seit 2011 andauernden syrischen Bürgerkrieg gegenseitig im großen Stil umbringen. Von einem Eingriff der EU in den Konflikt hörte man erst als der Strom der Flüchtlinge bereits in Europa angelangt war und damit zu „unserem Problem“ wurde. Zum Anderen möchte ich darauf hinweisen, dass die rechten Parteien in Europa hiermit die Ernte der von ihnen über viele Jahre gesäten Paranoia und Xenophobie eingebracht haben. Kaum waren die Flüchtlinge hier und der erste Anfall von Menschlichkeit verflogen gab es plötzlich starken Zuwachs für rechte Parteien bei den Wahlen. In Wien haben wir dadurch auch einen von der nationalistischen FPÖ gestellten Vizebürgermeister, dessen Partei gerade mit aller Gewalt versucht ihm irgendeine Relevanz im täglichen Regierungsgeschäft zukommen zu lassen.

Fazit: In unserer Gesellschaft gibt es, welch Wunder, Menschen die sich so wenig in andere hineinversetzen können, dass sie unmenschliche Taten gegenüber Personen in Not nicht nur gutheißen sondern sich auch über, empfundene, Hilfeleistungen beschweren. Wäre ich FPÖ-Wähler, dann würde ich an dieser Stelle die Frage stellen: „Kann unsere Gesellschaft es sich leisten, solche Menschen (Anm.: wie diese zwei Männer) weiter mit Bier zu versorgen?“ Man beachte, dass diese Frage suggestiv und wertend ist. Ich möchte nur gegenüberstellen, dass es gerade Menschen mit so menschenverachtenden Ansichten wie diese zwei Männer sind, die solche Fragen lauthals am Stammtisch stellen und damit die hetzerischen Resentiments der rechten Parteien weiterverbreiten. Ich würde sie nicht aktiv ausweisen, glaube aber, dass unsere Gesellschaft genauso gut funktionieren würde ohne sie. Vielleicht sogar besser.

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