Kubuntu 16.04 – Papercuts

April 27, 2016 um 8:38 am | Veröffentlicht in Free Software/Open Source, GNU/Linux, KDE, Kubuntu, Ubuntuusers | Hinterlasse einen Kommentar

Vor ziemlich genau einer Woche wurde Ubuntu 16.04 „Xenial Xerus“ veröffentlicht. Am Wochenende kam ich endlich dazu mir die KDE 64-bit Version zu installieren. Im Großen und Ganzen gefällt mir das Release und ich mag besonders KDE SC 5. Leider, wie es erwartbar war gibt es auch bei diesem Release Kleinigkeiten die das Arbeiten damit ein bisschen weniger wundervoll erscheinen lassen. Es sind keine ernsten Bugs welche die Arbeit komplett verunmöglichen sondern wenn-das-ein-bisschen-anders-wäre-dann-wäre-es-perfekt. Ein bisschen nervig aber nicht schlimm. „Papercuts“ eben.

Um möglichst wenig Altlasten mitzuschleppen und Bugs die daraus resultieren können aus dem Weg zu gehen habe ich soweit möglich darauf verzichtet alte Konfigurationsdateien mitzuschleppen. Nach einem umfassenden Backup habe ich meine Festplatten formatiert und nur meine Dateien zurück kopiert. Dadurch sollte ausgeschlossen sein, dass etwaige Fehlfunktionen auf Grund von veralteten Einstellungen auftreten. Gleich beim ersten Programm jedoch sind Daten und Einstellungen nur gemischt verfügbar.

Thunderbirds Disappearing eMail Trick

Ich verwende Thunderbird seit meiner Zeit unter Windows (Kinder, lasst mich erzählen …) und muss hier natürlich damit rechnen, dass obsolete Einstellungen herumlungern um mir den Tag zu vermiesen. Bis jetzt hatte Thunderbird meine Umzüge jedoch immer anstandslos überstanden. Seitdem ich Xenial aufgesetzt hatte weigerte es sich die Ordner und eMails meiner nicht-IMAP-Konten anzuzeigen. Im Verzeichnis  „~/.thunderbird/<profil>/Mail/Local Folders/“ lagen zwar die fraglichen Dateien und ihr Inhalt war auch noch vorhanden, jedoch zeigte mir das laufende Programm nur Leere unter „Lokale Ordner“.

Da ich hier mehrere tausend eMails gesammelt und eine recht große Ordner- wie Filterstruktur laufen hatte konnte ich dieses Problem nicht ignorieren. Ich suchte im Web nach Lösungen für das Problem, fand jedoch nichts das mir half meine Ordner wiederherzustellen. Mehrmals spielte ich mich mit Einstellungen und versuchte Konfigurationen manuell zu bearbeiten. Nichts. Um sicher zu gehen legte ich einen neuen Ordner im leeren Postfach an und legte eine eMail meines nigerianischen Traumprinzen darin ab. Nachdem ich Thunderbird beendet hatte untersuchte ich das oben genannte Verzeichnis nach dem neu angelegten Ordner. Er war nicht zu finden. Nach einem erneuten Start der Anwendung waren der Ordner und die eMail jedoch vorhanden. Merkwürdig.

Zufälligerweise fiel gestern mein Blick auf eine Pfadangabe zu einem der POP3-Konten. Diese Pfadangabe wird in der Standardansicht gekürzt dargestellt, weil das Fenster relativ klein ist. Die Darstellung entspricht in etwa dem Muster „/home/user/.../pop3.gmx.net„. (Ja, mein GMX-Konto ist auch eine Altlast.) Weil mich der komplette Pfad interessierte zog ich das Fenster in die Breite. Voila:
/home/user/.icedove/Mail/Local Folders/pop3.gmx.net„.

Hierzu zwei kurze Erklärungen. Erstens der Mozilla-Debian-Namensstreit. Das Debian-Projekt ist bekannt für die Stabilität seiner Distributionen und seiner Eignung als Serverbetriebssystem. Das resultiert aus einer Regel des Projektes, welche besagt, dass es nach einem Release nur kleine (Sicherheits-)Korrekturen für die vorhandenen Programme gibt, keine Upgrades der Major-Version (soll heißen: Firefox 33 bleibt über den gesamten Supportzeitraum Firefox 33).

Der Support-Zeitraum einer Debian-Distribution ist meist etwa 3 Jahre. Das ist länger als der Supportzeitraum den Mozilla, sogar noch bevor sie auf 6-wöchige Releases für Firefox umgestiegen sind, für Firefox und Thunderbird gewährleistet hat. Um zu verhindern, dass ihre Nutzer mit einer Firefox-Version im Web surfen, welche einen Haufen bekannter Sicherheitslücken aufweist gingen die Debian-Maintainer her und nahmen Security-Patches für spätere Firefox-Versionen und wandten sie auf die jeweils im Release verfügbare an. Ein Patch für Version 38, der von Mozilla nicht offiziell für Version 33 zur Verfügung gestellt wurde, wurde von Debian also auf Version 33 angewandt um die Lücke zu schließen. Laut den Lizenzregeln von Mozilla war das eine nicht authorisierte Veränderung von Firefox. Bezüglich des Codes war das kein Problem, jedoch der Name „Firefox“ und dessen Logo durften mit einer solchen angepassten Version nicht verwendet werden. Also ging Debian her und benannte diese angepasste Version von Firefox um in „Iceweasel“.  Thunderbird wurde zu „Icedove“. Debian 8 sollte die letzte Debian Distribution sein, welche diese Umbenennung durchführt. Seit dessen Erscheinen hat Mozilla seine Richtlinien geändert, sodass Debian 9 wieder offiziell Firefox und Thunderbird ausliefern kann.

Zweitens habe ich, kurz nach erscheinen von Debian 8, dieses für ein paar Wochen ausprobiert. In dieser Zeit habe ich natürlich Icedove verwendet um meine eMails zu verwalten. Danach habe ich wegen diverser Probleme wieder auf Kubuntu 14.04 und schließlich 16.04 umgestellt. Ich kann mich nicht erinnern, dass dieses Problem unter 14.04 ebenfalls aufgetreten wäre.

Scheinbar macht meine Konfiguration Thunderbird glauben, es sei Icedove. Sobald Thunderbird unter 16.04 das erste Mal gestartet wurde hat es sich das Verzeichnis „~/.icedove“ angelegt. In dieses hat es sich interessanter Weise die Konfiguration (und den exakt selben Profilnamen wie meine Thunderbird-Installation) geladen. Meine IMAP-Konten hat es abgerufen, meine POP3-Konten komplett ignoriert. Jegliche Änderungen an der Thunderbird-Installation waren natürlich wirkungslos weil Thunderbird nur in seinem Icedove-Verzeichnis gearbeitet hat.

Lösung

Erfolg hatte ich nachdem ich das Icedove-Verzeichnis gelöscht und einen symbolischen Link zum Thunderbird-Verzeichnis gesetzt hatte:

rm -f ~/.icedove
ln -s ~/.thunderbird ~/.icedove

Wenn Thunderbird nun nach seinem Icedove-Verzeichnis sucht wird es automatisch in das Thunderbird-Verzeichnis umgeschleust.

Akregators Disappearing Message Trick

Akregator ist ein recht guter RSS-Feed-Reader, dessen Entwicklung leider in der Vergangenheit etwas eingeschlafen ist. Laurent Montel hat in den letzten paar Monaten daran gearbeitet die gesamte KDEPIM, zu der Akregator gehört auf eine moderne Qt-Version zu portieren. Da ich Akregator sehr gerne verwende bin ich ihm dafür recht dankbar. Dass Akregator innerhalb von ein paar Monaten vollständig fehlerfrei sein wird habe ich daher auch nicht erwartet. Ein bestimmtes Verhalten des aktuellen Akregators hat es allerdings in sich. Stellt man den Anzeigefilter auf „Ungelesen“ und die Zeit, ab welcher eine ausgewählte Nachricht als „gelesen“ markiert werden soll auf 0 (Voreinstellung), dann „verschwinden“ alle ungelesenen Nachrichten des Feeds innerhalb kürzester Zeit. Der Grund dafür ist: sobald eine Nachricht als gelesen markiert wird verschwindet sie aus der angezeigten Liste und die nächste Nachricht wird markiert. Das kaskadiert dann solange bis es keine ungelesenen Nachrichten mehr gibt. Natürlich kann man den Anzeigefilter auf „Alle Artikel“ stellen. Ich habe aber zeitweise recht alte ungelesene Nachrichten aus diversen Feeds (z.B. von Planeten), welche dann in der Menge untergehen würden. Auch das höherstellen der Zeit, die Akregator wartet um die Nachricht auf „gelesen“ zu setzen ist keine Lösung, da ich für das Lesen von verschiedenen Nachrichten auch unterschiedlch lange brauche. Bei vorangegangenen Akregator-Installationen war es so, dass die Liste der angezeigten Nachrichten nicht immer sofort bereinigt wurde. Dadurch hatte man Zeit die Nachrichten zu lesen, auch wenn sie bereits als „gelesen“ markiert waren, da sie immer noch in der Liste aufschienen.

Lösung

Man kann das automatische als „gelesen“ Markieren deaktivieren. Danach kann man Nachrichten mit der Tastenkombination [strg]+[e] einzeln als gelesen markieren. Möchte man einen ganzen Feed als gelesen markieren kann man das mit der Kombination [strg]+[r].

Plasma Comics Disappearing Arrow Trick

Ich verwende das Comic-Plasmoid für eine Reihe an Webcomics (XKCD, Ctrl-Alt-Del, …) weil ich nicht permanent die ganzen Seiten aufrufen möchte. Unter 16.04 hat dieses das eigenartige Verhalten, dass die eingeblendete Pfeile zum Navigieren in den einzelnen Seiten eines Comics verschwinden, sobald man sie anklickt. Das führt dazu, dass man dann auch nicht zum nächsten oder vorherigen Comic gelangt, wodurch die Pfeile an sich nutzlos werden.

Lösung

Man kann in den Einstellungen des Plasmoids unter „Erscheinungsbild“ den Punkt „Pfeile nur bei Mauskontakt zeigen“ deaktivieren. Dadurch werden die Pfeile konstant angezeigt und funktionieren wieder. Ich habe es lieber, wenn sie nicht die ganze Zeit angezeigt werden, aber es ist ein funktionierender Workaround.

Schlusswort

Bis jetzt hatte ich noch nicht die Zeit diese Probleme bei ihren jeweiligen Bugtrackern zu melden. Sobald ich dazu komme verlinke ich sie hier.

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