Experiment Windows

März 24, 2014 um 11:00 vormittags | Veröffentlicht in Microsoft, Ubuntuusers, Vermischtes | 35 Kommentare

Zu Beginn: Nein, ich habe nicht vorauf Windows umzusteigen. Ich suche nur nach einer Möglichkeit Programme auszuführen, welche weder mit Wine noch in einer virtuellen Maschine laufen. Die (normalerweise) Windows-Programme brauchen also eine native Windows-Installation.

Beispiel gefällig? Vor wenigen Wochen erschien das von Fans der Reihe lang ersehnte "Might and Magic X". Nachdem das ursprüngliche Entwicklerstudio "New World Computing" bankrott ging wurden die Rechte an der "Might and Magic"-Reihe an Ubisoft verkauft. Ja. Ubisoft. Neben EA einer der großen Anhänger von DRM-Maßnahmen. Um "Might an Magic X" installieren und ausführen zu können muss es per UPlay aktiviert werden. Für alle, die es nicht wissen: UPlay ist Ubisofts Steam. UPlay läuft nicht mit Wine und das Spiel selbst braucht mehr als die mikrige 2D-Beschleunigung der virtuellen Maschine. Diese Kombination ist also von einem nativen Windows abhängig.

Ein Windows besorgen

Nachdem auf meinen Computern kein einziges Windows installiert ist muss ich erst eines installieren. Das bedeutet: ich muss mir eines besorgen. Im Gegensatz zum durchschnittlichen Windows-Benutzer möchte ich eine legale Version meiner Programme verfügbar haben und lade mir daher keine Crack-Version herunter. Es würde mich zwar schmerzen, wenn ich Geld an Microsoft zahlen müsste, als ehrlicher Nutzer wird mir das aber wohl nicht erspart bleiben … dachte ich.

Doch von Anfang an. Ich studiere an der Universität Wien Informatik. Ich habe noch nie Software von unserem Facultas gekauft, habe aber gehört, dass diverse kommerzielle Software für Studenten mit erheblichen Preisnachlässen zu haben ist. Also habe ich mich auf den Weg gemacht um eine Kopie eines Windows 7 zu holen. Die Website von Facultas selbst listet keine Zweigstelle auf, die sich auf Informatik spezialisiert. Eine kurze Suche im Netz liefert nur die Zweigstelle in der Brünnerstraße. Die ehemalige Zweigstelle, denn die dort ansäßigen Institute für Wirtschaftswissenschaften und Mathematik sind vor geraumer Zeit in den Neubau am Oskar-Morgenstern-Platz übersiedelt. Im dortigen Facultas, welcher ein wenig schwierig zu finden ist, wurde mir gesagt, ich solle mich an den Facultas der Technischen Universität (TU) oder an den ZID der Universität Wien wenden.

Nun bietet die Filiale der TU ihre Vergünstigungen nur für Studenten der TU an und der ZID kann direkt mit Software nicht dienen, da er in erster Linie eine Servicestelle ist, über welchen man diverse Dienste wie Webspace, Webmail und FTP-Server erhält. Allerdings offenbart der ZID unter dem Punkt "Microsoft Software" den Link zum MS Academic Aliance Partnerprogramm "DreamSpark" über welches Studenten der Universität Wien eine größere Auswahl an MS Software im Rahmen des Studiums kostenfrei nutzen können. Nun ist das zwar nicht mein primäres Bestreben, allerdings halte ich Entspannung zwischen dem Schreiben zweier Arbeiten auch für Teil des Studiums.

Wie dem auch sei, dieses Vorhaben erwies sich als recht schwierig umzusetzen …

Windows gefunden – Windows herunterladen – Ein Henne/Ei-Problem

Der Zugang zu DreamSpark ist nur aktiven Informatikstudenten der Uni Wien erlaubt. Einmal angemeldet kann man verschiedene Software in den Einkaufswagen legen. Beim Abschluss des "Kaufes" erhält man für jedes Produkt einen Lizenzschlüssel und einen Download-Link. Äh. Nein. Nicht ganz. Lizenzschlüssel: ja; Download-Link: nein. Es gibt ein Feld mit der Aufschrift "Download starten", dieses führt jedoch nur zu einer Erklärungsseite. Auf dieser finden sich zwei neue Links. Der erste führt zu einem "Secure Download Manager" und der zweite zu einer von diesem Programm lesbaren Meta-Datei, in welcher, wie bei Torrents, die Meta-Daten zum Download gespeichert sind. Füttert man die Datei in den Download Manager stößt dies den Download an.

Hierbei ergaben sich für mich zwei Probleme. Zum einen gibt es von diesem Download Manager offenbar nur Versionen für Windows und Mac OS. Versucht man die Datei unter Linux herunterzuladen erhält man automatisch die Mac OS Version … Stellt man den User-Agent um erhält man einen Windows-Installer … oder so. Die Installationsdatei weist die Endung *.msi auf und wird von Wine kategorisch verweigert. Um nun also etwas von diesem Web-Store herunterladen zu können brauche ich ein Windows oder einen Mac. Ein Mac kommt nicht im Entferntesten infrage (unter anderem weil ich auch niemanden kenne, der einen Mac verwendet), es muss also ein Windows her um ein Windows herunter zu laden …

Entgegen meiner heuchlerischen Worte von vorhin besitze ich doch eine Crack-Version von Windows XP. Diese habe ich vor langer Zeit von einem Kollegen bekommen, an sich verwende ich sie aber nicht. Nun gut, dann installieren wir das System in einer virtuellen Maschine, installieren den Download Manager und laden Windows 7 herunter – so der Plan. Es hakt. Die virtuelle Maschine (VirtualBox) ist kein Problem. Die Installation von Windows XP ist auch kein Problem. Dann versuche ich die MSI-Datei auszuführen. Nichts. Habe ich mich verklickt? Doppelklick auf die MSI-Datei. Wieder nichts. Nochmal. Nöp. Ich markiere die Datei und drücke die [Enter]-Taste. Njet. Rechtsklick -> Installieren. Merde. What the heck is going on? Ich starte die Commandline, navigiere in das Verzeichnis und führe die Datei direkt aus. "Zugriff verweigert". WTF? Das kannst du mir nicht graphisch sagen? Windows ist doch ansonsten immer schnell zur Hand mit nervigen Fehlermeldungen zum wegklicken!

Immer mit der Ruhe.

Ok, Bestandsaufnahme. Windows XP wird zwar noch ein paar Wochen lang offiziell unterstützt, aber vielleicht will der Installer doch etwas Neueres. Ich prüfe die Version von Windows XP und finde: SP2. Ok, versuchen wir ein Update. Nach viel herumgesuche in verwinkelten Systemmenüs (und Leute regen sich über KDE auf!) finde ich einen Punkt, welcher verspricht ein Systemupdate durchzuführen. Klick … Ein Internet Exploder startet sich. Man verzeihe mir den Ausdruck, aber es ist ein IE6! Der Abfall aus der untersten Schleimpfütze in der Softwarelandschaft. Der IE6 startet sich und will als Skript auf einer MS-Seite prüfen ob Updates verfügbar sind. Dazu muss er zuerst einen Haufen ActiveX-Elemente installieren … autsch. Nach einer Orgie von Unterseiten und Update-Tests erhalte ich am Ende die Meldung: die gesuchte Seite kann nicht gefunden werden.

Korrigiere mich einer, wenn ich falsch liege. Meine These ist, dass MS Windows XP schon vor langer Zeit aufgegeben hat. So gut wie nichts mehr funktioniert auf einer Neuinstallation. Das Ergebnis: ich bin alleine Unfähig mir eine Version von Windows 7 im Rahmen meiner Universität zu besorgen ohne dafür Länge mal Breite zu brennen. Meine Lösung: ich bat einen Kollegen, welcher eine für Spiele reservierte Windows-Maschine besitzt, um Hilfe.

Windows installieren … oder so

Bei unserem nächsten Treffen brachte er mir sowohl die 32- als auch die 64-bit-Version als ISO-Dateien mit. WIeder zu hause brannte ich beide Abbilder auf DVD-Rohlinge und installierte. Ähm … wollte installieren. Zuerst musste ich warten. Vom Beginn des Bootvorgangs von DVDs gezählte 2:11 Minuten bis überhaupt eine grafische Oberfläche erscheint. Danach weitere 3:16 Minuten bis endlich der erste Dialog angezeigt wurde. Dieser Dialog enthält ein Auswahlmenü für die Sprache, die während der Installation verwendet werden soll … absolut sinnfrei, da das installierte System dann sowieso nur in Deutsch vorliegt. Sobald diese Auswahl getroffen war … weitere 4:44 Minuten Wartezeit bis mir das Menü zum Formatieren der Festplatten angezeigt wurde. Die Partitionen sind schnell erzeugt und der installationsvorgang beginnt. Zum Glück dauert es nur 2:05 MInuten bis er mit einer Fehlermeldung abbricht. WT*?

Es stellt sich heraus, dass der Installationsvorgang genau zu dem Zeitpunkt abbricht, als die ersten Pakete entpackt werden sollen. Es scheint, als ob das Entpacker-Programm nicht vorhanden wäre …

Right …

Ich entsinne mich auch eine 32-bit Version zur Verfügung zu haben. Mein Plan: ich installiere die 32-bit-Version, lade das Abbild der 64-bit-Version erneut herunter (vielleicht gab es ja einen Fehler) und installiere diese dann. Womit ich nicht rechnete: Windows ist Windows. Nach einer ähnlich langen Wartezeit wie bei der Installation der 64-bit-Variante beginnt der Entpackvorgang, welcher nach vielen Gebeten, niedrig gehaltenen Hoffnungen und 9% mit einer Fehlermeldung abbricht. &#$?*§!! Die Fehlermeldung "0×80070570" (wow, das nenne ich Klarheit) ist laut dieser MS Support Seite ein Anzeichen für ein fehlerhaftes Medium.

Challenge accepted. Ich probiere die Installation beider ISOs in meiner VirtualBox … mit demselben Ergebnis. Es liegt also nicht an den gebrannten DVDs. Der Fehler muss bei den Abbildern sein. Laut meinem Kollegen gab es keine Probleme beim Download, wobei ich es dem ach so "Secure Download Manager" durchaus zutraue, dass er über Verbindungsunterbrechungen und dergleichen einfach schweigt und so tut, als sei nichts gewesen.

Ich traue meinem Kollegen, der selbst sehr viel informatisches Wissen besitzt, durchaus zu, dass er eine so einfache Aufgabe wie den Download zweier ISOs ohne Probleme bewältigen kann. Die Fehlerquelle ist also entweder der Download Manager oder bereits korrupte Abbilder am Server.

Ohne dem, was Microsoft als "Piraterie" bezeichnet, geht es offensichtlich nicht. Ich werde ein altes Windows Vista, welches als Recovery bei meinem ersten Laptop dabei war (ein sehr schrottiger Fujitsu Siemens), in meiner VirtualBox installieren und versuchen die Abbilder darüber herunter zu laden. Sollten die Fehler dieselben bleiben, so liegt es an den Abbildern am Server. Wenn nicht, dann hat der "sichere" Download Manager seine Arbeit beim ersten Mal nicht korrekt erfüllt. (Mich beschleicht das Gefühl, dass mit "Secure" hier nicht "sicher" sondern DRM gemeint ist.)

An sich war dieser Artikel als leicht satirisch angedacht, a’la "Windows hat keine Paketverwaltung, nänä", aber Windows wehrt sich wehement. Informatik ist keine exakte Wissenschaft. Das beweist Windows immer wieder, wenn es schafft sich selbst in den Fuß zu schießen. Unter einem Linux Live System könnte ich fehlende Pakete einfach nachinstallieren. Nicht so bei einem Windows, welches ohne Umschweife in einen Installer bootet.

Es kann ein bisschen dauern, bis ich mich dazu aufraffen kann den Vista-Weg zu gehen. Da dann sicherlich weitere Merkwürdigkeiten passieren werden, werde ich diese in einem weiteren Artikel zusammenfassen.

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Microsofts Argument gegen DVD-Codecs in Win8

Mai 9, 2012 um 8:48 vormittags | Veröffentlicht in Österreich, Microsoft, Multimedia | Hinterlasse einen Kommentar

Über einen Artikel des Standard bin ich auf dieses FAQ von Microsoft gestoßen. Wie viele vermutlich wissen hat Microsoft angekündigt keine DVD-Codecs in Windows 8 zu integrieren. Nach Meldungen sollen solche zwar in den aktuellen Testimages vorhanden sein, in der Verkaufsversion dann aber fehlen. Diese Entscheidung wird damit begründet, dass Windows 8 hauptsächlich auf Geräten ausgeliefert würde die gar kein geeignetes Laufwerk zum Abspielen einer DVD beinhalten. Soweit kann man dem Argument folgen. Bei der Frage

Why can’t I just pay for DVD when I need it?

Übersetzung
Warum kann ich für die DVD-Funktion nicht einfach zahlen wenn ich sie brauche?

gibt Microsoft folgende Antwort:

When we have DVD playback capabilities in software broadly like in Windows 7, there is no way to distinguish whether the PC will ever play a DVD disc but still this cost is carried on every PC. [...]

Übersetzung
Wenn die Möglichkeit zum Abspielen von DVDs so verbreitet wie in Windows 7 einsetzen gibt es keine Möglichkeit zu entscheiden ob der PC jemals eine DVD abspielen wird. Die Kosten dafür sind aber bei jedem PC-Kauf zu zahlen. [...]

Man lasse sich das Argument auf der Zunge zergehen. Microsoft stellt also von sich aus klar, dass die technische Möglichkeit etwas zu tun noch nicht Grund genug sind dafür auch zahlen zu müssen. Das dürfte besonders die RIAA, GEMA, AustroMechana und wie sie nicht alle heißen freuen, die von einer Leerkassettenabgabe bisher ganz gut profitieren. In Österreich besonders die AustroMechana welche sich zur Zeit für recht hohe Abgaben beim Kauf einer Festplatte einsetzt. Denn, so das Argument, jemand der die technische Möglichkeit hat soll auch dafür zahlen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Unter all den vorgeschlagenen Modellen zur Honorierung von künstlerischen Werken halte die die sogenannte Kulturflatrate für das beste Modell. Dabei zahlt jeder seinen Beitrag und eine Verwertungsgesellschaft schaut dazu, dass das vorhandene Geld gerecht aufgeteilt wird. ABER. Wenn ich pauschal für Kunst zahlen soll, dann will ich auch das Recht haben sie pauschal zu verwenden. Mit anderen Worten: für jedes Kunstwerk welches ich in meinem Land mit meinem Geld mitfinanziere muss gelten: das Werk geht in eine Art nationale Public Domain über. Wenn der Künstler das nicht will, dann hat er zwei Möglichkeiten: entweder das Werk unter eine spezielle Lizenz stellen oder es bei sich zu Hause im Keller vergraben. In beiden Fällen sehe ich aber auch keine Berechtigung mehr das Werk aus der Kulturflatrate zu bezahlen.

DIe Verwertungsgesellschaften haben bisher immer damit argumentiert, dass für die Künstler ein gleiches Recht gelten muss wie für jede andere Dienstleistung und ihre Werke somit nicht einfach gratis vervielfältigt werden dürften. Das ist für mich ein schiefes Bild. Ich bin der Meinung: gleiches Recht für alle. Der Künstler soll seine Entschädigung bekommen. Doch das wofür ich bezahle will ich auch verwenden dürfen.

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Windows Store Terms of Use – Was glauben die wer sie sind?

Dezember 10, 2011 um 10:40 vormittags | Veröffentlicht in DRM, Microsoft | Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt vermutlich, neben Anwälten, wenig Menschen, die sich jemals eine komplette Microsoft EULA durchgelesen haben. Vor langer Zeit habe ich mir das mal für Windows XP, MS Office und später Windows Vista angetan. (Zu den EULAs ist bei Microsoft selbst wenig zu finden, vor allem zu älterer Software.) Nach ein paar Stunden und mehreren Pausen war ich dann durch und nicht viel klüger. Auch damals fand ich darin bereits Punkte, bei welchen sich Microsoft Rechte einräumte, die heute zum Standardrepertoire jeder Software-Firma zu gehören scheinen:

  • Software wird zum Gebrauch lizensiert, nicht verkauft.
  • Microsoft kann die Unterstützung für die bezahlte Lizenz jederzeit und ohne Ankündigung beenden

Dementsprechend war ich nicht verwundert diese Punkte in der EULA zum kommenden Windows Store zu finden. Für alle die es nicht wissen: Der Windows Store ist ein App Store, welcher das kommende Windows 8 mit einfachem Zugang zu Apps versorgen soll.

Etwas überaschter bis irritiert war ich dann aber, als ich mir die weiteren Punkte durchlas. Da ist zum Beispiel davon die Rede, dass Microsoft, diesmal durch die EULA gedeckt, das OS zur Spyware machen darf:

To provide the Windows Store service, we may collect certain information about service performance, your service use, and your use of your Windows 8 Beta system.

Mit Windows 8 Beta System ist gemeint

… the device running Windows, any software running on that device, and any devices or software communicating with that device.

Also will MS nicht nur über mein Win8-Tablet Informationen erfassen dürfen, sondern auch über meinen Drucker, meinen Standcomputer, den Laptop meiner Freundin, meinen Homeserver, usw. …

Liest man weiter, so stößt man auf den Punkt “What are my rights for apps I get from the Windows Store?“. Der erste Satz hat bereits viel damit zu tun, was Microsoft als “Recht” des Konsumenten auffasst:

All apps made available through the Windows Store are licensed, not sold, to you.

Soweit bekannt. Auch in der restlichen Erklärung ist nichts zu meinen “Rechten” zu finden, sondern nur eine Definition wo meine Einschränkungen bei der Benutzung sind, und dass Dritte mit ihren Apps ganz eigene Nutzungsvereinbarungen treffen können.

Wenn ich nun bereits eine solche App gekauft habe findet sich ein neuer interessanter Punkt: fehlerhafte Abrechnungen. Dazu hat Microsoft folgendes zu sagen:

If we make an error on your bill, and we identify the error, we may correct it at any time, and you will pay the corrected amount. If you identify the error within 120 days after the statement date, we’ll investigate it promptly after you tell us and we’ll correct the charge if we agree that it was in error.

Natürlich kann man die von mir hervorgehobenen Punkte auch positiv sehen:

  • “we may correct it at any time” kann auch bedeuten, dass sie versuchen den Fehler so schnell wie möglich zu beheben. Es kann aber auch bedeuten, dass sie sich solange Zeit lassen können wie sie wollen. Das Geld liegt auf ihrem Konto ja ebenso gut wie auf meinem, oder?
  • “if we agree that it was in error” hat selbstverständlich seine Berechtigung. Bloß weil ich einen vermeintlichen Fehler melde, heißt das noch nicht, dass es tatsächlich einer ist. Soweit so unspektakulär. Hinsichtlich Microsofts Geschichte im Umgang mit Fehlern (Stichwort: It’s a feature, not a bug) hinterlässt diese Formulierung dann doch einen schalen Geschmack.

Eine weitere interessante Regelung findet sich bei einer eventuellen Rückgabe einer App. Da es ja durchaus sein kann, dass ich die falsche App ausgesucht habe sollte man meinen, dass es eine Möglichkeit gibt diese “zurück zu geben”. Eventuell innerhalb eines kurzen Zeitraumes mit voller Kostenrückerstattung. Microsoft schließt das von vornherein aus:

Because the Windows Store services begin immediately when you acquire an app, you do not have the right to cancel your purchase once you get the app. This means there is no withdrawal right or “cooling off” period for your use of the Windows Store, and all charges for apps are non-refundable, except as described in this section. Unless the law in your territory requires a “cooling off” period despite this agreement, you waive any right to a “cooling off” period.

Die “Exceptions described in this section” inkludieren: Apps die sich nicht installieren lassen und Apps deren Beschreibung nicht mit deren Funktionsumfang übereinstimmen. Natürlich gibt es die Gefahr, dass ich mir eine App kaufe, ein Backup des Codes mache und die App wieder zurückgebe. Das ließe sich innerhalb von Minuten bewerkstelligen. Da die App aber vermutlich ohne gültige Lizenz, welche bei einer Deinstallation wohl gelöscht würde, sowieso nicht laufen wird heißt das Credo hier offensichtlich: Kulanz gleich Null.

Wir kommen zum, meiner Ansicht nach, wichtigsten Punkt dieser EULA: “Can Microsoft remove apps or data from my device?“. Die spannende Frage nach einem Kill Switch, wie ihn die App Stores von Apple und Google ja bekanntlich besitzen. Beginnen wir mit dem ersten Satz:

We may change or discontinue certain apps or content offered in the Windows Store at any time, for any reason.

Ein alter Hut. Eine App die du heute bei uns siehst, muss morgen nicht mehr im Angebot sein. Weiter:

In cases where your security is at risk, or where we’re required to do so for legal reasons, you may not be able to run apps or access content that you previously acquired or purchased a license for.

Soweit so klar. Microsoft kann auch rechtlichen oder Sicherheitsgründen eine App auf meinem Gerät deaktivieren oder Daten löschen. Hä, was? Microsoft kann meine Daten löschen? Ah, es geht “nur” um “content that you previously acquired or purchased a license for“. Also um Filme, Musik und dergleichen welche ich über den Windows Store bezogen habe. Und nur dann, wenn es rechtlich notwendig ist oder Sicherheitsbedenken bestehen. Oder?

If the Windows Store, an app, or any content is changed or discontinued, your data could be deleted or you may not be able to retrieve data you have stored. We have no obligation to return data to you. If sign in information or other data is stored with an expiration date, we may also delete the data as of that date.

Herr Maier, wie nochmal? Wenn eine App oder ein Medium verändert oder nicht länger unterstützt wird, oder einfach der gesamte Store den Bach runter geht, dann behält sich Microsoft das Recht vor all diese Daten zu löschen? Einfach so? Das wäre in etwa gleichbedeutend wie: Saturn sperrt zu und mein PC explodiert. Bloß weil der Anbieter verschwindet, darf ich also seine Inhalte nicht mehr verwenden. Das ist harter Tobak. Leider, wenn man sich die Geschichte “lizensiert, nicht verkauft” zu Ende denkt, ist das die logische Folge. Mich wundert ja nur, dass nicht alle mit dem Internet verbundenen XP-Maschinen am Ende des Supportzeitraumes automatisch ein format C: ausgeführt haben.

Ein weiterer interessanter Punkt ist der Folgende:

Some apps may also stop working if you update or change your Windows 8 Beta device, or if you attempt to use those apps on a Windows 8 Beta device with different features or processor type.

Diese Ankündigung verwundert mich über die Maßen. Bei einem Update meines OS oder beim Austausch einer Komponente oder beim Versuch die App auf einem anderen Windows 8 Gerät auszuführen, welches andere Hardwaremerkmale oder einen anderen Prozessortyp hat, kann es sein, dass eine App nicht mehr funktionieren will. Ja klar, Kompatibilität, Bits der CPU, … äh, wie nochmal? War da nicht die Ankündigung von MS, dass Apps vorrangig auf HTML5, Javascript und CSS basieren sollen? Auch im Artikel wie man eine grundsätzliche Metro App schreibt werden diese Sprachen im selben Atemzug mit C++, C# und Visual Basic genannt. Später werden sie dann überhaupt alleine hervorgehoben. Keine der angesprochenen Sprachen funktionieren ausschließlich mit einer ganz bestimmten Hardware-Konstellation. Einzig C++ muss für einen alternativen Prozessor eventuell neu kompiliert werden. Da MS aber Win8 bekanntlich auch für die ARM-Architektur herausbringen will, kann man sich wohl erwarten, dass es auch Versionen der Apps für diesen Prozessortyp gibt. Ah, ich vergas. Es handelt sich dabei nicht um Probleme der Apps, sondern um technische Beschränkungen. Du darfst eine App nur so verwenden, wie wir es dir erlauben. Ein altbekanntes Motto von Microsoft.

Auch die nächste Frage wird spannend: “Can Microsoft change the Windows Store or my access to it?“. Antwort:

We may change the Windows Store at any time, for any reason or no reason, and we may also cancel or suspend your ability to access the Windows Store if you’re in breach of this agreement. If we cancel your Windows Store service account or your credentials, your right to use the Windows Store stops immediately, but you’re still required to pay all charges already incurred through that account.

Den “breach of this agreement” behandelt Microsoft gleich im nächsten Punkt “Can Microsoft change these Terms of Use?“:

Yes.

Microsoft kann jederzeit die “Terms of use” ändern, womit sich ein Nutzer von jetzt auf gleich außerhalb der Bedingungen befinden kann. Besonders wird diese Frechheit aber durch folgenden Punkt bewusst:

We’ll indicate the date on which these terms were last updated at the top of the most current version of the terms. You are encouraged to revisit the terms of use before each acquisition from the Windows Store. Every time you attempt to install an app, you’re confirming your agreement to the then-current terms. You should check the version date on the terms from time to time to make sure you’ve reviewed the latest version of the terms. We might also require you from time to time to click a button or other indicator to accept an updated contract that includes changes (although we aren’t required to do so for any changes to these terms to be binding). If you don’t agree to those changes, you have no rights to continue to access the Windows Store.

Die einzige Möglichkeit herauszufinden, zu welchen Bedingungen ich eine App kaufe, ist die “Terms of use” jedesmal, wenn ich eine App kaufe, durch zu lesen. Der einzige Ort an welchem ich herausfinden kann, ob ich mich noch einmal durch den ganzen Mist quälen muss ist die Seite mit den “Terms of use” selbst. Rein theoretisch müsste ich also, wenn ich drei Apps kaufe, vor dem Kauf jeder einzelnen App diese Bedingungen durchlesen um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Microsoft schreibt zwar, dass sie möglicheweise manchmal eine Aufforderung neue Bedingungen zu akzeptieren in Form eines Knopfes anzeigen. Welch Hürde. Dies muss aber nicht geschehen, damit diese Bedingungen rechtlich bindend sind. Ich frage mich was Konsumentenschützer zu dieser Konstruktion sagen würden.

Ich gebe zu, dass dies die erste EULA von Microsoft ist, bei deren Durchlesen mir schlecht geworden ist. Trotzdem, dass es sich bei vielen Punkten hier um altbekannte Allüren eines Softwareproduzenten handelt, dessen Tentakel bis in unser privates Leben hineinreichen (Hotmail, MSN, Skype, Bing, …) bin ich entsetzt von der Selbstverständlichkeit mit der Microsoft hier die Beschränkungen seiner Kunden festlegt. Als ob es keine Alternative gäbe und der Nutzer eh nur die Produkte von Microsoft verwenden könnte. Friss oder stirb. Kein Gott neben Microsoft.

Ich habe in meinem Leben noch keine Kaufempfehlung an irgendwen für ein Microsoft-Produkt gegeben. Ich halte mich bisher diesbezüglich zurück und gebe eher Empfehlungen z.B. reine Hardware zu kaufen und eine GNU/Linux-Distribution aufzuspielen. In diesem Fall jedoch mache ich eine Ausnahme. Mit Hinweis auf diese EULA werde ich aktiv jeder Person mit der sich das Thema ergibt vom Kauf eines Gerätes mit vorinstalliertem Windows 8 oder einem Installmedium mit der Software selbst abraten. Es handelt sich dabei, meiner Meinung nach, um eine größere Gefahr für die Freiheit des Nutzers als die, noch nicht bestätigten, Befürchtungen zu Secure Boot.

Was ist deine Meinung dazu? Hast du dir frühere EULAs durchgelesen? Siehst du den Inhalt der Windows Store Terms of Use positiver als ich?

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FSF gegen “zu” sicheres Booten

Oktober 19, 2011 um 11:16 vormittags | Veröffentlicht in DRM, Free Software/Open Source, GNU/Linux, Microsoft, Ubuntuusers | 20 Kommentare

Seit bekannt ist, dass Microsoft nur solche Geräte als Windows 8 kompatibel auszeichnen wird welche das sogenannte Secure Boot unterstützen und standardmäßig eingeschalten haben ist eine Diskussion in der Free Software Community entflammt. So wurde kolportiert, dass es den Herstellern zu aufwändig sein könnte dieses “Feature” unter die Kontrolle des Nutzers zu stellen, sprich: abschaltbar zu machen.

Zur Info: Secure Boot nennt sich ein Verfahren, welches nur Kernel booten soll welche mit einem hinterlegten Schlüssel signiert sind. Die Befürchtungen gehen in die Richtung, dass der Nutzer selbst keine Schlüssel hinzufügen kann (z.B. für den eben selbst kompilierten Kernel) oder nicht in der Lage sein wird Secure Boot etwa durch abschalten zu umgehen. Das hätte zur Folge, dass nur Windows 8 auf diesem Computer lauffähig wäre, da sich nicht einmal eine LiveCD zur Installation starten ließe.

Die FSF hat, als Vorsichtsmaßnahme, eine Stellungnahme veröffentlicht in welcher sie Hardwarehersteller und Microsoft dazu auffordert darauf zu achten, dass durch Secure Boot (welches die FSF Restricted Boot nennt, für den Fall, dass sich die Befürchtungen bewahrheiten) die Freiheiten der Nutzer alternative Software auf dem Computer zu installieren nicht beschnitten wird. Dazu hat die FSF auch eine Unterschriftenaktion gestartet.

Man kann über die FSF (und Richard Stallman) sagen was man will, ich sehe den Sinn dieser Kampagne vor allem darin die Aufmerksamkeit von Hardwareherstellern zu erlangen. Wenn Secure Boot einmal implementiert ist werden die wenigsten Hersteller dazu geneigt sein es im Nachhinein groß anzupassen.

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Microsoft: Schwanzlängenvergleich mit Firefox und Chrome

Oktober 12, 2011 um 1:52 nachmittags | Veröffentlicht in GNU/Linux, Internet, Microsoft, Multimedia | 4 Kommentare

Über einen Heise-Artikel kam ich auf die (Werbe-)Website yourbrowsermatters.org (man lasse sich das *.org für eine Werbewebsite von Microsoft auf der Zunge zergehen). Dort soll der Sicherheitsindex für den eigenen Browser angezeigt werden. Dass es sich dabei nur um eine (ich wiederhole mich) Werbewebsite handelt beweist Microsoft damit, dass nur die beiden größten Konkurrenten Firefox (2 Punkte von möglichen 4 in der Version 7.0) und Chrome (2.5 Punkte von möglichen 4) mit dem aktuellen Internet Explorer verglichen werden. Bei einem Versuch mit rekonq oder Chromium(!) wurde nur der Text "WE CAN’T GIVE YOU A SCORE FOR YOUR BROWSER." angezeigt. Einen Vergleich für Webkit-Browser allgemein gibt es also nicht.

In verschiedenen Videos (Flash gebraucht … war da nicht mal von HTML5 die Rede?) und Artikeln wird dem Nutzer eingeredet wie man es mit der Browsersicherheit "richtig macht". Schließlich folgen Links welche einen dazu animieren sollen den Internet Explorer 9 (ob der auf Wine läuft?) herunterzuladen und zu installieren. Angesichts der Zwangs"sicherheits"updates der letzten Versionen des IE wundere ich mich, dass das überhaupt notwendig ist. Auch findet man seinen Weg um seine Windows-Installation (oh, verdammt, ich hab ja keine) zu aktualisieren, bzw. gibt es einen Verweis zum MS Security Center wo man verschiedene SIcherheitssoftware bekommen soll.

Die ganze Website ist (aus Werbegründen) bereits dem Design von Windows 8 angepasst. Die (meiner Meinung nach hässlichen) Kacheln findet man überall. In einer davon findet man diesen interessanten Text: "Make sure you are opening secured connections to the pages; you do this by typing in "HTTPS" at the beginning of a URL." Kann man etwa seit Neuestem die URL von Links welche man anklickt von Hand bearbeiten bevor die Seite geladen wird? Sinnvoller wäre es vermutlich, wenn der Browser sich beim Betreten einer neuen Domain zuerst danach umsieht ob eine https-Verbindung möglich ist und diese automatisch bevorzugt benutzt.

Besuch auf Microsoft.com

Schelm der ich bin habe ich natürlich den Link für das Update der Windows-Installation angeklickt. Blöderweise funktioniert zumindest das Windows-Update nur mit einem IE. Naja, dann halt das nächste Mal (…). Aber wenn man schon mal da ist, kann man auch schauen ob microsoft.com auch sinnvolle Informationen beinhält. Dazu tippte ich einfach "linux" in das Suchfeld ein und siehe: Bing hat das Stichwort nicht automatisch vollzensiert. Der erstgereihte Eintrag war mit dem Titel "Entfernen von Linux und Installieren von Windows XP" benannt. Gut, die letzte Version dieses Artikels stammt vom 12.06.2006. Deswegen kein peinlicher Versuch Brachialwerbung für Vista zu machen.

Sehr interessant finde ich die Zusammenfassung die wie folgt beschrieben wird:

In diesem Artikel wird beschrieben, wie Sie das Betriebssystem Linux von Ihrem Computer entfernen und Microsoft Windows XP installieren können. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Linux bereits auf der Festplatte installiert ist, dass Linux-eigene Partitionen und Linux-Auslagerungspartitionen verwendet werden (die mit Windows XP inkompatibel sind) und dass kein freier Speicherplatz mehr auf der Festplatte verfügbar ist.

Linux-Swap ist mit Windows XP inkompatibel? Interessant. Nach meiner Kenntnis sind Swap Partitionen unter UNIX älter als Microsoft selbst … (leider habe ich hierfür keinen Link gefunden. Älter als XP sind sie jedoch allemal).

Als ein schönes Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit ein Dual-Boot-System mit einem nicht-MS-System erzeugen zu können werte ich folgenden Hinweis:

Hinweis: Windows XP und Linux können gleichzeitig gemeinsam auf demselben Computer installiert sein. Weitere Informationen finden Sie in Ihrer Linux-Dokumentation.

Die Formatierung der Platte (ja, alles wird plattgemacht) soll dann über die vorzuhaltende Linux-Bootdiskette mit dem darauf befindlichen Programm fdisk erledigt werden. (Ach, wie oft habe ich mit einer LiveCD die Platte für eine Windowsinstallation vorbereitet …) Die Anleitung besteht dann im Großen und Ganzen aus einer Beschreibung des Tools fdisk und der Bemerkung, dass man jetzt die WinXP-Install-CD einlegen soll.

Schon irgendwie traurig, wie der weltgrößte Hersteller von Software (auch heute noch) auf ein (von ihm verteufeltes) Konkurrenzprodukt angewiesen ist um einfache Arbeiten ohne Klicki-bunti ausführen zu können. Dieser Artikel sollte an sich kein MS-bashing (außer den kontinuierlichen Hinweis, dass es sich um eine Werbewebsite handelt) beinhalten. Die Website ist aber eine zu gute Vorlage …

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Richard Stallman in der TU Wien

Juli 2, 2011 um 1:07 vormittags | Veröffentlicht in Apple, Österreich, DRM, Free Software/Open Source, GNU/Linux, Internet, Microsoft, Ubuntuusers | 13 Kommentare

Gerade komme ich zurück aus dem Kuppelsaal der Technischen Universität Wien. Ich komme von einem Vortrag von Richard Stallman welcher den Titel "Ungerechtigkeiten durch proprietäre Software oder wie Patente und Lizenzen Entwicklungen behindern". In einem Publikum, welches hauptsächlich aus jungen Erwachsenen bestand, war das Gefühl einer kollegialen Atmosphäre spürbar. Im Unterschied dazu, wenn den Vortrag z.B. Robbie Williams oder Bruce Willis gehalten hätten, war Stallmans Auftritt fast nicht zu bemerken und bevor er anfing das Mikrofon zu testen waren die meisten Anwesenden noch in Gespräche vertieft. Als er jedoch die Aufmerksamkeit für sich beanspruchte stand vor den Zuhöhrern ein mittelgroßer Mann mit einem, in Wien als Käsekrainerfriedhof bekannten, hervorstechenden Körpermerkmal und ohne Schuhe.

Richard Stallman in der TU Wien

The Four Freedoms

Stallmans erstes Thema waren natürlich die vier Freiheiten, die die FSF versucht PC-Nutzern zu geben. Diese Freiheiten, welche auch in den verschiedenen Versionen der GPL festgeschrieben sind, erklärte Stallman so:

Freedom 0

The Freedom to run a program as you wish

Dies bedeutet, dass der Nutzer die Freiheit haben soll, ein Programm nach den eigenen Wünschen ablaufen zu lassen. Dazu gehört sowohl die Frage wo, wie oft und wann das Programm läuft.

Freedom 1

The Freedom to study the code of a program and change it

Dazu gehört einmal die Möglichkeit überhaupt an den Quellcode eines Programmes zu kommen und die von vielen Lizenzen in jedem Fall auferlegte Beschränkung diesen Code an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Hier brachte er mehrere Beispiele für seine These: Ein Programm beinhält keinen schädlichen Code. Ich kann dies jedoch nicht überprüfen. Damit beinhält es potenziell schädlichen Code.

An dieser Stelle schenkte er sich eine Tasse Kaffee ein. Der Mann hatte die Ruhe weg.

Er erklärte, dass schädlicher Code für gewöhnlich aus einem der folgenden Gründe als solcher klassifiziert wird. Die Software

  • spioniert den Computer und/oder das Verhalten des Nutzers aus
  • verweigert bereits auf Codeebene bestimmte Möglichkeiten mit ihr zu arbeiten (DRM)
  • beinhält eine Backdoor durch die der Autor Zugriff oder sogar Herrschaft über den PC nehmen könnte

Dieses Verhalten sei in modernen Geräten oder Systemen des öfteren zu beobachten. Als Beispiele nannte er:

  • Microsoft Windows, welches alle drei Punkte erfülle. Er bezeichnete Windows deshalb als unlimited Malware, da Microsoft jederzeit die Möglichkeit hätte ohne Wissen und das OK des Nutzers weiteren schädlichen Code nach zu installieren.
  • iPhone (spyPhone) und iPad (iBad), welche dem Nutzer digital Handcuffs (Handschellen) anlegten indem die Programme die auf diesen Geräten laufen dürften von Apple stark eingeschränkt und kontrolliert würden. Damit würde dem Nutzer die Freiheit 0 genommen.
  • Amazon Kindle (Swindle), welcher über eine Backdoor verfüge über die Amazon bereits gekaufte Bücher von Kindle ohne die Zustimmung des Nutzers löschen kann. So geschehen im Sommer 2009 ausgerechnet mit George Orwells 1984. Außerdem verfüge Amazon über eine Liste mit den Lesegewohnheiten von Kindle-Nutzern. Dies wird vor allem in nicht freien Ländern wie China und Anderen zum echten Problem.
  • Adobe Flash sei ein Beispiel für eine Software, bei der der Nutzer nicht dafür zahlen müsste ausgebeutet zu werden. In diesem Fall nannte er die Malware ihren Preis nicht wert.

Freedom 2

The Freedom to distribute exact copies of a program

Das Weitergeben, Verteilen oder sogar Weiterverkaufen eines Programmes unter denselben Bedingungen ist der FSF hiermit ein Anliegen. Stallman meinte, dass proprietäre Software eine Person hier in ein moralisches Dilemma führen könnte.

Man stelle sich vor, ein Freund hätte gerne eine Kopie einer Software die dieser auf meinem Computer gesehen hat. Die Lizenz der Software verbietet jedoch ausdrücklich Vervielfältigungen und das Weitergeben von Kopien. Davon ausgehend, dass dieser Freund ein gutes Mitglied der Gesellschaft ist, welche am Besten zusammenarbeiten kann wenn alle mit allen teilen, und dieser damit eine Art Anrecht auf meine Kooperation (als ebenfalls gutes Mitglied der Gesellschaft) hat stehe ich nun vor zwei nicht besonders guten Möglichkeiten, die Stallman ausdrücklich beide als schlecht bezeichnet: entweder ich gebe dem Freund eine Kopie und missachte die Lizenz des Programmes oder ich verweigere dem Freund die Kooperation und verhalte mich gemäß der restriktiven Lizenz. Stallman schlägt hier vor die Wahl zu treffen, welche am wenigsten Schaden anrichtet. Dies wäre seiner Ansicht nach die Wahl dem Freund eine Kopie der Software zu geben. Nochmals: er bezeichnet beide Möglichkeiten als schlecht und weißt darauf hin, dass ein solches Dilemma bei Freier Software nicht entstehen könnte.

Weiters meinte er, dass es nicht gut wäre die Software komplett unlizensiert zu lassen, denn: "Unlicensed is nearly as nasty as licensed". (Unlizensiert ist fast so scheußlich wie lizensiert.)

Freedom 3

The Freedom to distribute modified versions of a program

Selbst wenn das Programm weitergegeben und verändert werden darf ist es wichtig, dass auch eine veränderte Version unter denselben Bedingungen weitergegeben werden muss. Stell dir vor, jemand verändert eine kleine Kernel-Funktion und bringt damit ein auf dem Linux-Kernel basierendes proprietäres Betriebssystem heraus. Diese Regel verhindert dies.

Stallman vergleicht diese grundlegenden Freiheiten bei der Benutzung eines Computers mit einer Demokratie. Jede Person kann entscheiden wie stark sie sich in den demokratischen Prozess einbringt und welche Rechte sie in Anspruch nimmt. Hier liegt auch eine der stärken der vier Freiheiten: niemand wird gezwungen sie in Anspruch zu nehmen. Jede Person hat die Möglichkeit sich in die Abhängigkeit einer anderen Person oder Firma zu begeben. Genauso wie in einer Demokratie jede Person die Möglichkeit hat die Demokratie zu kritisieren oder eine politische Bewegung zu unterstützen welche die Demokratie offen ablehnt.

Proprietäre Software nennt Stallman dementsprechend Werkzeuge einer Diktatur. Es sei Software die mit der Absicht geschrieben wurde den Nutzer zu verletzen.

Richard Stallman in der TU Wien

Worte und ihre Bedeutungen

Stallman warnte davor die "Propaganda" der Hersteller proprietärer Software und anderer Produkte zu verwenden. So würde er selbst, gefragt nach seiner Meinung zu "piracy", antworten: "Attacking ships is bad." (Schiffe anzugreifen ist schlecht.) Ihm sei auch kein Fall bekannt in welchem Piraten versuchten mittels Musik ein anderes Schiff anzugreifen. Demnach sei der Begriff "music piracy" absolut nichtssagend.

Natürlich kam Stallman auch auf den Unterschied zwischen Linux und GNU/Linux zu sprechen. Nach seiner Ansicht war der Linux-Kernel nur das letzte Teil das dem GNU-System gefehlt hatte um ein vollständiges Betriebssystem zu sein. GNU Hurd ist ja, wie wir wissen, bis heute nicht fertig. Damit wäre das hauptsächliche System ein Produkt des GNU-Projekts und sollte auch entsprechend benannt werden. Neben dem "Ruhm", der laut Stallman nur zweitrangig ist, sei es die mit GNU verbundene Philosophie, welche durch die Nennung des Namens Verbreitung finden würde. Denn nur wenn Menschen ihre Freiheiten schätzen würden, würden sie sich dafür einsetzen und versuchen diese zu verteidigen.

Dasselbe Szenario sieht Stallman auch bei den Begriffen Free Software und Open Source. Open Source sei nur ein Begriff der es vermeiden würde sich mit Freiheit und damit mit den ethischen Forderungen von GNU auseinander zu setzen.

Weiteres

Stallman erzählte außerdem aus seiner Vergangenheit und welche Motivationen ihn dazu brachten GNU und die Freie Software Bewegung zu gründen. Unter den verlinkten Artikeln ist dazu mehr Information zu finden.

Copyleft Lizenzen widmete Stallman ein paar Minuten. Hier erklärte er die wichtigen Unterschiede zwischen freien Lizenzen mit und ohne Copyleft.

Cloud Computing, am Beispiel Software as a Service war Stallman während des gesamten Vortrags offensichtlich ein wichtiges Thema. Er wies mehrmals darauf hin, dass bei dieser Technologie dem Nutzer die Möglichkeit genommen würde zu kontrollieren was genau die Software mit den vom Nutzer zur Verfügung gestellten Daten tut. Dies würde ihm die erste Freiheit nehmen.

Auch Software in Education erwähnte Stallman. Hier wies er darauf hin, dass Schüler von proprietärer Software, die der Schule günstig oder gratis abgegeben würde, abhängig gemacht würden. Dieselbe Software würde den Schülern nach ihrem Abschluss natürlich nur zu einem höheren Preis vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Damit würden Schulen ihre Bildungsfunktion ignorieren.

Kurz vor dem Schluss des Vortrags kam noch ein Vertreter der Free Software Foundation Europe zu Wort und erklärte die Ziele der FSFE.

Danach versteigerte Stallman eine Figur eines Gnus. Dieses bezeichnete er durchgehend als "adorable" (liebenswert). Der Ausrufungspreis von € 20,- wurde mit einem Verkaufspreis von € 250,- bei weitem übertroffen. Auch eine Ausgabe des Buches "Free Software, Free Society" (fsf.org-Shop, hier kann das Buch auch gratis als PDF heruntergeladen werden) wurde versteigert. Es brachte immerhin € 200,- ein.

Zum Abschluss stellte sich Stallman noch den zahlreichen Fragen der Zuhörer.

Fazit

Meiner Meinung nach hat die Quintessenz hier gute Arbeit geleistet und eine gute Veranstaltung auf die Beine gestellt. Der Vortrag war interessant (auch wenn er sich hauptsächlich mit grundsätzlichen Fragen beschäftigt hat). Stallman hat eine bildliche und humorvolle Sprache, mit welcher er seinen, für manche sicherlich exotischen, Standpunkt gut erklären konnte. Was mir Leid tut, ist dass ich keine bessere Kamera dabei hatte. Alle Fotos sind mit meiner Handykamera aufgenommen worden.

Der ganze Vortrag wurde vom Veranstalter gefilmt. Ich habe bereits eine eMail mit der Bitte um zur Verfügungstellung des Filmmaterials geschickt. Sobald eine Antwort eintrifft verlinke ich hier auf das Video.

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Das Ende der Netbooks – Schuld von Linux?

Juni 24, 2011 um 10:33 nachmittags | Veröffentlicht in Computer, Debian, Free Software/Open Source, GNU/Linux, KDE, Microsoft, Ubuntu, Ubuntuusers | 35 Kommentare

Über die Groklaw Newspicks ist mal wieder ein Artikel von Steven J. Vaughan-Nichols reingeflattert, in welchem er versucht der Frage nachzugehen, warum Netbooks nach der großen Erfolgsgeschichte der letzten Jahre nun wieder stark an Boden verlieren. Allerdings verkommt die Fragestellung zu: "warum Linux auf Netbooks verschwunden ist". Ich selbst verwende zwar keine Netbooks, aber in meinem Bekanntenkreis tauchen die Dinger immer wieder auf und dementsprechend habe ich ein wenig Erfahrung mit den Problemchen die sie mit sich bringen.

Hauptsächlich sind mir folgende Argumentationslinien aufgefallen:

1. Microsoft und Intel haben sich verschworen. Microsoft hat, da Vista nicht auf der schwachen Hardware lief die ein Netbook mitbrachte, XP einfach unter Preis an OEMs verkauft um es attraktiver zu machen (immerhin wollten die Endnutzer ja etwas Bekanntes haben). Die Argumentation besagt weiter, dass M$ die OEMs mit den billigeren Lizenzen dafür "bezahlt" hätte, kein Linux vorzuinstallieren. Ich habe keine Beweise dafür (und entsprechende Links bleibt auf Vaughan-Nichols schuldig), nach Microsofts geschichtlichem Umgang mit Konkurrenten würde es mich aber nicht verwundern.

2. Linux und Freie Software im Allgemeinen können Windows nicht das Wasser reichen. Die Argumentation ist im Großen und Ganzen: "Weil Windows Windows ist." Keine besonders faire Argumentation, aber leider wahr. Die Endnutzer wollen etwas Bekanntes mit dem sie arbeiten können. Ich habe selbst vor ein paar Jahren eine Diskussion mit einem Netbook-Nutzer gehabt, der das vorinstallierte Linux recht schnell von der Platte gelöscht und sich (ziemlich umständlich, aber ohne CD-Laufwerk geht das bei Windows ja nicht so leicht) ein XP drauf installiert hat, weil er die gewohnte Arbeitsfläche haben wollte. Er meinte: "Linux funktioniert für mich einfach nicht."

Mir ist aufgefallen, dass es sich beide Seiten etwas zu einfach machen. Microsoft böse Geschäftspraktiken per se zu unterstellen ist ebenfalls unfair. Es handelt sich um eine Firma, welche, wie alle anderen Firmen ebenfalls, möglichst viel Geld machen will. Dass sie dabei unfaire Methoden verwenden und links und rechts FUD verstreuen bringt auch mich jedesmal zur Weißglut, aber solange sie sich innerhalb der für sie gültigen gesetzlichen Grenzen bewegen muss man es leider akzeptieren und kann nur versuchen mit Qualität und Mundpropaganda zu konkurrieren. Auf der anderen Seite Freier Software zu unterstellen, sie sei minderwertig einfach "weil es freie Software ist" ist auch eine Behauptung ohne Boden. Angefangen vom Linux-Kernel über die grafischen Oberflächen (wie GNOME und KDE), Firefox/Thunderbird, OpenOffice.org/LibreOffice, Wine, Audacity und VLC über Blender, Inkscape und einen Haufen an kleinen Miniprogrammen, welche eine bestimmte Aufgabe erledigen (und die richtig) bietet freie Software schon seit Jahren mit Ubuntu, Fedora und anderen Einsteiger-Distributionen einen Haufen an Software die sich durchaus mit ihren bekannteren kommerziellen Pendants messen können. Die Qualität der Software selbst kann es also nicht sein. Oder?

Wer sich zur Anfangszeit der Netbooks, bevor XP und später Windows 7 den Markt für sich beansprucht haben, mal ab und zu bei Saturn und Konsorten herumgetrieben haben hat vor allem eines gefunden: Auf den meisten Netbooks, allem voran auf dem Asus EEE PC war Xandros vorinstalliert. Auf Debian basierend wurde als grafische Oberfläche ein KDE eingesetzt, der bis zur Unkenntlichkeit an das Design von XP angepasst war. Nicht nur hat es mir als Linux- und KDE-Nutzer schon damals im Magen weh getan dies zu sehen, hatten auch die meisten Leute deren Kommentar ich gehört habe ein gemeinsames Problem: Es sieht aus wie Windows, verhält sich aber nicht so. Meine Antwort: No na.

Wie in vielen Gegenüberstellungen der Vergangenheit kann auch hier nur der Schluss gezogen werden: Linux ist nicht Windows und wird sich niemals so verhalten. Blöderweise wollen die Nutzer aber eben nicht das Design sondern das Verhalten des Systems mit dem sie bisher gearbeitet haben auch in Zukunft haben. Insofern könnte die nächste Chance für Linux sein, wenn Microsoft tatsächlich seine Kachel-Oberfläche für Windows 8 bringt, mit einem gewohnteren Desktop aufzuwarten. Ich fürchte aber, dass die meiste Umsteiger sich eher für einen Mac entscheiden werden. Denn: "Der funktioniert einfach".

Zurück zum Thema: dass Linux auf dem Netbook gegen Windows verloren hat ist Geschichte. Netbooks werden heute weniger beworben. Tablet und Smartphones sind die aktuellen Melkkühe der Computer-Industrie. Allerdings ist es auch zu kurz gegriffen zu sagen: "Linux hat verloren weil XP erfolgreicher war". Die Nachrichten zu der Zeit sprachen eine ganz bestimmte Sprache: Linux-Netbooks hatten eine etwa gleich hohe Rückgabezahl (in Prozent) wie Windows-Netbooks. Und das obwohl das vorinstallierte Xandros (für mich) ein wahrer Graus in der Benutzung war. Aber es geht weiter: Die meisten Linux-Modelle wurden alternativ auch mit Windows XP ausgeliefert. Nach einer kurzen Zeit sogar mit besserer Hardware als die Linux-Pendants. Zum gleichen Preis.

Hä hö? Was? Ja. Ich kann mich noch gut an einen bekannten Online-Shop erinnern, der zwei Baugleiche Netbooks (mit Linux oder WinXP) zu jeweils € 239,- angeboten hat. Die Linux-HDD hatte 12 GB. Die Windows-HDD hatte 20 GB. Soll mir einer erklären wie sich das rechnet. Aber warum soll ich als Endnutzer so blöd sein und gleichviel Geld für weniger Leistung und ein mir unbekanntes System zahlen?

Wie genau das funktioniert hat ist wohl eine Frage, die uns niemals beantwortet wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine Xandros-Lizenz mehr gekostet hat als eine XP-Lizenz unter Preis. Aber ich lasse mich gerne von Beweisen überzeugen. Mich interessiert das Thema jetzt, hat jemand vielleicht interessante Links die etwas mehr Einblick in diese Geschehnisse geben können?

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Google entwickelt Linux für den Browser

April 1, 2011 um 5:28 vormittags | Veröffentlicht in 1. April, Google, Humor, Internet, Microsoft, Multimedia, Ubuntuusers | 9 Kommentare

Wie vor kurzem bekannt wurde arbeitet Google wieder einmal an einer Revolution. Für kurze Zeit, der Eintrag ist inzwischen wieder offline, gab Google Einsicht in ein neues Projekt welches die hellen Entwicklerköpfe des Konzerns beschäftigen. Darin war von einem neuen Einsatzgebiet von Android die Rede: als Betriebssystem im Browser. Der Vorteil dieser Implementierung liegt laut Google auf der Hand: Zum Einen sollen so Nutzer die bisher noch nicht die Vorzüge von Android kennen lernen konnten sich dieses ansehen. Zum Anderen können Entwickler nun auch ohne ein Android-Handy zu besitzen für diese Plattform entwickeln.

Das BrowserOS genannte Produkt (scheinbar ein Codename) soll laut dem Bericht in Kürze das Alpha-Stadium verlassen und damit einer größeren Gruppe zugänglich werden. Zum Einsatz des BrowserOS ist eine bestehende Internetverbindung Voraussetzung, wobei Google daran arbeitet, wie bei Google Docs, den Dienst auch offline nutzbar zu machen. Außerdem benötigt der Nutzer (vorerst) ein zumindest 6 Monate altes Google-Konto um am Beta-Programm teilnehmen zu können. Die finale Version wird dann jedem Google-Konto zu Verfügung stehen.

Google macht auf ein paar technische Voraussetzungen aufmerksam: Zum Einen benötigt der Nutzer auf seinem Computer 500 MB freien Speicherplatz (+ Platz zum Lagern der von ihm offline erstellten Dateien). Zum Anderen werden 512 MB RAM als Minimum genannt (2 GB bei Windows Vista). Da der Dienst von den Google-Servern aus gestartet wird läuft auf jenen nur der Kernel mitsamt ein paar kleineren Diensten. Die grafische Oberfläche wird beim Nutzer gerendert und basiert auf Silverlight. Google meint, dass ein Gears-ähnlicher Ansatz zu wenig wäre, da hier wesentlich mehr Funktionalität benötigt würde. Außerdem wäre Silverlight Adobes Flash technisch überlegen und würde schneller arbeiten als sein älterer Kollege.

Google dementiert in einem kleinen (ebenfalls nicht mehr erreichbaren) FAQ, dass dieses Projekt einer Zusammenarbeit mit Microsoft entspringe: "Wir verwenden ausschließlich die beste Technologie für unsere Nutzer, egal von wem sie stammt". Das würde bedeuten: nicht Java, nicht Flash, sondern eben Silverlight.

Innerhalb des BrowserOS soll der Nutzer auf andere Google-Dienste wie Google Docs, GMail, YouTube, usw… Zugriff haben wie auf lokal installierte Programme. YouTube soll z.B. als Media-Player (dessen Design in einem Mock-Up an den Windows Media Player erinnert) realisiert sein. Wann genau Google das Programm in den Beta-Stand erheben will war dem Eintrag nicht zu entnehmen, es dürfte jedoch nicht mehr lange dauern bis Google herkömmliche Betriebssysteme an einer neuen Front angreift.

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MS EULA unter Ubuntu? Ein Workaround

Dezember 8, 2010 um 2:36 nachmittags | Veröffentlicht in Computer, GNU/Linux, Microsoft, Ubuntuusers | 6 Kommentare

Fünf lange Jahre sind vergangen seit ich mich aus dem rostigen Käfig meines Windows XP in die Freiheit die man Linux nennt begeben habe. Seitdem hatte ich mit Endnutzer-Lizenzvereinbarungen kaum etwas zu tun. Solange Java noch nicht geöffnet war musst eine Lizenz akzeptiert werden und auch OpenTTD wies darauf hin, dass man im Besitz des Originalspiels sein musste, da technische Abhängigkeiten zu ein paar der originalen Grafikdateien bestanden. Die EULAs, die in diversen virtuellen Maschinen weggeklickt werden mussten, oder die manchmal von in wine installierten Programmen angezeigt wurden sind meiner Ansicht nach vernachlässigbar.

Heute habe ich jedoch nicht schlecht gestaunt, als mir bei einem einfachen System-Update bei dem auch das Paket ttf-mscorefonts-installer aktualisiert wurde plötzlich diese EULA der relativ unbekannten Firma "Microsoft" angezeigt wurde:

MS EULA auf Ubuntu
Klick auf den Ausschnitt um das ganze Bild zu sehen.

Nun ist es selbstverständlich Microsofts gutes Recht eine solche Lizenzvereinbarung vorzugeben wenn man ihre Software benutzen möchte. Wenn. Ein ‘no’ und ein im Terminal eingegebenes

sudo apt-get purge ttf-mscorefonts-installer

später erkennt man, dass das Paket, welches zwar als Abhängigkeit (lt. Synaptic) von wine1.*, *ubuntu-restricted-extras und openoffice.org, um nur ein paar zu nennen, installiert wird, keinen weiteren Nutzen mit sich bringt. So ist es eben 1.) nur ein Installer und 2.) installiert es nur einen kleinen Haufen Schriftarten von denen die Wichtigsten ein Gegenstück im Paket ttf-liberation finden (z.B.: Arial, Times und Courier).

Natürlich bleibt Jedem die Freiheit diese EULA zu akzeptieren und unbeschwert das eigene Leben fortzusetzen. Den Anderen schlage ich vor einfach die oben beschriebenen Schritte durchzugehen.

[UPDATE]

Nachdem mich ein Kommentar darauf aufmerksam gemacht hat, dass durch das Verzichten auf die bei den mscorefonts enthaltenen Schriftarten Kompatibilitätsprobleme mit anderen Nutzern/Programmen auftreten können die z.B. auf Windows laufen, habe ich mir überlegt, dass die Schriftarten ja auch anders zu bekommen sein müssen. Die EULA muss nämlich nicht für die Schriftarten akzeptiert werden, sondern für den Installer. Die Verwendung der Schriftarten ist jedoch für jeden frei:

These fonts were provided by Microsoft "in the interest of cross-platform compatibility". This is no longer the case, but they are still available from third parties.
You are free to download these fonts and use them for your own use, but you may not redistribute them in modified form, including changes to the file name or packaging format.
Auszug aus dem Text des Install-Skripts.

Mit dem Befehl

apt-get source ttf-mscorefonts-installer

laden wir uns das Install-Skript herunter. Dabei wird es gleich entpackt und wir wechseln mit

cd msttcorefonts-3.2ubuntu2

in das neu erstellte Verzeichnis. Abhängig von der aktuellsten Version des Installers kann dieses Verzeichnis anders heißen. Hier finden wir die Datei update-ms-fonts welche die Schriftarten herunterlädt. Da die Datei unter der GPLv2 steht darf sie verändert und so weiterverbreitet werden. Die Datei löscht nämlich die Schriftarten sofort, wenn irgendetwas schief läuft. Wir wollen sie aber nur als Downloader verwenden, um die Installation kümmern wir uns selbst. Dazu müssen wir die Datei mit einem Editor öffnen.

Nahezu am Ende der Datei steht folgender Eintrag:

rm -rf $SCRATCHDIR

Dieser Befehl löscht nach Ablauf des Skriptes den Ordner mitsamt der Schriftdateien. Deshalb stellen wir ein # an den Anfang der Zeile, sodass sie danach so aussieht:

#rm -rf $SCRATCHDIR

Das verhindert die Auführung des Befehls, sprich: die Dateien bleiben nach Ablauf des Skripts erhalten. Am Besten schreibt man danach noch diesen Befehl in das Skript:

echo "SCRATCHDIR: "$SCRATCHDIR

Dieser Befehl gibt das Verzeichnis aus in welches die Schriftdateien heruntergeladen wurden. Jetzt speichern wir die Datei und führen sie in einem Terminal aus:

./update-ms-fonts

Gegen Ende des Skriptes kommt dann in etwa folgende Ausgabe:

SCRATCHDIR: /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt

der Teil /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt ist dann unser gesuchter Ordner und wir wechseln mit

cd /tmp/ttf-mscorefonts-installer.nnKObt

in denselben. Hier finden wir einen Haufen von *.exe-Dateien welche wir mit

cp *.exe <IrgendeinVerzeichnis>

in einen Ordner unserer Wahl kopieren. (Z.B. das Download-Verzeichnis im /home-Ordner.) Hier rufen wir das Programm cabextract auf:

cabextract *.exe

welches uns die ‘.exe-Dateien entpackt und die eigenlichen Schriftdateien preis gibt. Wenn es noch nicht installiert ist, kann cabextract ganz einfach mit

sudo apt-get install cabextract

oder über Synaptic installiert werden. Als Letztes führen wir noch folgenden Befehl aus um die Rechte der Dateien zu korrigieren:

chmod 644 *.ttf *.TTF

Nun können wir die Schriftarten ins System einbinden. Unter KDE funktioniert dies in folgender Weise: alt+F2 drücken, systemsettings eingeben und mit <Enter> bestätigen. Im neuen Fenster ganz unten, im Abschnitt Systemverwaltung, findet sich der Punkt Schriftarteninstallation. Diesen öffnen wir.

Daraufhin verändert sich das Fenster und wieder ganz unten finden wir eine Schaltfläche Hinzufügen auf welche wir klicken. Daraufhin öffnet sich ein Dialog welcher uns fragt in welchem Verzeichnis die Schriftdateien liegen die wir installieren wollen. Hier suchen wir uns den Ordner in welchen wir zuvor die *.exe-Dateien kopiert und entpackt haben. In dem Ordner werden uns ein Haufen *.TTF-Dateien angezeigt. Wir markieren all die Dateien die wir installieren möchten und klicken auf Öffnen. Dann werden wir noch gefragt, ob die Schriften nur für diesen Nutzer, oder systemweit installiert werden sollen. Wenn es keinen Grund dagegen gibt empfehle ich, die Schriftarten systemweit zu installieren.

Eventuell ist die eine oder andere Schrift bereits installiert, dann kann man einfach auf überspringen klicken, sofern ein solcher Dialog bei der Installation angezeigt wird.

Voila, die Schriftarten sind installiert ohne die EULA akzeptiert oder irgendetwas Illegales getan zu haben. Danke GPL!

[/UPDATE]

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Google Episode V – The second empire strikes

Juni 1, 2010 um 12:29 nachmittags | Veröffentlicht in Computer, GNU/Linux, Google, Microsoft, Ubuntuusers | 8 Kommentare

Google macht mal wieder Schlagzeilen. Alle Spatzen zwitschern es von den Dächern: Google sagt Windows ade.

Als im Januar diesen jahres Hacker bei Google durch eine Sicherheitslücke im Internet Explorer eindrangen gab das Google den idealen Grund um die Umstellung der Firmen-PCs von Windows auf ein anderes Betriebssystem voranzutreiben. Bis dahin konnten sich neue Mitarbeiter frei das System ihrer Wahl aussuchen, wobei Windows scheinbar auf Desktops sowieso kaum anzutreffen war. Nun will Google auch den Installationen auf Laptops zu Leibe rücken. bestehende Installationen müssen vom jeweiligen Vorgesetzten genehmigt werden, für Neuinstallationen benötigt man gar den Segen des Leiters der Informationstechnik.

So wenig überraschend es ist, dass Google seine Mitarbeiter lieber mit den hauseigenen ChromeOS arbeiten sieht als mit einem Konkurrenzprodukt umso mehr hat es mich verblüfft, dass überhaupt noch Windows-Installationen bei Google zu finden sein sollen. Als einzige Alternative zu Linux dürfen auch Mac OS Systeme auf dem Arbeitsplatz laufen, was scheinbar von den Umsteigern bevorzugt gewählt wird. Ob Google neben ChromeOS auch andere Linux-Distributionen erlaubt konnte ich bis jetzt aus den vielen Berichten nicht herauslesen.

Quellen: Heise, orf.at

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